Markenlexikon

Ritz, Ritz-Carlton

Frankreich
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USA

Der Schweizer Kellner César Ritz (1850 – 1918), dem sein erster Arbeitgeber gesagt haben soll, dass er es in der Hotelbranche nicht weit bringen werde, arbeitete die meiste Zeit seines Lebens in verschiedenen europäischen Städten als Kellner, Restaurantmanager und Hotelchef. Zeitweise leitete er zehn Häuser gleichzeitig, was ihn gesundheitlich ruinierte. Erst im Alter von 48 Jahren erfüllte er sich den Traum vom eigenen Hotel. Mit dem Geld, das er sich von einem Weinbauern und Grundstücksbesitzer geliehen hatte, kaufte er an der Place Vendôme in Paris zwei benachbarte Häuser aus dem 18. Jahrhundert und ließ sie von dem Versailles-Architekten Jules Hardouin-Mansart zum Hotel umbauen. César Ritz hatte sich das Ziel gesetzt, seine Gäste wie Könige zu beherbergen.

Am 1. Juni 1898 wurde das Luxus-Hotel, das alles bis dahin Dagewesene in den Schatten stellte, eröffnet. Das Ritz war das erste europäische Hotel mit elektrischem Licht, und die Zimmer waren durchgängig mit Bädern, Telefonen sowie edelstem Mobiliar im französischen Stil des 17. Jahrhunderts ausgestattet (selbst die besten Hotels hatten damals nur Etagenbäder). 1902 entstand ein weiteres Hotel in London, The Carlton, und 1906 schließlich das Ritz London – übrigens das erste Hotel, in dem allein stehende Frauen ohne Begleitung übernachten durften. Im gleichen Jahr musste César Ritz, der bereits mehrere Zusammenbrüche erlitten hatte, in eine Lausanner Nervenklinik eingeliefert werden. Bis zu seinem Tode 1918 kehrte er nicht mehr in das aktive Hotelgeschäft zurück.

Seine Witwe, die das Pariser Hotel bis zu ihrem Tode weiterführte, gab dem Amerikaner Albert Keller das Recht, den Namen Ritz in den USA zu benutzen. 1927 wurde das berühmte Ritz-Carlton in Boston eröffnet. Die Ritz-Carlton Investing Company baute noch mehrere Hotels, die jedoch bis 1940 alle wieder geschlossen bzw. verkauft wurden. 1983 erwarb der Immobilienunternehmer William Johnson das Ritz-Carlton in Boston und gründete die Ritz-Carlton Hotel Company, die in der Folgezeit zahlreiche neue Hotels errichtete. Seit 1998 gehört diese Gesellschaft zum Hotelkonzern Marriott.

1979 verkaufte Monique Ritz, die Witwe von Charles Ritz, dem Sohn des Gründers, das Pariser Hotel an den ägyptischen Geschäftsmann Mohamed Al-Fayed, dem von 1985 bis 2010 auch das Londoner Kaufhaus Harrods gehörte. Al-Fayed lies das in die Jahre gekommene Hotel an der Westseite der Place Vendôme anschließend für 250 Millionen Euro aufwendig renovieren. Im August 1997 geriet das Ritz in die Schlagzeilen, als Mohameds Sohn Dodi und Prinzessin Diana unmittelbar nach dem Besuch des Hotels tödlich verunglückten.

Den Namen Ritz dürfen nur die Häuser in Paris, London und Madrid (eröffnet 1910) führen, alle anderen heißen Ritz-Carlton. Das Londoner »The Ritz« gehört seit 1995 einer britischen Investmentgesellschaft, das »Hotel Ritz Madrid« seit 2003 der Hotelgesellschaft Orient Express Hotels, die auch mehrere berühmte Touristenzüge betreibt (Eastern & Oriental Express, Great South Pacific Express, Venice Simplon Orient-Express).

Nachdem die staatliche Tourismusbehörde Atout France dem Ritz 2010 die neu eingeführte Klassifizierung »Palace« (absolute Luxusklasse) verweigert hat, beschloss Mohamed Al-Fayed das Hotel erneut komplett zu renovieren; von 2012 bis 2014 sollen die Arbeiten unter Leitung des renommierten Innenarchitekten Thierry Despont dauern.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:53