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Branche: Rohstoffe

AngloGold-Ashanti

Südafrika
Ghana

Das westafrikanische Königreich der Ashanti (Asante), im heutigen Ghana gelegen, bestand von 1680 bis 1896. Der Wohlstand und die Macht des Ashanti-Rreiches begründete sich zum einen auf den Goldfunden in Gebiet um den Ort Obuasi, zum anderen auf dem Sklavenhandel. Die Ashanti-Krieger Ieisteten den Briten, die bereits die südliche Küstenregion in Besitz genommen und 1874 zur Kronkolonie erklärt hatten (Gold Coast Colony), auch am längsten erbitterten Widerstand. Doch letztlich erwiesen sich die Briten dank ihrer modernen Maschinengewehre den Ashanti überlegen. 1896 eroberten sie Kumasi, die Hauptstadt des Ashanti-Reiches, setzten den König Prempeh I. (Kwaku Dua III.) ab und erklärten das Ashanti-Gebiet zum Protektorat.

Bereits 1890 hatten die beiden Händler Joseph E. Ellis und Joseph E. Biney, die dem Fanti-Volk entstammten, das wiederum mit den Briten verbündet war, von König Prempeh I. eine Konzession zum Goldabbau in Obuasi, rund 60 Kilometer südwestlich von Kumasi, erworben. 1895 verkauften Ellis und Biney die Konzession und die Ellis-Mine an die Londoner Firma Smith & Cade, die John Smith und Edwin Arthur Cade gehörte. Smith und Cade riefen die Côte d'Or Mining Company ins Leben und 1897 in London die Aktiengesellschaft Ashanti Goldfields Corporation Ltd. (AGC), die ab Juni 1897 an der Londoner Börse notiert war. Die AGC übernahm anschließend die Côte d'Or Mining Company. Damit befand sich das Gold aus Obuasi, der die reichste Quadratmeile Afrikas, wie das Gebiet mitunter genannt wurde, komplett in den Händen der Briten.

Das Unternehmen legte aufgrund der anfänglich hohen Fördermengen (man baute zunächst das am schnellsten zugängliche Erz in den Hügeln um Obuasi ab) und des brachliegenden Goldabbaus in Südafrika, wo der Burenkrieg (1899 –1902) tobte, einen fulminanten Start hin. Doch der Aufstand der Ashanti (1900) und die Erschöpfung der leicht erreichbaren Lagerstätten führten bald wieder zu einen Rückgang der Fördermengen. Investitionenen in neue Anlagen und Bergbau-Techniken. effizientere Methoden zur Aufbereitung von Golderz und die Entdeckung weiterer Erzlagerstätten brachten um 1908 einen neuen Aufschwung, der jedoch von den beiden Weltkriegen unterbrochen wurde.

1957 entließ Großbritannien die Kronkolonie Goldküste und Britisch-Togoland unter dem Namen Ghana in die Unabhängigkeit. Unter des autokratisch regierenden Präsidenten Kwame Nkrumah wurden mehrere Goldminen in Ghana verstaatlicht – mit Ausnahme der Ashanti-Mine in Obuasi. Die Landpachten und Lizenzgebühren waren zu dieser Zeit für Ashanti Goldfields außerordentlich günstig. Das änderte sich erst 1966 mit dem Sturz Nkrumahs und der Machtübernahme durch die Militärjunta National Liberation Council (NLC), die dem Ex-Präsidenten vorwarf, das Land durch Fehlentscheidungen und Misswirtschaft ins wirtschaftliche Chaos geführt zu haben. Als die NLC die geringen Gebühren für den britischen Goldkonzern in Frage stellte, drohte der damalige Ashanti-Chef Sir Edward Spears, ebenfalls ein ausgesprochener Autokrat, damit, die Goldmine zu fluten. Daraufhin begann die Regierung mit der Suche nach neuen Investoren für die Mine.

1968 erwarb der britische Mischkonzern Lonrho Ltd., die frühere London und Rhodesia Mining and Land Company Limited, die Mehrheit an der Ashanti Goldfields Corporation Ltd. und nahm das Unternehmen anschließend von der Londoner Börse. Der ghanaische Staat bekam einen 20-prozentige Beteiligung an Ashanti Goldfields und die Option weitere 20 Prozent der Aktien zu kaufen. Als Gegenleistung gewährte Ghana dem Unternehmen eine 50-jährige Verlängerung der Pachtverträge. Sir Edward Spears, der seit 1937 Chef von Ashanti Goldfields gewesen war, behielt diese Position noch bis 1971 bei, dann trat er zurück.

1972 kam es in Ghana erneut zu einem Militärputsch. Die neue Regierung von lgnatius Kutu Acheampong forderte eine höhere Beteiligung an den Bergbau-Unternehmen des Landes und erwarb daraufhin 55 Prozent der Ashanti-Aktien. Das Unternehmen musste sich auf Regierungsanweisung hin in Ashanti Goldfields Company umbenennen und seinen Hauptsitz von London nach Accra verlegen. In der Folgezeit wurde der Anteil von Einheimischen im Unternehmen, auch in Führungsposition, nach und nach erhöht. Zuvor schickte man junge Ghanaer an renommierte ausländische Universitäten und ließ sie dort ausbilden. Samuel Esson Jonah, der spätere CEO von Ashanti Goldfields, war einer der Teilnehmer dieses ambitionierten Ausbildungsprogramms.

In den 1970er Jahren ging die Gold-Produktion infolge erschöpfter Vorräte von 33.000 Unzen im Jahr 1972 auf 232.000 Unzen im Jahr 1980 zurück. 1982 musste das Unternehmen erstmals in seiner Geschichte einen Verlust ausweisen. Unter Sam E. Jonah begann für das Unternehmen ab 1986 eine neue Phase. Aufgrund eines neuen Bergbaugesetzes der Regierung von Jerry Rawlings (ab 1981) konnte Ashanti Goldfields nun einen höheren Anteil an den Exporterlösen behalten und so in neue Ausrüstungen und Anlagen investieren. Vom Internationalen Währungsfonds (IWF) erhielt das Unternehmen einen Kredit von 111 Millionen US-Dollar. Die Löhne für die Minenarbeiter wurden angehoben und die noch im Londoner Büro befindlichen Aktivitäten verlegte man nun ebenfalls nach Ghana.

Schließlich brachte die ghanaische Regierung, die damals rund 31 Prozent der Ashanti-Anteile hielt, das Unternehmen 1994 zunächst an die Börsen von Accra und London und 1996 – als erstes afrikanisches Unternehmen – auch an die New Yorker Börse. Mit den Einnahmen aus dem Börsengang konnte Ashanti Goldfields weitere Minen in Ghana (Ayanfuri, Bibiani, lduapriem Tarkwa) erwerben und in andere afrikanische Länder expandieren (Siguiri-Mine Guinea, Freda-Rebecca-Mine Simbabwe, Geita-Mine Tansania). Im Jahr 2000 produzierte Ashanti Goldfields 1,74 Millionen Unzen Gold.

2004 schloss sich Ashanti Goldfields mit der AngloGold Ltd., einer erst kurz zuvor entstandenen Tochtergesellschaft der britisch-südafrikanischen Anglo American Group. zusammen. Das neue Unternehmen firmiert als AngloGold Ashanti Limited mit Sitz in Johannesburg und ist an den Börsen Johannesburg, London und Sydney notiert.

2008 produzierte AngloGold Ashanti 4,98 Millionen Unzen Gold. Daneben werden inzwischen auch Silber und Uran gefördert. Dem Konzern gehören Bergwerke und Verarbeitungsanlagen in Argentinien (Cerro Vanguardia), Australien (Sunrise Dam, Tropicana), Brasilien ( AGA Mineração, Serra Grande), Ghana (lduaprim, Obuasi, Siguiri), Kolumbien (Gramalote, La Colosa, Quebradona), Kongo (Kibali), Mali (Morila, Sadiola), Südafrika (Mponeng/West Wits) und Tansania (Geita). Die Freda-Rebecca Gold Mine in Simbabwe und die Union Reef Gold Mine in Australiin wurden 2004 und 2005 verkauft. Die Beteiligung an der Boddington Gold Mine in Australien erwarb 2009 die Newmont Mining Corporation (USA). Die südafrikanischen Vaal-River-Minen Moab Khotsong, Great Noligwa und Kopanang übernahmen 2018 das südafrikanischen Unternehmen Harmony Gold Mining Company Limited (Randfontein) und das chinesische Unternehmen Heaven-Sent SA Sunshine Investment (Hongkong).

Die als Untertagebau und Tagebau betriebene Obuasi-Mine, die sich inzwischen über eine Fläche von 20.100 Hektar (201 km2) erstreckt, ist nach wie vor eine der größten und ergiebigsten Goldlagerstätten der Welt. Wenige Kilometer nordwestlich der Mine befindet sich eine 1993 errichtete Goldaufbereitunganlage. Von 2014 bis 2019 war die Mine aufgrund von Überkapazitäten außer Betrieb. In dieser Zeit kam es wiederholt zu Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und illegalen Goldsuchern.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 17.03.2020 | 23:44