Markenlexikon
Der Trompeter Herbert (Herb) Alpert (* 1935) hatte zunächst einige Jahre in einer Armee-Band gespielt. Danach versuchte er sich als Schauspieler (u. a. in »Die zehn Gebote«) und Sänger. 1958 bildete er mit dem früheren Versicherungsvertreter Lou Adler (* 1933), dem späteren Gründer von Dunhill Records und Ode Records, ein erfolgreiches Songschreiber-Duo. Beide schrieben zahlreiche Songs, u. a. zusammen mit Sam Cooke dessen Welthit »Wonderful World«.
1962 gründete Alpert mit dem ehemaligen RCA-Produzenten Jerome Sheldon (Jerry) Moss (* 1935) in Los Angeles die Plattenfirma Carnival Records – das Startkapital bestand aus zweihundert Dollar. Nachdem sich herausgestellt hatte, dass es bereits eine Firma mit diesem Namen gab, benannten sie die Gründer in A&M Records um. Zunächst war das Label nur zur Veröffentlichung der Herb-Alpert-Platten gedacht.
Das mit Stierkampfgeräuschen unterlegte Trompeten-Instrumental »The Lonely Bull« wurde 1962 gleich ein Hit und war auch gleichzeitig die Geburtsstunde des Tijuana-Sounds. James Last entwickelte daraus später seinen Happy Party Sound. Von 1962 bis 1969 wurden die Herb-Alpert-Platten unter dem Namen Herb Alpert And His Tijuana Brass veröffentlicht. Mitglieder dieser Band waren Lou Pagini, John Pisano, Tonni Kalash, Pat Senatore, Bob Edmondson und Nick Ceroli. Zu den Hits dieser Formation gehörten »Taste Of Honey« (1965), »Spanish Flea« (1965) und »This Guy’s In Love With You« (1968). Im Sommer 1979 gelang Herb Alpert mit dem Trompetenstück »Rise« sein größter Hit.
In der zweiten Hälfte der 1960er Jahren nahm A&M Records zahlreiche britische Bands und Musiker unter Vertrag oder übernahm deren US-Vertrieb (Cat Stevens, Fairport Convention, Free, Humble Pie, Joe Cocker, Procol Harum, Spooky Tooth, The Move). In den 1970er und 1980er Jahren kamen Künstler wie Billy Preston, Bryan Adams, Carole King, Chris de Burgh, Janet Jackson, Joan Armatrading, Joan Baez, Liza Minnelli, Nazareth, Quincy Jones, Rita Coolidge, Sting, Styx, Supertramp, Suzanne Vega, The Carpenters, The Human League oder The Police dazu. In dieser Zeit war das Unternehmen zeitweise die größte unabhängige Plattenfirma der Welt.
Anfangs wurden die A&M-Platten von anderen Firmen wie CBS, EMI, Festival, Pye oder RCA vertrieben. Bald etablierte das Unternehmen jedoch in den wichtigen Märkten eigene Niederlassungen (1970 Großbritannien, Kanada; 1977 Kontinental-Europa).
1989 verkauften die Gründer A&M Records an die Philips-Tochter PolyGram (Deutsche Grammophon, Decca London, Island, Mercury, Motown, Philips, Phonogram, Polydor, Vertigo, Verve), die sich 1998 mit der Universal Music Group (Decca New York, Geffen Records, GRP Records, MCA Records) zusammenschloss. Bis 1993 führten Alpert und Moss die Firma unter dem PolyGram-Dach weiter.
1999 schloss Universal Music die drei Labels A&M Records, Geffen Records und Interscope Records zur Label-Gruppe Interscope Geffen A&M (IGA) zusammen. Der A&M-Hauptsitz in der La Brea Avenue wurde zur gleiche Zeit geschlossen. Von 2007 bis 2014 bestand das IGA-/Octone Records-Jointventure A&M/Octone Records. Seit 2024 gehören alle Universal-Music-Labels aus Los Angeles (A&M, Capitol, Geffen, Interscope) zur Interscope Capitol Labels Group. Das Label A&M wird nur noch selten für Veröffentlichungen verwendet.
Text: Toralf Czartowski