Markenlexikon

Xerox

USA

Der Physiker und Patentanwalt Chester Floyd Carlson (1906 – 1968), der sich täglich mit dem umständlichen Anfertigen von Durchschlägen herumärgern musste, begann 1935 ein schnelleres und einfacheres Kopierverfahren zu entwickeln. Nach vielen Versuchen gelang es ihm schließlich, durch elektrische Ladungen, Pulver und Hitze Kopien zu erzeugen. 1938 meldete er dieses als Elektrofotografie bezeichnete Verfahren zum Patent an. Wie so oft bei neuen Entwicklungen konnte er jedoch zunächst keine Firma finden, die Interesse an seiner Erfindung zeigte. Erst 1944 fand er im Battelle Memorial Institut aus Columbus/Ohio ein nichtkommerzielles Unternehmen, das sich der Weiterentwicklung der Elektrofotografie annahm. 1947 erwarb schließlich die Haloid Company aus Rochester/New York, ein 1906 gegründeter Fotopapierhersteller, vom Batelle-Institut die Rechte an der gewerblichen Nutzung der Elektrofotografie. 1948 erfand ein Batelle-Mitarbeiter den Begriff »Xerographie«, der sich aus den griechischen Worten »xeros« (trocken) und »graphein« (Schrift) zusammensetzt.

Am 22. Oktober 1948 wurde das Verfahren bei der Mitgliederversammlung der Optical Society of America erstmals öffentlich vorgestellt. 1950 brachte Haloid das erste xerografische Kopiergerät auf den Markt (Haloid Standard Camera Model A). Der Durchbruch gelang dem Unternehmen, das sich seit 1959 Haloid-Xerox nannte, 1960 mit dem Kopierer Xerox 914, der aufgrund seiner einfachen Handhabung massenweise Verbreitung in amerikanischen Büros fand und den Namen Xerox zum Synonym für Kopierer machte. Die Geräte wurden jedoch nicht verkauft, sondern nur an die Kunden vermietet, ähnlich wie es der Büromaschinenkonzern IBM mit seinen Lochkartenmaschinen vorgemacht hatte. 1961 benannte sich das Unternehmen endgültig in Xerox Corporation um. Außerhalb Nordamerikas wurden die Xerox-Kopierer bis 1997 von Rank-Xerox verkauft, einem 1956 gegründeten Jointventure zwischen Xerox und dem britischen Filmtechnikunternehmen Rank Organization. In Japan werden die Produkte von dem 1962 gegründeten Jointventure Fuji-Xerox vertrieben.

In den 1970er Jahren engagierte sich der Konzern auch eine Zeit lang in der Computer-Branche. Im 1970 eröffneten firmeneigenen Palo Alto Research Center (PARC) in Palo Alto/California wurden neue Computer-Technologien wie das lokale Netzwerk Ethernet, das Wysiwyg-Prinzip (»What You See It What You Get« – die Bildschirmdarstellung ist dabei mit dem Ausdruck identisch), der erste kommerziell verwendbare Laserdrucker oder die »grafische Benutzeroberfläche« (Graphical User Interface) entwickelt. Die Xerox-Computer (1973 Xerox Alto, 1981 Xerox Star) waren jedoch lediglich für den internen Gebrauch und die Forschung gedacht, nicht für die Vermarktung außerhalb des Unternehmens. Xerox war zu sehr mit seinem Hauptprodukt, den Fotokopierern, beschäftigt, um das Potential seiner Entwicklungen zu erkennen. Als sich Xerox Anfang der 1980er Jahre wieder aus dem Computerbereich zurückzog, gingen viele Xerox-Angestellte zu den benachbarten Garagenfirmen im Silicon Valley (Apple, Atari, Microsoft), die diese Technologien dann zur Marktreife entwickelten.

Xerox produziert heute hauptsächlich Bürogeräte wie Kopierer, Drucker, Faxgeräte, Multifunktionsgeräte, digitale Druckmaschinen, Produktionsdrucker, Scanner und entsprechendes Zubehör (Verbrauchsmaterialien, spezielle Software).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:55