Markenlexikon

Talbot

Großbritannien

Der französische Schlosser Gustave-Adolphe Clément (1855 – 1928) eröffnete 1878 in Paris eine Fahrradwerkstatt, die ab 1889 die Luftreifen des britischen Erfinders John Boyd Dunlop in Frankreich in Lizenz produzierte. 1896 erwarb er gemeinsam mit dem britischen Adligen Charles Henry John Chetwynd-Talbot, 20th Earl of Shrewsbury, 5th Earl Talbot and 20th Earl of Waterford (1860 – 1921) die 1891 von Alexandre Darracq gegründete Gladiator Cycle Company, die vor allem Fahrräder produzierte, aber auch schon erste Erfahrungen mit der Konstruktion von Autos gesammelt hatte (Darracq gründete nach dem Verkauf die Automobiles Darracq S.A.). 1897 baute Adolphe Clément in einem neuen Werk im Westen von Paris (Levallois-Perret) seine ersten Automobile (Clément-Gladiator). In Großbritannien wurden diese Fahrzeuge zunächst von Napier und ab 1902 von Earl Tabot verkauft. Nachdem die Firma Clément-Talbot Ltd. eine Fabrik in Ladbroke Grove im Westen Londons errichtet hatte, montierte man die Fahrzeuge für den britischen Markt dort aus französischen Originalteilen zusammen. Clément verließ das Unternehmen bereits 1903, baute aber weiterhin Autos und Luftschiffe unter dem Namen Clément-Bayard. 1906 erschien der erste eigene und vollständig in Großbritannien hergestelle Talbot.

Talbot Lago
Talbot Lago

1919 kam Talbot unter die Kontrolle des französischen Fahrzeugherstellers Darracq, der 1920 auch Sunbeam kaufte, woraus dann STD Motors Ltd. (Sunbeam-Talbot-Darracq) entstand. 1935 ging STD Motors Pleite und die Reste erwarben die Brüder William und Reginald Rootes bzw. ihre Rootes Group, in der die Fahrzeughersteller Humber, Commer, Hillman und Karrier zusammengefasst waren. Gleichzeitig wurde die Darracq-Produktionsstätte im französischen Suresnes von dem ehemaligen Talbot-Mitarbeiter Antonio Franco Lago (1893 – 1960) übernommen, der dort bis 1959 einige der schönsten Fahrzeuge der Autombilgeschichte fertigte (Talbot-Lago). Das Werk wurde danach von Simca erworben – den Namen Talbot gab Simca jedoch auf. Die Rootes Group benutzte zwischen 1938 und 1954 die Doppelmarke Sunbeam-Talbot, dann nur noch Sunbeam.

Zwischen 1964 und 1967 wurde Rootes von Chrysler aufgekauft und 1970 in Chrysler UK umfirmiert (Chrysler hatte zwischen 1958 und 1970 auch Simca übernommen – 1970 wurde Simca in Chrysler France S.A. umfirmiert). Da Chrysler aufgrund der gerade grassierenden Ölkrise keinen Fuß in die europäische Tür bekam, übernahm 1978 der französische PSA-Konzern (Peugeot, Citroën) die seit 1976 als Chrysler Europe (Chrysler UK, Chrysler France, Chrysler Espana) firmierende Gruppe. PSA benannte Chrysler Europe 1979 in Automobiles Talbot um. Anschließend herrschte ein heilloses Chaos bei dem Marken, denn die Autos aus Poissy (Simca-Werk), Ryton (Talbot-Werk) und Romorantin (Matra-Werk; die Firma Matra Automobiles war von 1980 bis 1983 ein Jointventure von Matra, Talbot und Peugeot) kamen je nach Land als Talbot, Simca, Matra-Simca, Talbot-Simca und Talbot-Matra auf den Markt.

Talbot Solara
Talbot Solara

Zu den wichtigsten Talbot-/Simca-/Matra-Modellen aus dieser Zeit gehören der Kompaktwagen Horizon (1977 – 1986), der Rancho (1977 – 1983), ein Freizeitauto mit Geländewagen-Optik, der Sunbeam (1977 – 1981), ebenfalls ein Kompaktwagen, das Sportcoupé Murena (1980 – 1983), die Mittelklassemodelle Tagora (1981 – 1983) und Solera/Alpine (1980 – 1985) sowie der Kleinwagen Samba (1982 – 1986). 1986 gab PSA den Namen Talbot in Frankreich und Deutschland auf. Lediglich der beim 1978 gegründeten Fiat/PSA-Jointventure Sevel (Société Européenne de Véhicules Légers) in Val di Sangro (Italien) gebaute Kleintransporter Peugeot J5/Citroën C25/Fiat Ducato wurde von 1986 bis 1992 in Großbritannien noch als Talbot Express verkauft. Das letzte von Talbot entwickelte Fahrzeug war der Horizon-Nachfolger Talbot Arizona (1985), der jedoch als Peugeot 309 in den Handel kam.

Text: Toralf Czartowski | Foto(s): Pixabay

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:54