Markenlexikon

ABB

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Der schwedische Unternehmer Ludvig Oscar Fredholm (1830 – 1891) und der Elektrotechniker Jonas Wenström (1855 – 1893) gründeten 1883 in Stockholm die Electriska Aktiebolaget (Elektrische Aktiengesellschaft). Wenström gehörte 1888/1889 neben Nikola Tesla und Michail Ossipowitsch Doliwo-Dobrowolski (AEG) zu den Entwicklern des Dreiphasensystems. 1890 schloss sich die Electriska AB mit der Wenströms & Granströms Elektriska Kraftbolag, die Jonas' Bruder Göran Wenström (1857 – 1927) und Gustaf Abraham Granström (1851 – 1941) 1889 gegründet hatten, zur Almänna Svenska Elektriska Aktiebolaget (ASEA) mit Sitz in Västeras zusammen.

1891 riefen die Schweizer Maschinenbauer Charles Eugen Lancelot Brown (1863 – 1924) und Walter Boveri (1865 – 1924) in Baden (Schweiz) die Firma Brown, Boveri & Cie. (BBC) ins Leben; beide waren zuvor bei der Züricher Maschinenfabrik Oerlikon angestellt gewesen, Brown als Chefelektriker und Boveri als Leiter der Montageabteilung. Noch im Gründungsjahr errichtete die neue Firma in Baden das erste Elektrizitätswerk und 1893 in Frankfurt am Main das erste thermische Großkraftwerk Europas.

1893 nahm ASEA in Hofer das erste elektrische Walzwerk der Welt zur Formung von Metallen in Betrieb. BBC produzierte 1896 die Straßenbahnen für Lugano, ASEA 1897 die erste Elektrolokomotive Schwedens. 1900 baute BBC die erste europäische Dampfturbine; im gleichen Jahr wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

ASEA und BBC stellten jahrzehntelang ähnliche Produkte her, u.a. Elektromotoren, Generatoren, Turbinen, Reaktoren, Transformatoren, elektrische Antriebe für Lokomotiven und Straßenbahnen, Schaltanlagen, Automatisierungsanlagen, Industrieroboter, Kabel, Stromzähler, Klimaanlagen und Flughafenausrüstungen. 1988 gründeten ASEA und BBC das Jointventure ABB ASEA Brown Boveri AG mit Sitz in Zürich. 1990 erwarb ABB das US-Unternehmen Cincinnati-Milacron (Automationstechnik).

Die Schienenfahrzeugaktivitäten von ABB Deutschland und Thyssen-Henschel wurden 1990 in die ABB-Henschel AG (Mannheim) eingebracht, die 1996 mit der Daimler-Benz-Tochter AEG Schienenfahrzeug GmbH (Henningsdorf) zur ABB-Daimler-Benz Transportation GmbH (Adtranz) fusionierte.

1996 benannten sich die Mutterunternehmen ASEA AB und BBC-Brown Boveri AG in ABB AB und ABB AG um. 1999 wurden alle ABB-Unternehmen in einer Aktiengesellschaft zusammengeführt (ABB Asea Brown Boveri Ltd.). Fortan konzentrierte sich ABB auf die beiden Bereiche Energie- und Automationstechnik. Die Sparten Schienenfahrzeugbau, Kraftwerkbau und Kernkraftwerke wurden 1999/2000 an DaimlerChrysler, Alstom und BNFL British Nuclear Fuels verkauft. Die Sparte Schienenfahrzeuge (ABB, AEG, Adtranz, DaimlerChrysler Rail Systems, Thyssen-Henschel) gehört seit dem Jahr 2000 dem kanadischen Bombardier-Konzern.

ABB ist heute in den Bereichen Energietechnik (Transformatoren, Schaltanlagen, Leistungsschalter, Kabel), Energietechniksysteme (Systeme/Dienstleistungen für Kraftwerke, Stromübertragung und Stromverteilung), Automation (Antriebe, Elektromotoren, Generatoren, Niederspannungsprodukte, Instrumentierung, Prozessanalyse, Leistungselektronik), Prozessautomation (Automatisierung und Optimierung von industriellen Produktions- und Geschäftsprozessen) und Robotertechnik (Industrieroboter, Robotersoftware) tätig.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 16.06.2019 | 01:49