Markenlexikon

Zeppelin

Germany

Der ehemalige württembergische Offizier Graf Ferdinand Adolf August Heinrich von Zeppelin (1838 – 1917) erhielt 1895 ein Patent auf ein starres, lenkbares und motorbetriebenes Luftschiff für den Personen- und Gütertransport. Der Erfinder dieser imposanten Fluggeräte war er jedoch nicht. Bereits 1852 hatte der Franzose Henri Giffard ein mit Gas gefülltes, zigarrenförmiges Luftschiff konstruiert, das von einer Dampfmaschine angetrieben wurde und lenkbar war. Danach gab es noch weitere Luftschiffe, so 1884 die von Charles Renard und Arthur Krebs gebaute »La France« (hier diente ein Elektromotor als Antrieb) und 1898 setzte der Brasilianer Albert Santos-Dumont bei seinem Luftschiff erstmals einen Verbrennungsmotor ein. 1898 gründete Zeppelin die »Gesellschaft zur Förderung der Luftschifffahrt«. Das erste von Zeppelin und dem Ingenieur Theodor Kober in einer schwimmenden Montagehalle auf dem Bodensee gebaute Luftschiff LZ-1 führte im Juli 1900 seinen Jungfernflug durch. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern benutzte Zeppelin ein robustes Aluminiumskelett, das dem riesigen mit Wasserstoff gefüllten Luftschiff wesentlich mehr Stabilität verlieh. Alle vorangegangenen Luftschiffe wurden nur durch den Gasdruck in Form gehalten. Außerdem machten die kräftigen, von Karl Maybach konstruierten Daimler-Motoren, das Manövrieren nun wesentlich einfacher; denn je schwächer die Antriebsmotoren sind, desto schlechter lassen sich die Luftschiffe durch Seiten- und Höhenruder steuern. Antriebslose Ballons lassen sich beispielweise überhaupt nicht lenken, weil sie immer die gleiche Geschwindigkeit haben, wie der Luftstrom, der sie antreibt.

Nach mehreren Fehlschlägen mit den nachfolgenden Luftschiffen ging dem Grafen jedoch das Geld aus. 1903 richtete er einen Aufruf zur finanziellen Unterstützung seiner Pläne an das deutsche Volk, der auch prompt erhört wurde. Bis 1908 kamen 6,25 Millionen Reichsmark zusammen, mit der die Luftschiffbau Zeppelin GmbH und 1909 die Deutschen Luftschiffahrts-Aktiengesellschaft (DELAG), die den Betrieb der Luftschiffe – vor allem Rundflüge über deutsche Städte – übernehmen sollte, gegründet wurden. Im gleichen Jahr riefen Zeppelin und Maybach die Luftfahrzeug Motorenbau GmbH (ab 1918 Maybach Motorenbau GmbH) ins Leben, um Antriebsmotoren für die Zeppeline zu bauen. 1915 entstanden in Friedrichshafen die Zeppelin-Werft und die Zahnradfabrik Friedrichshafen (ZF), ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Max Maag Zahnräderfabrik aus Zürich, das Zahnräder und Getriebe für die Luftschiffe herstellte.

Während des 1. Weltkriegs wurden die Luftschiffe auch für Kriegszwecke eingesetzt (vor allem als Bomber über Großbritannien), ohne jedoch sonderlich effektiv zu sein, da die unbeweglichen Giganten leichte Beute für die gegnerischen Flugzeuge waren. 1928 wurde die LZ-127 »Graf Zeppelin« in Dienst gestellt, die vor allem durch ihre Weltumrundung (1929) und durch ihren Flug in die Arktis (1931) die Zeppeline weltbekannt machte. Mit 590 Fahrten und 1,7 Millionen zurückgelegter Kilometer wurde die LZ-127 zum erfolgreichsten Zeppelin-Luftschiff; zwischen 1931 und 1937 verrichtete die LZ-127 einen regelmäßigen Flugdienst zwischen Friedrichshafen und Rio de Janeiro (Brasilien). Am 6. Mai 1937 endete die Ära der Luftschiffe jedoch abrupt, als die LZ-129 »Hindenburg« bei der Landung in Lakehurst/New Jersey (USA) Feuer fing und verbrannte. 35 Menschen kamen dabei ums Leben, 62 überlebten. Zeppelin selbst erlebte diese Katastrophe nicht mehr, er war bereits 1917 gestorben. Das letzte von Zeppelin gebaute Luftschiff, die LZ-130 »Graf Zeppelin II«, verließ 1938 die Werfthalle, führte noch einige Vorführflüge über Deutschland und Österreich durch und wurde 1940 zusammen mit der LZ-127 und der noch nicht fertiggestellten LZ-131 verschrottet. Insgesamt hatten die Zeppelin-Werke zwischen 1900 und 1938 119 Luftschiffe gebaut.

Bis zum Ende des 2. Weltkriegs fertigten das Unternehmen u.a. Radaranlagen, Fallschirme und Teile für das deutsche Raketenprogramm (A4/V2). 1947 ging die Zeppelin-Stiftung, zu der die Zeppelin-Werft und auch ZF gehörten, in den Besitz der Stadt Friedrichshafen über. Bis in die 1990er Jahre beschäftigte sich das Unternehmen mit der Produktion von Silos, Antennen- und Radaranlagen, Leichtbau-Containern, Fahrzeugauf- und einbauten, Flugzeug- und Raketenteilen sowie ab 1954 mit dem Vertrieb von amerikanischen Caterpillar-Baumaschinen und -Motoren.

1991 begann Zeppelin erneut mit der Entwicklung von Luftschiffen und gründete 1993 die Zeppelin Luftschifftechnik GmbH (ZLT). Hauptanteilseigner sind die Luftschiffbau Zeppelin GmbH (51 Prozent) und die ZF Friedrichshafen AG (49 Prozent). 1995 begann der Bau des Luftschiffes Zeppelin NT – LZ N07 (NT = Neue Technologie). Der Zeppelin NT ist im Gegensatz zu seinen Vorgängern kein Starrluftschiff, sondern ein halbstarres Luftschiff mit einer großen Dreiecksträgerstruktur im Inneren der Hülle. Als Traggas kommt das nicht brennbare Edelgas Helium zum Einsatz. Helium ist allerdings doppelt so schwer und teurer als der brennbare Wasserstoff. Der Erstflug fand im September 1997 statt. Der Zeppelin NT ist für Werbung, Rundflüge (10 Personen) und Sondermissionen (Umweltbeobachtungen, Troposphärenforschung, Erkundung von Bodenschätzen) mit einer maximalen Zuladung von 1,9 Tonnen konzipiert. 2001 erhielt das Zeppelin NT vom Luftfahrt-Bundesamt die Zulassung zur Serienfertigung. Gebaut werden die Zeppelin-Luftschiffe in einem neuen Luftschiff-Hangar am Flughafen Friedrichshafen. Betreiber der Luftschiffe ist die 2001 gegründete ZLT-Tochter Deutsche Zeppelin Reederei GmbH (DZR).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:55