Markenlexikon

Yves Saint Laurent (YSL)

Frankreich

Der in Oran (Algerien) geborene und aufgewachsene französische Mode-Designer Yves Mathieu Saint Laurent (eigtl. Henri Donat Mathieu; 1936 – 2008) entwarf bereits im Alter von elf Jahren Bühnenkostüme, was ihn allerdings bei seinen Mitschülern zum Außenseiter und Mobbingopfer machte. 1953 ging er nach Paris und absolvierte an der Modeschule der Chambre Syndicale de la Haute Couture eine Ausbildung zum Mode- und Bühnenzeichner. Nachdem er einen Modezeichner-Wettbewerb gewonnen hatte, wurden seine Zeichnungen in der Modezeitschrift Vogue veröffentlicht. Vogue-Chef Michel de Brunhoff brachte Saint Laurent 1955 mit Christian Dior in Kontakt, der seit 1947 in Paris ein Modehaus betrieb. Nach dem Tod Diors 1957 wurde der damals 21-jährige Saint Laurent Chef-Designer des Hauses. Seinen ersten großen Erfolg feierte er 1958 mit der Ligne Trapéze (Trapezlinie), die sich von Diors »New Look« abwandte und auf die einengenden Versteifungen an Taille, Brust und Schultern verzichtete. Mode sollte wieder Spaß machen und die Frauen nicht einengen, wie die Korsetts der Nachkriegszeit, so Laurents Maxime. 1960 machte er Schwarz als Modefarbe salonfähig. Mit dem avantgardistischen »Beat Look« (1960), der Alltagsbekleidung und Haute Couture miteinander vermischte, überforderte er jedoch nicht nur Dior-Chef Marcel Boussac sondern zum Teil auch die Kundschaft. Zu allem Unglück wurde er 1960 zum Militärdienst nach Algerien eingezogen, wo damals gerade der Algerien-Krieg tobte. Der sensible Modeschöpfer erlitt schon nach kurzer Zeit einen Nervenzusammebruch und wurde in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert. Die Behandlung mit Elektroschocks und Sedativa (Beruhigungsmittel) führte vermutlich zu seiner lebenslangen Abhängigkeit von Drogen und Alkohol. In der Zwischenzeit hatte er auch seinen Job bei Dior verloren (er verklagte Dior daraufhin und bekam eine Entschädigung von rund 100.000 Dollar).

1961 gründetete Yves Saint Laurent mit seinem Lebensgefährten Pierre Vital Georges Bergé, den er 1957 auf dem Begräbnis Christian Diors kennengelernt hatte, und mit finanzieller Hilfe des US-Millionärs J. Mack Robinson sein eigenes Haute-Couture-Haus. Viele Dior-Angestellte und Kundinnen wechselten daraufhin zu ihm. 1964 kam Y, das erste Parfum von YSL auf den Markt (weitere bekannte Parfums waren/sind u.a. 1971 YSL pour Homme, Rive Gauche, 1977 Opium, 1981 Kouros, 1983 Paris, 1988 Jazz, 1993 Yvresse, 1997 In Love Again, 1999 Baby Doll, 2001 Nu, 2002 M7, 2004 Cinema). 1965 verkaufte Robinson seinen 80-prozentigen Anteil an die Mode- und Kosmetikfirma Lanvin/Charles of the Ritz, die bereits die Vertriebsrechte für das Parfum Y besaß; dieses Unternehmen war 1919 von dem Friseur Charles Jundt im New Yorker Ritz-Hotel gegründet worden und hatte sich 1964 mit dem Pariser Modehaus Lanvin zusammengeschlossen. 1966 etablierte YSL das Prêt-à-Porter-Label Rive Gauche, das preiswertere Kollektionen für den Massenmarkt vermarktete (hergestellt wurden sie u.a. von der Firma C. Mendes Paris, die Rive Gauche 1986 ganz übernahm; 2000 kaufte YSL die Mendes Group).

Berühmtheit erlangte der Designer vor allem mit der Mondrian-Kollektion (1966; farbenfrohe, geometrisch gemusterte Jersey-Kleider im Stil des niederländischen Malers Piet Mondrian), dem Schiwago-Look (1966; nach dem Film »Dr. Schiwago«), dem Damen-Smoking (1966), der afrikanischen Kollektion (1967), dem Safari Look (1968), der Libération-Kollektion (1971), dem Lean-Look (1975) und der Kollektion »Opéra-Ballets Russes« (1976; inspiriert vom Stil bekannter Maler wie Delacroix, Goya, Matisse, Mondrian, Picasso, van Gogh und Velázquez).

Saint-Laurent, der als Begründer der androgynen Modewelle gilt, sorgte häufig für Skandale, meist mit Kalkül: er schickte als Erster der großen Couturiers Mannequins in transparenten Blusen über den Laufsteg (»Was zählt, ist Verführung, ist der Schock«), er war der Erste, der schwarze Models beschäftigte und für die Werbekampagne seines Herrenduftes YSL pour Homme ließ er sich nackt fotografieren (»...weil ich für einen Skandal sorgen will«). Wie viele andere Modemacher stattete Saint-Laurent zahlreiche Schauspielerinnen in ihren Filmen aus, u.a. Catherine Deneuve, mit der er lebenslang befreundet blieb, Claudia Cardinale, Sophia Loren, Jeanne Moreau und Miou Miou.

1986 kauften Saint-Laurent und Bergé mit Hilfe des italienischen Finanziers Carlo De Benedetti (damals u.a. Chef und Großaktionär von Olivetti) das YSL-Mutterunternehmen Charles of the Ritz, das seit 1972 zum US-Pharmakonzern Squibb gehörte (Charles of the Ritz selbst wurde 1987 an Revlon weiterverkauft). Nachdem YSL 1989 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden war, ging das Unternehmen als erstes Haute-Couture-Haus an die Pariser Börse; Mehrheitseigentümer blieben jedoch Saint-Laurent und Bergé. De Benedetti verkaufte seine YSL-Beteiligung 1991 wieder an die Gründer, die jedoch ohne finanzkräftigen Partner nicht überleben konnten. Da sie ihre Firma nicht an ausländisch Investoren verkaufen wollten, entschieden sie sich 1993 für das französische Pharma- und Kosmetikunternehmen Sanofi, eine Tochtergesellschaft des staatlichen Ölkonzerns Elf-Aquitaine. Sanofi war damals mehrheitlich an Yves Rocher und Nina Ricci beteiligt, außerdem produzierte das Unternehmen Parfums für Fendi, Krizia, Oscar de la Renta, Roger et Gallet und Van Cleef & Arpels. Saint-Laurent und Bergé führten daraufhin das Modehaus weiter, während sich Sanofi um die Kosmetiksparte Sanofi Beauté (zuvor YSL Beauté) kümmerte. 1998 zeigte Yves Saint Laurent seine letzte Prêt-à-Porter-Kollektion; die nächsten Kollektionen gestalteten die Designer Alber Elbaz (1998/99), Tom Ford (1999 – 2004) und Stefano Pilati (seit 2004).

1999 verkaufte Sanofi YSL an die italienische Gucci Group, die zur gleichen Zeit mit dem französischen Mischkonzern PPR (Pinault-Printemps-Redoute; seit 2013 Kering) einen neuen Eigentümer bekommen hatte. 2002 beendete der Gründer seine Karriere als Designer; die Haute-Couture-Abteilung wurde daraufhin geschlossen. 2008 verkaufte PPR/Gucci die Kosmetiksparte YSL Beauté (Balenciaga, Boucheron, Ermenegildo Zegna, Gucci, Oscar de la Renta, Roger & Gallet, Stella McCartney, Van Cleef & Arpels, Yves Saint Laurent) an L'Oréal.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:55