Markenlexikon

Ramada

USA

Marion William Isbell (1905 – 1988) legte die klassische amerikanische »Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Karriere« hin. Bereits als Achtjähriger arbeitete er nach der Schule auf den Baumwollfeldern von Tennessee, später als Laufbursche für eine Chemiefabrik in Memphis. Mit sechzehn ging er zusammen mit seinem Bruder nach Chicago, wo er sich als Tellerwäscher und Koch durchschlug. Ende der 1920er Jahre unternahm er mit seiner Frau Ingrid eine Reise durch die USA, die ihn auf die Idee brachte, eine Kette von komfortablen Motels (Motor Hotels) direkt an den Landstraßen zu eröffnen. Bis zur Realisierungs seines Vorhabens dauerte es jedoch noch fast 15 Jahre. Von 1934 bis 1946 betrieb er in Chicago eine kleine Imbiss-Stuben-Kette (Isbell's). 1954 tat sich Isbell mit mehreren Investoren aus Chicago, Arizona und Texas zusammen und eröffnete an der Route 66 bei Flagstaff/Arizona sein erstes Motel. Die legendäre Landstraße war damals noch die wichtigste Ost-West-Verbindung der Vereinigten Staaten. Zu den Gründern gehörte auch der Bauunternehmer Delbert Eugene Webb, dessen Firma 1946 für den Mafioso Bugsy Siegel das Flamingo-Hotel in Las Vegas errichtet hatte. 1956 entstand an der North 1st Street in Phoenix/Arizona das Sahara-Hotel und 1958 ein weiteres Hotel in der East Van Buren Street, das auch als Hauptsitz des Unternehmens diente.

1959 gab sich die Kette den Namen Ramada, der aus dem Mexikanischen stammt und soviel wie »Schattiger Rastplatz am Rande des Weges« bedeutet. 1962, als die Kette aus 63 Motels bestand, wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 1971 entstand das erste Ramada-Hotel außerhalb der USA (in Kanada) und 1973 das erste europäische in Brüssel (Belgien). 1979 erwarb Ramada das berühmte Tropicana Hotel-Casino in Las Vegas; die Casino-Sparte wurde 1980 in die Tochtergesellschaft Adamar (Ramada rückwärts) ausgegliedert. 1981 stieg Ramada mit der Eröffnung der ersten Renaissance Hotels in Denver, Hamburg und Washington in den Bereich der Luxushotels ein. 1987 erwarb Ramada die Niedrigpreis-Motel-Kette Rodeway Inn, die Michael Robinson, einer der Ramada-Mitgründer, 1962 in Phoenix gegründet hatte (wurde 1990 an Choice Hotels verkauft).

1989 kam es zur Aufteilung des Konzerns: die Hotelaktivitäten wurden an die Immobiliengesellschaft New World Development Company (Hongkong) verkauft, die Casinos in Las Vegas (Tropicana), Atlantic City (Tropicana), Laughlin/Nevada (Ramada Express), Evansville/Indiana (Casino Aztar Evansville) und Caruthersville/Missouri (Casino Aztar Caruthersville) in die Aztar Corporation ausgegliedert (Aztar gehört seit 2006 zu Columbia Sussex). New World verkaufte die US-Ramada-Hotels 1990 an die Motelkette Prime Motor Inns, die sie noch im gleichen Jahr an Hospitality Franchise Systems (HFS) weiterreichte. Aus dem Zusammenschluss von HFS und CUC International (Comp-U-Card) entstand 1997 die Cendant Corporation (AmeriHost Inn, Days Inn, Fairfield Resorts, Super 8 Motels). Cendant kaufte 2001/02 auch die beiden großen US-Autovermietungen Avis und Budget.

Die Renaissance Hotel Group (Niederlande), die 1993 aus dem Zusammenschluss von Ramada International und Renaissance Hotels entstanden war, wurde 1997 von Marriott übernommen. Marriot behielt jedoch nur die Renaissance Hotels. Die Ramada-Hotels verkaufte man bis 2004 an Cendant. 2006 gliederte Cendant sein Hotelgeschäft in ein neues börsennotiertes Unternehmen aus (Wyndham Worldwide Corporation; nach der 2005 übernommenen texanischen Hotelkette Wyndham) und benannte sich anschließend in Avis-Budget Group um. Die Wyndham-Worldwide-Tochter Wyndham Hotel Group betreibt weltweit rund 6.500 Hotels auf Franchisebasis (AmeriHost Inn, Baymont Inn & Suites, Days Inn, Howard Johnson, Knights Inn, Ramada, Super 8 Motels, Travelodge, Wingate, Wyndham Hotels and Resorts). Zur Ramada-Kette gehören rund 900 Hotels in 25 Ländern.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:53