Markenlexikon

Branche: Musikindustrie

Amiga

Deutschland

Der Sänger und Schauspieler Ernst Busch gründete 1947 die Plattenfirma Lied der Zeit Schallplatten-Gesellschaft mbH, nachdem er von der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) eine Lizenz dazu erhalten hatte. Da stramme Kampf- und Propaganda-Lieder wie sie Busch sang nicht jedermanns Sache waren, wurden schon im Laufe des Jahres 1947 neben dem Label Lied der Zeit (Internationale Kampf- und Arbeiterlieder) noch zwei weitere Labels etabliert, die sich anderen Genres widmeten: Amiga (Tanzmusik) und Eterna (Klassische Musik) – später kamen noch weitere wie Aurora (Arbeiterlieder von Ernst Busch), Litera (Sprechaufnahmen), Nova (zeitgenössische sinfonische Musik ) und Schola (für Unterrichtszwecke) hinzu.

Nachdem die Firma 1953 in einen Volkseigenen Betrieb (VEB) umgewandet worden war, kam es ein Jahr später zur Trennung der Plattenfirma (VEB Deutsche Schallplatten Berlin) und dem Musikverlag (VEB Lied der Zeit Berlin). Amiga blieb bis zum Ende der DDR 1989 das einzige Plattenlabel, auf dem Unterhaltungsmusik (Blues, Folk, Jazz, Pop, Rock, Schlager, Volksmusik) veröffentlicht wurde. Neben eigenen Produktionen (u.a. Aurora Lacasa, Berluc, City, Electra, Frank Schöbel, Karat, Karussell, Lift, Petra Zieger, Puhdys, Reinhard Lakomy, Rockhaus, Silly, Ute Freudenberg, Veronika Fischer, Wolfgang Ziegler) veröffentlichte Amiga auch zahlreiche Lizenzplatten von westlichen Musikern, allerdings schon aus Kostengründen in sehr überschaubaren Stückzahlen. Produziert wurden die Platten im früherten Tempo-Schallplatten-Presswerk in Potsdam-Babelsberg, die Musikkassetten in Berlin-Johannisthal und die Cover bei VEB Gotha-Druck. Aufnahmestudios gab es mehrere in Berlin.

Nach der Wende wurde das Unternehmen in eine GmbH umgewandelt (DSB Deutsche Schallplatten Berlin GmbH) und 1991 von dem Kieler Autohändler Ulrich Urban und dem Musikmanager Jorgen Larsen übernommen. Das Label Amiga verschwand für eine Weile von der Bildfläche; man verwendete nun neue Labelnamen wie Blue Song, DSB, Musicando, Z oder Zong. Nach der Insolvenz Ende 1993 kam die Bertelsmann Music Group (BMG-Ariola) zum Zug (ein weiterer Bieter war PolyGram gewesen). Amiga-Label-Manager wurde der frühere Amiga-Mitarbeiter Jörg Stempel (1981 – 1988) und Vertriebsleiter Ost der BMG-Ariola München GmbH (1990 – 1993). BMG schloss die Labels Amiga, Beam, Dolce Vita, Hansa, K&P, Lautstark, MCI (Frank Farians Label), Na Klar! (Wolgang Petry), Rare (Stefan Raabs Label), Turbo Beat und Sing Sing 1997 in der BMG Musik Berlin GmbH zusammen. Seit Sony Music 2008 das Jointventure Sony-BMG Music übernommen hat, gehört das Label Amiga zur Sony Music Entertainment Germany GmbH.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 16.11.2020 | 22:28