Markenlexikon
Nachdem in den 1920er und 1930er Jahren die Baderegeln nach und nach gelockert worden waren und immer mehr nackte Haut gezeigt werden durfte, mussten sich die Badegäste nun mit den Folgen der Sonnenbestrahlung auseinandersetzen. Zunächst wurden lediglich normale Cremes oder Öle – möglichst dick aufgetragen – als Sonnenschutz verwendet. Viel half das allerdings nicht.
Nachdem sich der französische Chemiker und L’Oréal-Gründer Eugéne Schueller (1881 – 1957) im Sommer 1934 beim Segeln vor der bretonischen Küste einen Sonnenbrand geholt hatte, ließ er von seinen Chemikern ein Sonnenschutzmittel entwickeln, das rechtzeitig zum nächsten Sommer im Juni 1935 unter dem Namen Ambre Solaire (ambre = frz. Bernstein, bernsteinfarben; solaire = frz. Sonnen-, Sonnenschutz) auf den Markt kam.
Er hätte es auch einfacher haben können, denn genau in jenem Jahr, als er sich die Haut verbrannte, hatte die deutsche Firma Drugofa, eine Tochtergesellschaft des deutschen Chemiekonzerns Bayer, unter dem Namen Delial eine Lichtschutzsalbe auf den Markt gebracht. Bayer-Forscher hatten zuvor die Novantisolsäure entdeckt, eine chemische Verbindung, die die UV-Strahlen der Sonne herausfiltern konnte. Leider gab es damals noch keine Fernsehwerbung und so musste sich der ahnungslose L’Oréal-Chef eine eigene Salbe anfertigen lassen.
Mit der Einführung des Bikinis 1946 war der größte Teil der Haut dem UV-Licht ausgesetzt, sodass die Verwendung von Sonnenschutzmitteln zur Vermeidung von Sonnenbränden unumgänglich wurde. Erst recht während des ersten Tourismus-Booms in den 1960er Jahren, der die Urlauber vor allem in südliche Länder führte, wo die Sonne aufgrund ihres höheren Standes die Haut noch viel intensiver bestrahlte. Ambre Solaire gehörte neben Delial, Nivea und Piz Buin aus der Schweiz zu den führenden Sonnenschutzmarken dieser Zeit.
1965 erwarb L’Oréal die 1904 von dem Pharmazeuten Alfred Amour Garnier gegründeten Laboratoires Garnier Paris, unter deren Label Ambre Solaire heute vermarktet wird. 1996 verkaufte Bayer die Marke Delial an den US-Konsumgüterkonzern Sara Lee (Nahrungsmittel, Bekleidung, Körperpflegeprodukte), der sie 2006 an L’Oréal weiterreichte. Daraufhin verwendete L’Oréal in Deutschland für die Sonnenschutzprodukte eine Zeit lang die Marke Ambre Solaire Delial.
Text: Toralf Czartowski