Markenlexikon

Playboy

USA

Der Playboy ist nicht nur das erfolgreichste Männer-Magazin der Welt, sondern auch eine der meistgelesenen (oder durchblätterten) Zeitschriften überhaupt, und der Bekanntheitsgrad des Playboy-Hasen, der eigentlich zunächst ein flotter Hirsch werden sollte (wegen des ursprünglich geplanten Namens Stag-Party), bewegt sich in den Regionen des Coca-Cola oder des Mercedes-Sterns. Die Geburtsstunde des Playboy schlug im Dezember 1953 mit einem Foto von Marilyn Monroe auf der Titelseite. In der Heftmitte gab es ein weiteres Monroe-Foto als Aufklappbild – aus dieser Rubrik, die anfangs »Sweetheart of the Month« genannt wurde, entwickelte sich das Playmate des Monats. 50.000 Exemplare wurden auf Anhieb verkauft. Das bereits 1949 von Tom Kelley aufgenommene Foto hatte Hefner von der Western Lithograph Company, einer Druckerei, die Kalender produzierte, abgekauft.

Doch Herausgeber Hugh Marston Hefner (1926 – 2017), der mit einem Intelligenzquotienten von 152 gesegnet sein soll, setzte nicht allein auf Sex, sondern garnierte die sorgfältig ausgewählten Nacktfotos mit Reportagen und Interviews aus Politik, Literatur, Film, Sport und Fernsehen. Berühmte Schriftsteller wie John Updike, Norman Mailer, Roald Dahl, Jack Kerouac, Saul Bellow, Woody Allen und Ian Fleming (»James Bond«) wechselten sich mit provokanten Interview-Partnern wie beispielsweise Fidel Castro, Malcolm X und Jassir Arafat ab. So konnte auch der brave Durchschnittsbürger den Playboy ganz offen lesen, ohne dass er ein allzu schlechtes Gewissen haben oder das Heft gar unter dem Bett verstecken musste. Die Behauptung, dass man den Playboy nur wegen der anspruchsvollen Berichte und Geschichten kauft, ist inzwischen legendär. Trotzdem liefen Feministinnen und konservative Kreise Sturm gegen das Magazin. 1972 erreichte die Auflage mit 7,2 Millionen Exemplaren ihren Höhepunkt. Im gleichen Jahr kam die deutsche und französische Ausgabe auf den Markt.

Hefner, der teilweise mit bis zu sieben, meist wesentlich jüngeren Frauen zusammenlebte, wählte die Titelfotos jahrzehntelang selbst aus. Sein öffentliches Sexleben trug nicht unwesentlich zum Mythos des Playboy bei. In den 1980er Jahren stufte der damalige Präsident Ronald Reagen das Magazin als pornografisch ein, was dazu führte, dass es nicht mehr in Supermärkten ausliegen durfte. Die Auflage ging stark zurück, was allerdings auch an der inzwischen größeren Konkurrenz (u.a. Penthouse) lag. Das Magazin erscheint heute in 18 Ländern und der Konzern Playboy Enterprises produziert neben der Zeitschrift auch TV- und Radio-Programme (Playboy TV, Spice Network), Kinofilme, Fernsehserien, Cartoons, Homevideos, DVDs und betreibt diverse Websites sowie die Playboy-Clubs (ab 1960).

Ironie des Schicksals: Wenn es nach seinen streng protestantischen Eltern gegangen wäre, hätte Hugh Hefner christlicher Missionar werden sollen. Doch dann studierte er Psychologie, zeichnete nebenbei Comics für verschiedene Zeitschriften und wurde 1951 Werbetexter beim renommierten Herrenmagazin Esquire. Von 1988 bis 2009 wurde Playboy Enterprises von Christie Ann Hefner, der Tochter des Gründers, geleitet. 2011 kaufte Hugh Hefner über seine Firma Icon Acquisition Holdings alle Playboy-Enterprises-Aktien, die sich in fremden Besitz befanden auf, und nahm das seit 1971 börsennotierte Unternehmen von der New Yorker Börse. Anfang 2016 beendete der Playboy in den USA die Abbildung nackter Models; das (vorerst) letzte Nacktmodell war Pamela Anderson in der der Doppelausgabe Januar/Februar 2016. Gut ein Jahr später, im März 2017, kehrte das Magazin wieder zu den Nacktfotos zurück.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:53