Markenlexikon

Suzuki

Japan

Michio Suzuki (1887 – 1982), der Sohn eines Baumwollpflanzers, begann 1901 eine Lehre als Zimmermann. Da sich sein Lehrmeister ab 1904 dem Bau von Webstühle widmete, lernte der Lehrling Suzuki auch dieses Handwerk. Nachdem er einen eigenen pedalgetriebenen Webstuhl entworfen hatte, der wesentlich leistungsfähiger war als die bis dahin üblichen Maschinen, gründete er 1909 in seinem Geburtsort Hamamatsu die Firma Suzuki Shokkuki Seisakusho (Suzuki Webstuhl Werke). 1920 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Suzuki gehörte neben Toyota bald zu den führenden japanischen Textilmaschinen-Herstellern, der die über 4000 japanischen Spinnereien mit Webstühlen versorgte. 1926 wurden die ersten Suzuki-Webstühle in andere asiatische Staaten exportiert. Auf Basis eines britischen Austin Seven, den Michio Suzuki 1936 erworben hatte, entwickelten er und seine Techniker von 1936 bis 1939 mehrere eigene Prototypen. Doch die japanische Regierung stoppte das Auto-Projekt, denn die Suzuki-Werke wurden für die Rüstungsproduktion benötigt (Japan befand sich seit 1937 mit China im Krieg).

Nach dem Ende des 2. Welkriegs fertigte Suzuki in seinen schwer zerstörten Fabrikanlagen u.a. Landwirtschaftsmaschinen, Heizlüfter, Federn und bald auch wieder Webstühle. Ähnlich wie es Soichiro Honda, der ebenfalls aus Hamamatsu stammte, 1948 vorgemacht hatte, brachte Suzuki 1952 ein Fahrrad mit Hilfsmotor auf den Markt (Suzuki Power Free), das sich in ganz Asien gut verkaufte und die Firma dazu bewog, auch Motorräder zu bauen; die erste Maschine war 1954 die Colleda CO mit einem 3 PS starken 90-Kubikzentimeter-Viertaktmotor. Zur gleichen Zeit wurde das Unternehmen in Suzuki Jidosha Kogyo Kabushiki Kaisha (engl. Suzuki Motor Co. Ltd., dt. Suzuki Automobil-Industrie AG) umbenannt.

1955 kam das erste Suzuki-Auto, der Kleinstwagen Suzulight mit 360-Kubikzentimeter-Zweizylinder-Motor, auf den Markt. Dieses Wägelchen, das zur Klasse der Kei-Cars (von jap. keijidosha = leichtes Automobil) gehörte, und deswegen steuerlich begünstigt war, blieb mit einigen Modifikationen bis 1965 in Produktion und wurde auch in einige andere asiatische Länder exportiert. Auf Basis des Suzulight entstand 1961 auch der Kleinlieferwagen Suzulight Carry. Im gleichen Jahr stellte Suzuki den aus der DDR geflohenen MZ-Rennfahrer und Techniker Ernst Degner, der damals in der Weltmeisterschaft der 125er-Klasse vor Tom Phillis (Honda) an führender Stelle lag, als Berater und Rennfahrer ein, was sich bald in sportlichen Erfolgen niederschlug (zahlreiche GP- und Motocross-Weltmeistertitel in der 50er-, 125er- und 500-Klasse in den 1960er, 1970er und 1980er Jahren). 1963 wurden die ersten Suzuki-Motorräder in die USA exportiert.

Suzuki
Suzuki

Mit dem kleinen Geländewagen LJ10 (1970), den Suzuki 1968 durch die Übernahme der Hope Motor Company geerbt hatte (das Original von 1965 hieß HopeStar ON360), und seinen Nachfolgern, die je nach Land Namen wie Carribian, Escudo, Jimny, Maruti Gypsy, Samurai, Sidekick, Sierra, Sunrunner, Tracker und Vitara/Grand Vitara erhielten, definierte Suzuki den Terminus Freizeit- und Spaßauto. Vor allem der LJ80 (1979) löste in Europa einen Geländewagen-Boom aus. Daneben produziert Suzuki auch weiterhin Kleinwagen (1979 Alto, 1983 Cultus/Swift, 1999 Twin) und Kleinlieferwagen (1985 Super-Carry), außerdem Kompaktfahrzeuge (1995 Baleno, 2001 Liana), SUVs (2000 Ignis), Bootsmotoren (seit 1965), Rollstühle (seit 1974), Generatoren (seit 1980) und All-Terrain-Vehicles/Quads (seit 1983).

Von 1981 bis 2009 war General Motors an der Suzuki Motor Corporation beteiligt, zunächst mit 5 Prozent, ab 2000 mit 20 Prozent und von 2006 bis 2009 mit 3 Prozent. Teilweise wurden die Suzuki-Autos auch unter den GM-Marken Chevrolet, Pontiac, Holden, Bedford, Vauxhall und Geo vermarktet. 2010 beteiligte sich der deutsche Volkswagen-Konzern mit 19,9 Prozent an Suzuki und stieg damit zum größten Aktionär des Unternehmens auf. Suzuki beteiligte sich im Gegenzug mit 1,5 Prozent an der Volkswagen AG. VW wollte über diese Partnerschaft vor allem Zugang zum indischen Markt zu bekommen, wo Suzuki durch seine Beteiligung an Maruti zu den Marktführern gehört. Doch die geplante Kooperation endete schon 2011 im Streit, woraufhin Suzuki den Vertrag aufkündigte und seine VW-Anteile wieder verkaufte. VW musste seine Anteile an Suzuki nach einem Gerichtsentscheid 2015 ebenfalls verkaufen.

Suzuki betreibt Produktionswerke u.a. in Japan (Hamamatsu, Iwata, Kakegawa, Kosa, Makinohara, Toyokawa), Ägypten (Gizeh), China (Chongqing, Jindezhen, Jiujiang), Indien (Gurgaon, Manesar), Indonesien (Jakarta), Kambodscha (Phnom Penh), Kanada (Ingersoll/Ontario), Kolumbien (Bogotá), Malaysia (Pekan), Pakistan (Karachi), Thailand (Pluak Daeng/Rayong), Ungarn (Esztergom) und Vietnam (Biên Hòa). Einige Geländewagen-Modelle werden seit 1985 auch von der spanischen Firma Santana Motors aus Linares, an der Suzuki zeitweise beteiligt war, in Lizenz gefertigt. Seit 1990 firmiert das Unternehmen als Suzuki Kabushiki Kaisha (Suzuki AG) bzw. Suzuki Motors Corporation (außerhalb Japans).

Text: Toralf Czartowski | Foto(s): Pixabay

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Letzte Änderung der Seite: 04.06.2018 | 23:28