Markenlexikon

Branche: Musikindustrie

ABC Records / ABC-Paramount Records

USA

Die Rundfunk-Gesellschaft American Broadcasting Company (ABC), die sich 1953 mit der Kinokette United Paramount Theatres, einer früheren Tochtergesellschaft der Filmgesellschaft Paramount Pictures, zur American Broadcasting-Paramount Theaters Inc. zusammengeschlossen hatte, gründete 1955 die Am-Par Recording Company (ab 1961 ABC-Paramount Records Inc., ab 1966 ABC Records), die ihre Platten unter den Labels ABC-Paramount, ABC Records, Bluesway, Duke, Dunhill (Übernahme 1967), Impulse, Peacock und Probe veröffentlichte. Damit waren alle drei großen US-TV-Networks in der Musikindustrie vertreten: ABC mit ABC-Paramount/ABC Records, CBS mit Columbia bzw. CBS Records (außerhalb Nordamerikas) und NBC gehörte zum Elektro- und Musikkonzern RCA Victor.

Die ersten großen Erfolge des Labels waren der Rhythm-and-Blues-Sänger Lloyd Price (1958 »Stack-a-Lee«, 1959 »Where Were You On Our Wedding Day?«, »Personality, I’m Gonna Get Married«, »Come Into My Heart«,1960 »Lady Luck«, »Question«) und das Teenager-Idol Paul Anka, der bei ABC-Paramount von 1958 bis 1961 vier Alben veröffentlichte. Der Titel »Diana« (1958) zählt bis heute mit über 10 Millionen verkauften Exemplaren zu den am meisten verkauften Singles. 1959 nahm ABC-Paramount den Soul-Sänger Ray Charles unter Vertrag, dem ebenfalls mehrere Millionenseller gelangen (1960 »Georgia On My Mind«, 1961 »Hit The Road Jack« 1962 »I Can’t Stop Loving You«, 1962 »You Are My Sunshine«). 1962 und 1963 folgten der Blues-Gitarrist und -Sänger B. B. King (1964 »Live At The Regal«, 1970 »The Thrill Is Gone«) und Fats Domino, der seinen Zenit damals jedoch schon überschritten hatte und dessen Plattenverkäufe zurückgingen.

1964 übernahm ABC-Paramount zunächst den Vertrieb für Lou Adlers Label Dunhill Records (Barry McGuire, The Mamas & The Papas), kaufte das Label aber 1967 ganz und führte es bis 1975 unter dem Namen ABC Dunhill weiter. 1968 veröffentlichte ABC Dunhill die Biker-Hymne »Born To Be Wild« von Steppenwolf, die auch im Film »Easy Rider« zum Einsatz kam und sich über eine Million Mal verkaufte. 1967 nahm Louis Armstrong für ABC Records den Evergreen »What A Wonderful World« auf, was dem damaligen ABC-Präsidenten Larry Newton überhaupt nicht gefiel, da er sich lieber einen schwungvollen Popsong wünschte, anstatt einer Ballade. Newton wollte die Aufnahme stoppen, doch er wurde kurzerhand aus dem Studio in Las Vegas ausgesperrt. Die Single ging dann in den den USA auch vollkommen unter, da sie die Plattenfirma nicht bewarb. In Großbritannien, wo das EMI-Label HMV für die Veröffentlichung zuständig war, erreichte der Titel dagegen Platz 1 und war dort 1968 die meistverkaufte Platte.

Anfang der 1970er Jahre nahm der Bluessänger John Lee Hooker fünf Alben für ABC Records auf. Die Country-Rock-Band Poco veröffentlichte zwischen 1975 und 1978 vier Alben bei ABC. Den Four Tops, die zuvor bei Motown unter Vertrag gestanden hatte, gelangen ab 1972 bei ABC Records mehrere Hits (1972 »Keeper Of The Castle«, 1973 »Ain't No Woman Like The One I've Got«, 1973 »Are You Man Enough«, »Sweet Understanding Love«, 1974 »Midnight Flower«, »One Chain Don't Make No Prison«). Durch die Übernahme des Labels JMI Records (Jack Music International) durch ABC Records stand nun auch der Country-Sänger Don Williams bei dem ABC-Sublabel Dot Records unter Vertrag. Ab 1974 übernham ABC Records den Vertrieb für das von Isaac Hayes gegründete Label Hot Buttered Soul. Im Rock-Genre war ABC mit der Band Steely Dan vertreten, die dort von 1972 bis 1977 sechs Alben veröffentlichte.

1974 erwarb ABC Records den Musikbereich von Paramount Pictures/Famous Music (Blue Thumb, Dot Records, Paramount Records). 1979 verkaufte der Mutterkonzern ABC seine Musiksparte an den Unterhaltungskonzern MCA/Universal (heute Universal Music Group), der das Label ABC Records bald darauf aufgab.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 26.11.2020 | 12:04