Markenlexikon

Verbatim

USA

Der Elektroingenieur und Physiker J. Reid Anderson (1917 ‒ 1987), der zuvor bei den AT&T Bell Laboratories, bei NCR und am Stanford Research Institute gearbeitet hatte, gründete 1969 in Sunnyvale/California die Information Terminals Corporation (ITC). Die Firma produzierte zunächst Daten-Kassetten für Computer; ein weiteres Produkt aus den Anfangstagen war ein Minicomputer zur Übersetzung stenografischer Aufzeichnungen, der auf einer Entwicklung der zuvor übernommenen Firma Stentron basierte. 1973 erwarb ITC von IBM eine Lizenz zur Produktion der 1969 von Alan Shugart (1930 ‒ 2006) entwickelten 8-Zoll-Disketten. 1976 folgte die 5,1/4-Zoll-Diskette, ebenfalls eine Shugart-Entwicklung, und 1983 die zwei Jahre zuvor von Sony entwickelte 3,5-Zoll-Computer-Diskette mit 720 KB Speicherkapazität. In den 1970er und 1980er Jahren stieg das Unternehmen zu einem der weltgrößten Hersteller dieser Speichermedien auf.

Ab 1977 wurden die Disketten unter dem Markennamen Verbatim (lat. wörtlich), der die exakte (wörtliche) Übertragung der Daten symbolisieren sollte, vermarktet. 1978 benannte sich ITC in Verbatim Corporation um. Ein Jahr später ging das Unternehmen an die Börse. Infolge einer fehlerhaften chemischen Zusammensetzung des Disketten-Trägermaterials hatte Verbatim Ende der 1970er Jahre mit gravierenden Qualitätsproblemen und Rückrufaktionen zu kämpfen, die im Januar 1981 zur Ablösung des Gründers als Vorstandvorsitzender führten. Mit den neuen DataLife-Disketten, auf die die Firma eine Fünfjahres-Garantie gab, konnte Verbatim wieder an alte Erfolge anknüpfen.

1985 verkaufte Reid Anderson Verbatim an den Fototechnikkonzern Eastman-Kodak, der ein Jahr zuvor eine eigene Diskettenabteilung ins Leben gerufen hatte. Nachdem sich das damalige Kodak-Management dazu entschlossen hatte, sich aus allen nicht zum Kerngeschäft gehörenden Geschäftsbereichen zurückzuziehen, wurde Verbatim 1990 an die Mitsubishi Kasei Corporation (seit 1994 Mitsubishi Chemical Corporation) verkauft. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Charlotte/North Carolina und Werken in Charlotte, Sunnyvale, Limerick (Irland), Melbourne (Australien) und Tokyo (Japan) produziert u.a. Flash-Medien (Adapter, Kartenlesegeräte, Speicherkarten, USB-Sticks), Peripheriegeräte (Batterien, CD-Hüllen, Headsets, Lautsprecher, Mäuse), Druckerzubehör (CD-Labels, Papier, Toner), Speichermedien (Blue-Ray-Disks, CDs, Daten-Cartridges, Disketten, DVDs, UDO-Discs, digitale Videokassetten) und tragbare Festplattenlaufwerke.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:54