Markenlexikon

Branchen: Aluminium | Rohstoffe

Anaconda Copper

USA

Die Anaconda-Silber- und Kupfer-Mine bei Butte/Montana wurde im Oktober 1875 von dem irischstämmigen Bürgerkriegsveteran Michael Hickey (1836 – 1909) entdeckt. Zum Namen Anaconda inspirierte ihn ein Artikel in der New York Tribune: »I served in McClellan's army [Anm. George B. McClellan] in the war. One day while in camp l had picked up a copy of the New York Tribune and read one of Greeley's [Anm. Horace Greeley] editorials in which he said that McClellan's army was enenveloping Lee's [Anm. Robert E. Lee] army like a great anaconda.«

Da Hickey die finanziellen Mittel zur Entwicklung der Mine nicht alleine aufbringen konnte, beteiligte er den Banker Charles Larabie an seinem Unternehmen. Der wiederum den ebenfalls aus Irland stammenden Minen-Manager Marcus Daly (1841 – 1900) ins Spiel brachte. Daly leitete damals die Alice Mine in Walkerville, nördlich von Butte, die den vier Brüdern Joseph, Samuel, Matthew und David Walker aus Salt Lake City gehörte. Nachdem die Walker-Brüder einen Kauf der Anaconda-Mine abgelehnt hatten, verließ Daly 1881 die Alice Gold and Silver Mining Company und erwarb mit finanzieller Unterstützung der Firma Hearst, Haggin, Tevis and Co. (George Hearst, James Ben Ali Haggin, Lloyd Tevis) die Mine selbst. Hearst, den Vater des späteren Zeitungskönigs William Randolph Hearst, hatte Daly während seiner Tätigkeit in der Ophir Silbermine in Virgina City/Nevada kennengelernt; Hearst, Haggin und Tevis waren an der Ophir Mining Company beteiligt.

Zunächst wurde in der Anaconda-Mine Silber gefördert. Doch schon wenig später stieß man etwas tiefer auf reichlich Kupfererz. ln der Nähe der Mine errichtete die Anaconda Copper Mining Company daraufhin Kupferhütten, Kupferverabeitungsanlagen, Eisenbahnlinien und eine Arbeiterstadt, die zunächst Copperpolis heißen sollte, dann aber den Namen Anaconda bekam, weil den Namen Copperpolis schon eine andere Minenstadt trug. Der Versuch Dalys Anaconda zur Hauptstadt Montanas zu machen schlug jedoch 1889 fehl. Die Erfindung der Glühlampe (1878) durch Thomas Alva Edison und die damit verbundene Elektrifizierung der Städt führten zu einem stark ansteigenden Bedarf an Kupfer. Von 1892 bis 1902 war die Anaconda-Mine der größte Kupferproduzent der Welt. Butte entwickelte sich in dieser Zeit zu einer der am schnellsten wachsenden und reichsten Städte Nordamerikas, ähnlich wie im 16. Jahrhundert die Silbermetropole Potosi in den südamerikanischen Anden. Zählte die Stadt 1880 noch rund 3.300 Einwohner, waren es 1910 schon 39.000 und 1917 bereits 91.000.

1889 kaufte sich der französische und britische Zweig der Rothschild-Familie in die Anaconda Copper Mining Company ein. 1899 folgten den Rothschilds die Rockefellers. Gemeinsam rnit Henry Huttleston Rogers (ein Freund von John D. Rockefeller) und William Rockefeller (der Bruder von John D. Rockefeller) rief Marcus Daly die Holdinggesellschaft Amalgamated Copper Mining Company ins Leben, die die Anaconda Copper Mining Company übernahm. John D. Rockefeller selbst und sein Ólkonzern Standard Oil (Exxon/Esso) waren jedoch nicht an dem neuen Kupferkonzern beteiligt. 1910 erwarb Amalgamated Copper die Alice Mine, den einstigen Arbeitgeber Dalys (die Alice Gold and Silver Mining Company wurde 1930 aufgelöst).

Nachdem die Kupferproduzenten von Butte (Amalgamated/Anaconda, United Copper Company/Fritz Augustus Heinze, William Andrews Clark) jahrzehntelang miteiander konkurriert hatten, ohne dass es einer Gruppe gelungen war, die Vorherrschaft zu erlangen. schlossen sich die Konkurreten schließlich 1915 zur Anaconda Copper Mining Company zusammen. Chef des neuen Unternehmens wurde der Banker John D. Ryan, der gleichzeitig der Vermögensverwalter des verstorbenen Marcus Daly und seiner Witwe war.

Unter der Führung von Ryan, Cornelius Kelley (ab 1940 Anaconda-Chef) und Percy Rockefeller (Sohn von William Rockefeller) expandierte Anaconda mit der Übernahme von Gold-, Kupfer-, Mangan-, Silber-, Uran- und Zinkminen auch ins Ausland: 1916 erwarb Anaconda die Potrerillos Mine (Atacama Region/Chile), 1922 die Cananea Copper Mine (Sonora/Mexiko), 1923 die Chuquicamata Mine im Norden von Chile bei Calama und von 1926 bis 1939 gehörte dem Konzern über eine Tochtergesellschaft die Mehrheit an dem polnischen Bergwerks- und Hüttenunternehmen Giesche Spolka Akcyjna in Katowice, das Zinkerz förderte und verarbeitete. Anaconda entwickelte in den nächsten Jahren noch weitere Minen in Chile, u.a. die El Salvador Mine (Atacama Region), die 1959 mit der Förderung begann.

In den USA gehörten Anaconda neben Montana (Anaconda, Butte, Columbia Falls, Great Falls, Thompson Falls) auch Minen und Hüttenanlagen in New Mexico (Anaconda), Wyoming (Thunder Basin), Nevada (Weed Heights; 1952 – 1978) und Utah (Tooele; 1910 – 1972). Während der beiden Weltkriege war der damals viertgrößte Konzern der Welt einer der größten Metall- Lieferanten des Militärs (Kupfer, Mangan, Zink). 1923 erwarb Anaconda die American Brass Company (Waterbury/Connecticut), den damals führenden Messinghersteller der USA.

Die Arbeitsbedingungen in den Gruben und Fabriken waren allerdings derart schlecht, dass der Name Anaconda – ähnlich dem des Bananenkonzerns United Fruits (Chiquita) – bis heute für die negativsten Auswüchse des amerikanischen Kapitalismus steht. Der Konzern bestimmte und kontrollierte praktisch das gesamte Leben der Arbeiter; ihm gehörten die Stadt Anaconda, die Wohnungen, die Läden und die Verkehrsmittel (Eisenbahn), außerdem zahlreiche Zeitungen in Butte und Montana (Butte Post, Butte Miner, Anaconda Standard, Daily Missoulian, Helena Independent, Billings Gazette). Aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung der Kupferindustrie und der vielen Arbeitsplätze besaßen die Anaconda-Direktoren auch einen enormen Einfluss auf die Politik Montanas. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam es in Butte und der Umgebung immer wieder zur Streiks und Protesten der inzwischen gewerkschaftlich organisierten Minenarbeiter. Teilweise arteten die Auseinandersetzungen zwischen den Arbeitern, den konzerneigenen Sicherheitskräften, privaten Sicherheitsdiensten, der Polizei und der Nationalgarde in bürgerkriegsähnliche Zustände aus. Es kam zu Lynchmorden, tödlichen Schießereien und Sprenstoffanschlägen. Zeitweise galt in Butte das Kriegsrecht.

Die Anaconda-Mine wurde 1947 geschlossen, nachdem dort 94.900 Tonnen Kupfer gefördert worden waren. Ab 1955 baute Anaconda das Kupfer im Tagebau ab; die Grube Berkeley Pit wuchs im Laufe der Jahre bis auf 1600 Meter Länge, 800 Meter Breite und 540 Meter Tiefe an. Zur gleichen Zeit begann das Unternehmen in einer neu errichteten Fabrik in Columbia Falls/Montana mit der Herstellung von Aluminium. 1955 benannte sich der Konzern in The Anaconda Company um.

Die Verstaatlichung der Anaconda-Minen in Chile und Mexiko (1971), die hohen Investitionen in die Twin-Buttes-Mine in Arizona (Anaconda war neben der Amax Mining Company zu 50 Prozent an der Betreibergesellschaft Anamax beteiligt) und ein Kupfer-Preisverfall Mitte der 1970er Jahre führten 1977 zur Übernahme der Anaconda Company durch den Ölkonzern Atlantic Richfield Company (ARCO), der darauf hoffte, das Know-how des Bergbaukonzerns zum Abbau von Schieferöl verwenden zu können. Der Verfall des Ölpreises machte diese Hoffnung damals jedoch zunichte.

Atlantic Richfield stoppte die Produktion der Anaconda-Hütten 1980, wodurch auf einen Schlag rund 25 Prozent der Bevölkerung von Butte arbeitslos wurden, und schloss die noch aktiven Anaconda-Minen in Montana zwischen 1982 (Berkeley Pit) und 1983 (Continental Pit). Die Gruben füllten sich nach dem Abstellen der Pumpen nach und nach mit Grundwasser. Das Wasser des Berkeley Pit enthält bis heute eine große Menge gelöster Schwermetalle und andere Stoffe (Arsen, Blei, Cadmium, Kupferkiesel, Schwefelsäure, Zink). Die 1985 von Dennis Washington gegründete Firma Firma Montana Resources, die in der 1986 reaktivierten Continental Mine auch Kupfer, Silber und Molybdän abbaut, gewinnt Kupfer direkt aus dem Wasser des Berkeley Pit.

Das Aluminium-Werk in Columbia Falls (Columbia Falls Aluminum Company) verkaufte ARCO 1985 an eine Investorengruppe; seit 1999 gehört es dem Schweizer Rohstoffkonzern Glencore.

Atlantic-Richfıeld selbst wurde im Jahr 2000 von dem britischen Ölkonzern BP übernommen und in BP West Coast Products LLC umbenannt.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 08.04.2020 | 11:12