Markenlexikon
Der Buchhalter Allen Klein (1931 – 2009) arbeitete nach Beendigung seines Studium 1957 kurzzeitig bei einer New Yorker Wirtschaftsprüfungsfirma, wo er das erste Mal mit der Musikindustrie in Berührung kam. Die Firma entließ ihn aber bereits nach nur vier Monaten wegen ständiger Unpünktlichkeit. Und sie verhinderte auch, dass er als selbstständiger Wirtschaftsprüfer zugelassen wurde. Mit Hilfe seines Studienfreundes Don Kirshner, der bereits als Komponist, Manager (Bobby Darin, Neil Sedaka) und Musikverleger (Aldon) tätig war, gelang Klein der Einstieg in die Musikindustrie.
1961 gründete er gemeinsam mit Henry Newfield und Marty Weinberg die Beratungsfirma Allen Klein and Company, die sich darauf spezialisierte, Klienten aus der Musikbranche in finanziellen Dingen zu beraten, u. a. Bobby Darin, Bobby Vinton, die Dave Clark Five, Dimitri Tiomkin, Lloyd Price, Neil Sedaka und Sam Cooke.
Klein entwickelte bald ein glückliches Händchen dafür, nicht nur für seine Klienten bei den Plattenfirmen mehr Geld rauszuholen, als damals üblich war, sondern auch für sich. Vor allem profitierte er davon, dass er seinen Klienten ihr Geld über lange Zeiträume auszahlte, damit sie Steuern sparen konnten. In dieser Zeit investierte er das Geld gewinnbringend und steckte die Gewinne in die eigene Tasche.
Ab 1964 arbeitete Klein ein Weile als amerikanischer Geschäftsführer des Londoner Produzenten Mickie Most (The Animals, Herman's Hermits). Dadurch kam er bald auch in Kontakt zu anderen britischen Musikern, für die er ebenfalls neue und bessere Verträge aushandelte (The Kinks, Lulu, Donovan, Pete Townshend) – wieder nach der gleichen Steuersparmethode.
1965 wurde Klein auf Betreiben des Managers Andrew Loog Oldham Finanzverwalter der Rolling Stones, wo sich das Spiel wiederholte. Doch hier setzte Klein, über den die Sunday Times einmal schrieb »Er hat ein erschreckendes Talent zum Bluffen und er kann lügen wie ein Kavallerist«, dem Ganzen die Krone auf. Er gründete in den USA einen Ableger des bandeigenen Musikverlags Nanker Phelge Music, der allerdings ihm alleine gehörte – was erstaunlicherweise niemanden von der Band auffiel. Und dieser Niederlassung wurden ganz offiziell (aus Steuerspargründen) die Veröffentlichungsrechte an allen Songs und Aufnahmen der Rolling Stones übertragen. Damit verwaltete Klein nicht nur das Geld der Stones (aus Steuerspargründen), sondern ihm gehörten die Veröffentlichungsrechte an allen Rolling-Stones-Songs von 1963 bis zum Vertragsende mit der Plattenfirma Decca 1971. Den Vorschuss, den die Band von Decca erhalten hatte, legte Klein in General-Motors-Aktien an und behielt die enormen Gewinne für sich. Als die Band den Betrug mitbekam, schmissen sie Klein raus. Die Trennung der Stones von Allen Klein zog eine ganze Reihe von Prozessen nach sich, die bis in die 1980er Jahre andauerten.
Nachdem der Versuch das Filmstudio Metro-Goldwyn-Mayer zu kaufen gescheitert war, erwarb Klein 1967 zusammen mit Abbey Butler das börsennotierte Plattenlabel Cameo-Parkway Records aus Los Angeles und benannte das Unternehmen anschließend in Abkco Industries (The Allen and Betty Klein Company) um. Zu Abkco gehörten das Plattenlabel Abkco Records, der Musikverlag Abkco Music, das Musikermanagement und ein Presswerk.
Ab 1969 mischte Allen Klein bei den Beatles und deren Firma Apple Corps mit, doch bevor er auch dort großen Schaden anrichten konnte, lösten sich die Beatles auf. Ein Grund dafür soll auch die Abneigung Paul McCartney gegenüber Allen Klein gewesen sein. Nach der Trennung arbeitete Klein mit John Lennon, George Harrison und Ringo Starr noch bis 1973 zusammen. Auch zwischen den drei Ex-Beatles sowie ihrer Firma Apple Corps und Klein kam es zu mehreren Gerichtsprozessen.
Fortan vermarktete Abkco hauptsächlich seinen Katalog (u. a. Chubby Checker, Herman's Hermits, Marianne Faithfull, Sam Cooke, The Animals, The Kinks, The Rolling Stones). Für den Vertrieb ist die Universal Music Group zuständig. Allan Klein produzierte in den 1960er und 1970er Jahren auch mehrere Filme (1972 »The Concert for Bangladesh«, 1978 »The Greek Tycoon«). Von 1988 bis 2009 war Allen Klein für die geschäftlichen Angelegenheiten des ehemaligen Produzenten Phil Spector zuständig.
Text: Toralf Czartowski