Markenlexikon

Wilkinson

USA

Die Anfänge von Wilkinson gehen auf den Büchsenmacher Henry Nock (1741 – 1804) zurück, der 1772 in der Londoner Ludgate Street ein eigenes Geschäft eröffnete. Nock fertigte in seiner Werkstatt Gewehre und Pistolen für sportliche und militärische Zwecke, Salvenbüchsen, Musketen, Duellpistolen und Bajonette. Nach dem Tod des Gründers wurde die Firma von seinem Schwiegersohn James Wilkinson (1759 – 1848) übernommen; kurz davor war Nock zum königlichen Hoflieferanten ernannt worden. James' Sohn Henry (1794 – 1861), der die Leitung der Firma 1825 übernahm, verlegte die Werkstatt in die Pall Mall 27, passenderweise gleich neben das Zeugamt. Zu den Kunden Wilkinsons, der nun auch Schwerter herstellte, gehörten u.a. die Könige von England, Siam, Neapel und Preußen, außerdem die russischen Zaren und die meisten Mitglieder des House of Lords.

1844 entwickelte Wilkinson eine Maschine, mit der man Schwertklingen einem harten Dauertest unterziehen konnte (Eprouvette). Da Henry Wilkinson unter seinen Söhnen keinen geeigneten Nachfolger fand, wurde die Werkstatt nach seinem Tod von seinem Mitarbeiter und Schwiegersohn John Latham weitergeführt. Als sich die Zeit der Säbel ihrem Ende zuneigte, begann die Wilkinson Sword Company mit der Produktion von Rasiermessern (1890). 1898 meldete Wilkinson einen Sicherheitsrasierer, dessen Klinge in einem Gehäuse untergebracht war, zum Patent an. Von der Jahrhundertwende an bis zum 1. Weltkrieg produzierte Wilkinson in geringen Maß auch Schreibmaschinen, Fahrräder, Automobile und Luxus-Motorräder. Während der beiden Weltkriege kehrte die Firma noch einmal zu den Waffen zurück, danach widmete man sich nur noch zivilen Produkten wie Rasierklingen, Rasierapparaten, Gartenscheren sowie Sport- und Schmuckwaffen; außerdem produzierte Wilkinson von 1934 bis 1964 Feuerschutz- und Sicherheitsssyteme für Flugzeuge.

1954 kam Wilkinson Sword nach Deutschland, wo die Firma zunächst mit der Rasierklingenfabrik Rudolf Osberghaus KG aus Solingen kooperierte. Nach der Übernahme dieser Firma entstand 1961 die Wilkinson Sword GmbH. 1964 ging die Wilkinson Sword Company, die bis dahin den Familien Latham und Randolph gehört hatte, an die Londoner Börse. Zu dieser Zeit verkaufte das Unternehmen seine Klingen in rund 50 Ländern. Doch trotz zahlreicher Innovationen (1956 zweischneidige Klinge aus rostfreiem Stahl, 1961 teflonbeschichtete Klingen, 1971 Sicherheitsklinge im Kunststoffgehäuse, 1978 Doppelklingensystem, 1980 Schwingkopfrasierer) verlor Wilkinson gegenüber den Konkurrenten wie Gillette und Schick deutlich an Boden (Gillettes jährliches Werbebudget war größer als Wilkinsons Gesamtumsatz). Ab 1974 stellte das Unternehmen auch Rasiercremes und After-Shaves her.

1973 ging Wilkinson in den Besitz des Streichholzproduzenten British Match Corporation über, 1978/80 wurde der US-Stahlkonzern Allegheny Ludlum, der auch den Wilkinson-Konkurrenten Gillette mit Spezialstahl belieferte, neuer Eigentümer, und 1987 verkaufte Allegheny Wilkinson an Swedish Match, ebenfalls ein Streichholzhersteller. 1988 erwarb der schwedische Holz- und Papierkonzern Stora Swedish Match, veräußerte die Consumer-Products-Division (inkl. Wilkinson) aber 1989 an die niederländische Anlegergruppe Eemland Holdings, an der Gillette mit 22 Prozent beteiligt war. Zu einem Zusammenschluss von Gillette und Wilkinson kam es jedoch aus kartellrechtlichen Gründen nicht; die Gillette Company musste ihre Eemland-Beteiligung 1992 auf Druck der EU-Kommission verkaufen. Eemland veräußerte Wilkinson daraufhin an den US-Pharmakonzern Warner-Lambert (Listerine), dem auch die in den USA und Asien weit verbreitete Rasierermarke Schick gehörte. Warner-Lambert wurde im Jahr 2000 vom Pharmakonzern Pfizer (Viagra) übernommen, der das Rasiergerätegeschäft mit den Marken Schick und Wilkinson 2003 an den Batteriehersteller Energizer Holdings Inc. weiterreichte. Beide Unternehmen wurden daraufhin zusammengeschlossen. Auch der Konkurrent Gillette, der 2005 seine Selbstständigkeit an Proctor & Gamble verlor, war lange mit einem Batteriehersteller verbandelt gewesen, ihm gehörte Duracell.

2015 teilte sich Energizer Holdings in zwei Unternehmen auf: Energizer Holdings Inc., St.Louis/Missouri (Energizer, Eveready, Ucar) und Edgewell Personal Care LLC, St.Louis/Missouri (Banana Boat, Carefree, Edge, Hawaiian Tropic, o.b., Playtex, Schick, Skintimate, Stayfree, Wilkinson).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:55