Markenlexikon

Wrigley

USA

Bereits die Steinzeitmenschen kauten Baumharze (u.a. Birkenharz), wie archäologische Funde belegen. Später taten es auch die Ägypter, die Römer (das Harz der Mastix-Pistazienbäume) sowie die Mayas und die Azteken (Chicle – der Saft des Sapotillbaums). Industriell hergestellt wurde Kaugummi ab 1848 von dem Amerikaner John Curtis Jackson; er verwendete Fichtenharz als Grundstoff. Die Streifenform mit Einkerbungen, die es den Händlern ermöglichte genau portionierte Stücke zu verkaufen, führte 1871 der Kaugummihersteller Thomas Adams ein. Vier Jahre später reicherte John Colgan aus Louisville/Kentucky seine Chicle-Kaugummis erstmals mit Aromastoffen an (Tolubalsam).

Der bis heute bekannteste Kaugummi-Produzent war jedoch William Wrigley Jr. (1861 – 1932), der seine Unternehmerkarriere als Straßenverkäufer für Seife begann, die sein Vater in Philadelphia herstellte. Mit einem Pferdefuhrwerk tingelte er von Stadt zu Stadt, schaute bei den Großhändlern vorbei und verteilte an kaufwillige Abnehmer seiner Seife gelegentlich Werbegeschenke, u.a. kleine Tütchen mit Backpulver. 1891 ging er nach Chicago, wo er wieder Wrigley's Scouring Soap verkaufte, nun aber als selbstständiger Handelsvertreter. Als er merkte, dass Backpulver gefragter war als Seife, verkaufte er nur noch Backpulver. 1892 legte er seinem Backpulver zwei Packungen Kaugummi bei. Und siehe da, wieder war die Zugabe beliebter, als das eigentliche Produkt. Schnell sattelte er um und ließ bei der Zeno Manufacturing Company in Chicago Kaugummi herstellen. Die ersten Wrigley-Kaugummimarken waren 1892 Lotta und Vassar. Ein Jahr später führte Wrigley die noch heute existenten Marken Juicy Fruit und Spearmint ein, 1914 folgte Doublemint. 1911 übernahm er die Zeno Company, die anschließend in Wm. Wrigley Jr. Company umbenannt wurde und 1919 an die Börse ging. Mit Zeitungswerbung und Großplakaten machte er seine Kaugummis allmählich in ganz Amerika bekannt. Wrigley war zudem der geborene Vertreter, der auch weiterhin durch viele Städte reiste und seine Produkte bei den Händlern persönlich anpries. Vor allem die Werbegeschenke, die er so gerne verteilte, verfehlten ihre Wirkung nicht. 1915 verschickte Wrigley an jeden US-Bürger, der ein Telefon besaß und im Telefonbuch stand (rund 1,5 Millionen), vier kostenlose Streifen Kaugummi.

Wrigley's Spearmint Reklame
Wrigley's Spearmint Reklame

Nachdem fast jeder Amerikaner Wrigley kannte und kaute, eröffnete die Firma auch außerhalb der USA Fabriken und Niederlassungen, u.a. in Kanada (1910), Australien (1915), Großbritannien (1927) und Neuseeland (1939). Der große Durchbruch in Europa kam erst nach dem 2. Weltkrieg, als amerikanische Soldaten das Kaugummikauen salonfähig machten. Im Anschluss errichtete Wrigley in mehreren Ländern neue Fabriken, u.a. auf den Philippinen (1965), in Frankreich (1967), Kenia (1971) und Taiwan (1978).

Weitere bekannte Wrigley-Marken sind Airwaves (1998), Big Red (1976), Eclipse (1999), Extra (1984), Freedent (1975), Hubba Bubba (1979), Orbit (1944), Orbit ohne Zucker/Sugarfree (1976/77), P.K. (1927; nach dem Slogan: »Packed tight, Kept right«),Winterfresh (1994) und 5 GUM (2007). 2007 verkaufte die Wrigley-Familie ihre Anteile an der Wm. Wrigley Jr. Company an den Süßwaren- und Nahrungsmittelkonzern Mars (Bounty, Kitekat, Mars, Milky Way, M&Ms, Pedigree, Snickers, Twix, Uncle Bens, Whiskas).

Heute besteht die Kaugummi-Rohmasse hauptsächlich aus Polyisobutylen, ein thermoplastischer Kunststoff, der auch als Dichtungsmasse, Weichmacher für Kunststoffe, Pflasterklebemasse, Folienmaterial und zur Herstellung von Plastiksprengstoff verwendet wird. Weiter Inhaltsstoffe sind u.a. Antioxidantien, Aromen, Emulgatoren, Farbstoffe, Feuchthaltemittel, Füllstoffe (Aluminiumoxid, Kieselsäure oder Zellulose), Säuren, Weichmacher sowie Zucker oder Zuckerausstauschstoffe.

Text: Toralf Czartowski | Foto(s): Pixabay

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:55