Markenlexikon

Parmalat

Italien

Gäbe es nicht Niki Lauda und sein rotes Parmalat-Kapperl, wäre die größte italienische Molkerei wohl nur halb so bekannt, wie sie es heute ist. 1976, kurz nach seinem schweren Unfall auf dem Nürburgring, trug der dreimalige österreichische Formel-1-Weltmeister diese Mütze zum ersten Mal – damals, weil er einen Sponsorenvertrag mit Parmalat hatte. Nach seinem Ausstieg aus dem Rennsport blieb er noch jahrelang dabei, um seine schweren Narben am Kopf zu verdecken. Als er bereits seine eigene Fluglinie Lauda Air besaß, wollte ihm eine österreichische Brauerei eine grüne Kappe verpassen. Als er mit dieser Mütze in der Firma erschien, waren seine Mitarbeiter fassungslos. In seinem Buch »Das dritte Leben« beschrieb Niki Lauda die Reaktionen seiner Mitarbeiter: »Die haben geglaubt, ich bin nicht mehr ganz dicht. Der Lauda kann kein grünes Kapperl tragen, er kann überhaupt kein anderes Kapperl haben als dieses rote Ding, und dass Parmalat draufsteht, ist keine Werbebotschaft, sondern das steht halt zufällig drauf.«

Parmalat wurde 1961 von dem damals 22-jährigen Calisto Tanzi (* 1938) in Collecchio, einer kleinen Stadt in der norditalienischen Region Parma, gegründet, wo seine Familie Parma-Schinken herstellte. Zunächst hieß die Firma Dietalat. Der 1963 eingeführte Markenname Parmalat entstand aus »Latte di Parma« (ital. Milch aus Parma). Dank geschickter Vermarktung und großzügiger EU-Beihilfen schaffte Parmalat relativ schnell den Aufstieg zu einem der größten Milchverarbeiter der Welt. Parmalat war eine der ersten europäischen Molkereien, die die einige Jahre zuvor in Schweden entwickelten Tetra Paks verwendete und damit die traditionellen Glasflaschen ablöste. 1965 brachte Parmalat die ultrahocherhitzte Milch auf den Markt, die mehrere Monate ohne Kühlung haltbar ist. Das UHT-Verfahren (Ultra Heat Treatment) war 1963 ebenfalls von Tetra Pak entwickelt worden.

1973 ging das Unternehmen, das seit 1968 auch offiziell Parmalat hieß, an die Börse. Damals wurde die Milch nur in Italien verkauft, doch bereits 1974 entstanden die ersten Filialen in Brasilien, Venezuela und Ecuador. Bald stellte Parmalat nicht nur Produkte wie Milch, Käse, Desserts, Joghurt und Butter her, sondern auch Tomatenpüree, Saucen, Suppen, Eiscreme, Brot, Pizzas, Snacks, Kekse, Pasta, Fruchtsaftgetränke, Mineralwasser und Eistee.

Im Dezember 2003 kam jedoch der Absturz. Nach jahrelangen, undurchsichtigen Finanzspekulationen in karibischen Steueroasen und Bilanzmanipulationen, erklärte ein Konkursgericht in Parma den Konzern für insolvent. Die Schulden der Parmalat-Gruppe beliefen sich auf fast fünfzehn Milliarden Euro. Firmengründer Tanzi, der lange Zeit als italienischer Vorzeigeunternehmer galt, musste seinen Hut nehmen und wurde kurz darauf von der Polizei verhaftet. Im September 2005 begann in Mailand der Prozess gegen Tanzi und fünfzehn weitere frühere Parmalat-Manager wegen betrügerischen Bankrotts und Bilanzfälschung. Einen Monat später kehrte Parmalat wieder an die Mailänder Börse zurück. 2008 wurde Tanzi wegen Börsenmanipulation zu einer zehnjährigen Haftstrafe und einer Schadensersatzzahlung in Höhe von 80.000 Euro verurteilt, musste die Haftstrafe aber aufgrund seines hohen Alters bisher nicht antreten. Ende 2010 kam es in einem weiteren Verfahren zu einer Verurteilung zu achtzehn Jahren Haft wegen Insolvenzbetrugs und Bildung einer kriminellen Vereinigung. Außerdem müssen Tanzi und andere frühere Parmalat-Manager dem neuen Konzern zwei Milliarden Euro Entschädigung zahlen.

Seit 2011 gehört Parmalat mehrheitlich (83,3 Prozent) zur französischen Lactalis Group (Galbani, Lactel, Le Président, Salakis, Société), einem weltweit tätigen Molkereiproduktehersteller.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:53