Markenlexikon

Stolichnaya

Russland

Stolichnaya ist neben Stolavaya, Krepkaya, Russkaya, Sibirskaya oder Baltiyskaya eine der vielen russischen Wodka-Marken, die während der Sowjetzeit entstanden. Als sein Schöpfer gilt der Brennmeister Viktor Svirida, der damals Chef der staatlichen Alkohol-Monopolgesellschaft Glavspirit war. Zunächst bekamen ihn 1941 die Soldaten der Roten Armee sowie die Parteifunktionäre während der deutschen Basatzung Leningrads zu trinken. Das half gegen die Angst und gegen die Kälte. Hergestellt wurde der »Wodka aus der Hauptstadt« (»stolitsa« = russ. Hauptstadt, »stolichnaya« = aus der Hauptstadt) zunächst in einer Destille in Leningrad, und ab 1944, als die Massenproduktion begann, vor allem in einer 1901 errichteten staatlichen Brennerei im Moskauer Nordosten am Jauza-Fluss, die seit 1987 den Namen Cristall trägt. Auf dem Etikett ist bis heute eine Zeichnung des 1935 eröffneten Moskauer Hotels Moskwa abgebildet, das 2004 abgerissen wurde und inzwischen durch einen Nachbau ersetzt worden ist.

Ab 1973 wurde Stolichnaya als erster russischer Wodka in die USA exportiert, und zwar im Austausch mit Pepsi-Cola. Der PepsiCo-Konzern lieferte Pepsi-Cola in die Sowjetunion, und übernahm dafür den Vertrieb von Stolichnaya in den USA; das Vertriebsabkommen lief bis 1994. Zuständig für das Geschäft mit PepsiCo war die 1966 gegründete staatliche Nahrungsmittel-Außenhandelsgesellschaft Soyusplodoimport, die auch die Rechte an den russischen Wodka-Marken besaß.

1991, während der chaotischen Jelzin-Ära, als frühere Staatsbeamte plötzlich zu Unternehmern mutierten und sich die Filetstücke der russischen Wirtschaft unter den Nagel rissen, wurde Soyusplodoimport privatisiert; zu den neuen Aktionären zählten vor allen frühere Bürokraten. 1997 verkaufte der damalige Soyusplodoimport-Chef Juri Shefler 43 russische Wodka-Marken – u.a. Stolichnaya und die bereits 1894 eingeführte Marke Moskovskaya – für lediglich 300.000 Dollar an sich selbst. Allein der Wert der besonders in den USA erfolgreichen Marke Stolichnaya wurde schon damals auf einige 100 Millionen Dollar geschätzt. Kurze Zeit später gründete er eine neue Firma mit ähnlichem Namen (Soyusplodimport – er ließ nur ein »o« wegfallen) aus der später die in Luxemburg registrierte SPI Group S.A. (Spirits Product International) mit Sitz in Genf hervorging. Der russische Staat machte diese Privatisierung 2001 wieder rückgängig, sodass SPI das Recht verlor, die bekannten Markennamen in Russland zu nutzen. In den meisten Ländern der Welt besitzt SPI jedoch weiterhin die Rechte an Markennamen wie Stolichnaya oder Moskovskaya.

Der Schlagabtausch zwischen Putins Reprivatisierern und Shefler, der in der Schweiz wohnt und von US-amerikanischen Anwaltskanzleien vertreten wird, ging indes weiter. Um Shefler einzuschüchtern erstattete der neue Soyusplodoimport-Chef Vladimir Loginov Anzeige gegen den SPI-Chef, weil dieser ihm am Telefon mit Mord gedroht haben soll. SPI kann seine Wodka-Marken nun auch nicht mehr in der firmeneigenen Destillen in Kaliningrad, Perm und Tambow abfüllen, sondern nur noch bei Latvijas Balzams in Riga, dem größten lettischen Spirituosenhersteller, der seit 2001 mehrheitlich der SPI Group gehört. Hergestellt wird Stolichnaya allerdings weiterhin in den russischen SPI-Brennereien. Der in Russland erhältliche Stolichnaya-Wodka kommt aus mehreren staatlichen Destillen, die mit Soyusplodoimport kooperieren, u.a. aus der OST-Alko-Brennerei in Tschernogolowka, rund 50 Kilometer nordöstlich von Moskau. Vertrieben werden die SPI-Marken außerhalb Russlands u.a. von der Underberg/TeamSpirit (Deutschland, Österreich), Maxximum Worldwide (Großbritannien) und dem Glenfiddich-Hersteller William Grant & Sons (USA).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:54