Markenlexikon
Edward Phelps Allis (1824 – 1889), der zuvor in einer Lederfabrik tätig gewesen war, erwarb 1851 eine Firma, die Mühlen und dementsprechendes Zubehör produzierte. Bis zur Jahrhundertwende entwickelte sich Allis zu einem führenden amerikanischen Hersteller von Dampfmaschinen für Getreide- und Sägemühlen. 1901 kam es zur Fusion mit dem Bergbauausrüster Fraser & Chalmers, sodass der neue Firmenname nun Allis-Chalmers lautete. Weltweite Berühmtheit erlangte Allis-Chalmers allerdings nicht mit Dampfmaschinen, sondern mit Traktoren und Baumaschinen. Dieser Produktionszweig entstand 1928 durch den Kauf des Raupenschlepperherstellers Monarch.
Nach weiteren Übernahmen in den 1950er Jahren (1952 La Plant-Choate, 1959 Tractomotive) konnte Allis-Chalmers bald eine recht breite Auswahl an Baumaschinen anbieten, vor allem Grader, Laderaupen, Radlader, Raupenschlepper, Schürfzüge und Traktoren. Mit der Übernahme des Mähdrescher-Herstellers Gleaner stieg Allis-Chalmers 1955 in die Produktion von Landmaschinen ein. Nach achtjähriger Entwicklung brachte Allis-Chalmers 1970 die damals größte Planierraupe der Welt auf den Markt (HD-40); diesen Rekord hielt sie bis zur Einführung der Komatsu D 455 A im Jahr 1977.
1974 gründeten Fiat und Allis-Chalmers das Jointventure Fiat-Allis (später Fiatallis), das Teile des Allis-Chalmers-Programms auch nach Europa brachte. 1985 wurde Allis-Chalmers von dem deutschen Maschinenbaukonzern Klöckner-Humboldt-Deutz (Deutz-Fahr) übernommen. Die KHD-Tochter nannte sich nun Deutz-Allis, der Name Chalmers wurde aufgegeben. Von 1986 bis 2001 betrieben Fiatallis und Hitachi Constructions Machinery (Japan) das Jointventure Fiat-Hitachi Excavators, das im Fiat-Werk San Mauro bei Turin Hitachi-Raupenbagger fertigte. 1988 schloss Fiat seine beiden Tochtergesellschaften Fiatagri (vorm. Fiat Trattori) und Fiatallis zu einem Unternehmen zusammen (FiatGeotech).
1990 verkaufte KHD Deutz-Allis an das Management, das die Firma in AGCO (Allis + Gleaner + Company) umbenannte. Der Markenname Allis wurde 2002 zugunsten von AGCO aufgegeben. Später übernahm AGCO noch zahlreiche weitere internationale Landmaschinenhersteller (1991 Hesston, 1993 White New Idea, 1994 Massey-Ferguson und McConnell Tractors, 1995 AgEquipment Group [Farmhand, Glenco, Farmhand], 1996 Western Combine und Portage, 1997 Fendt, 1998 Spra-Coupe und Willmar, 2002 Challenger Tractors und Sunflower, 2004 Valtra und Sisu Diesel, 2007 Laverda).
Die AGCO Corporation (Duluth/Georgia) betreibt Produktionsstätten in Brasilien (Canoas, Santa Rosa), China (Changzhou), Deutschland (Asbach-Bäumenheim/Bayern, Feucht/Bayern, Marktoberdorf/Bayern, Waldstetten/Bayern, Wolfenbuttel,Niedersachsen, Hohenmölsen/Sachsen-Anhalt), Finnland (Äänekoski, Linnavuori), Frankreich (Beauvais), Italien (Breganze), Mexiko (Querétaro) und den USA (Beloit/Kansas, Hesston/ Kansas, Jackson/Minnesota, Tremont/Illinois).
Text: Toralf Czartowski • Fotos: Unsplash.com, Pixabay.com, Public Domain

