Markenlexikon

Van Houten

Niederlande

Casparus van Houten Sr. (1770 – 1858), der seit 1815 in Amsterdam eine Kakaofabrik betrieb, entwickelte 1828 eine hydraulische Presse, mit der der Fettgehalt (Kakaobutter) der Kakaomasse um die Hälfte reduzieren werden konnte. Diese weniger fetthaltige Masse ließ sich leichter zu Pulver trocknen. Coenraad Johannes van Houten (1801 – 1887), ein Chemiker und Apotheker, fügte dem Kakaopulver um 1830 noch Natriumcarbonat (Soda) bei, wodurch es nicht nur wasserlöslicher und weniger sauer wurde, sondern auch eine dunklere Farbe und einen weicheren Geschmack bekam (Dutch Process). Van Houtens Kakaopulver wurde zur Ausgangsbasis der Schokoladenproduktion; bis dahin gab es nur flüssige oder breiige Kakaogetränke. Nun konnten dem Pulver nachträglich Zucker, Kakaobutter oder Milch beigemischt werden, die sich zu einer festen Masse verbanden. Nachdem das Patent 1838 ausgelaufen war entstanden in Europa, besonders in England, Belgien und der Schweiz, zahlreiche Schokoladenfabriken (u.a. John Cadbury, Joseph Fry, Rodolphe Lindt, Daniel Peter) und Van Houten wurde für lange Zeit ein weltweit führender Produzent von Kakaopulver, Schokoladengetränken und Schokoladenprodukten. 1850 verlegte Van Houten sein Hauptwerk von Leiden nach Weesp. Bald darauf entstanden weitere Werke in Deutschland (Krefeld), Frankreich, Großbritannien und den USA (Chicago, New York).

1962 wurde die Firma C. J. Van Houten & Zoon von dem US-Chemiekonzern W.R. Grace and Co. übernommen, der sie 1971 an die deutsche Leonard Monheim AG (Mauxion, Novesia, Trumpf) weiterreichte. 1986 verkaufte Monheim-Besitzer Peter Ludwig die Leonard Monheim AG zunächst an die Schweizer Jacobs-Suchard AG (Jacobs-Kaffee, Milka, Toblerone), die das internationale Kakaogeschäft von Van Houten sowie einige Werke behielt, das deutsche Markenartikelgeschäft (Aero, Aerofit, Fritt, Mauxion, Novesia, Regent, Trumpf) jedoch an Ludwig zurückgab, der daraufhin die Ludwig Schokolade GmbH & Co. KG (Aachen) gründete.

1990 verkaufte der damalige Jacobs-Suchard-Besitzer Klaus Johann Jacobs (1936 – 2008) das Unternehmen an den US-Tabakkonzern Philip Morris (Marlboro), dem damals auch die beiden Nahrungsmittelkonzerne Kraft (Miracle Whip, Mirácoli, Philadelphia, Velveeta) und General Foods (Kaba, Kaffee HAG, Maxwell House, Onko) gehörten; lediglich die Marken Van Houten und Callebout blieben in seinem Besitz (Jacobs Holding AG Zug). Aus dem Zusammenschluss von Callebaut (Belgien) und Cacao Barry (Frankreich) entstand 1996 die Barry Callebaut AG (Zürich). Barry Callebaut ist einer der größten Kakao- und Schokoladenproduzenten der Welt für industrielle Nahrungsmittelhersteller, gewerbliche und professionelle Anwender. 2011 verkaufte Barry Callebaut sein Consumergeschäft (Stollwerck GmbH Köln: Alpia, Alprose, Bensdorp, Eszet, Jacques, Sarotti, Van Houten) mit sechs Standorten (Berlin, Caslano/Schweiz, Eupen/Belgien, Köln-Porz, Norderstedt, Saalfeld) an das belgisch-niederländische Familienunternehmen Sweet-Products/Baronie.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:54