Markenlexikon

Otto

Deutschland

Werner Otto (1909 – 2011) gründete 1949 in Hamburg ein kleines Versandhaus, in dessen erstem Katalog 28 Schuhmodelle zum Kauf angeboten wurden. Das Heftchen hatte vierzehn Seiten und erschien 1950 in einer Auflage von 300 Exemplaren. Bei Otto konnten die Kunden ihre Waren erstmals auf Rechnung oder in Monatsraten zahlen, was sich schnell als durchschlagender Erfolg erwies. Bald wurde das Angebot um Textilien erweitert, und es gab verschiedene Spezialkataloge, die den Hauptkatalog ergänzten. Ab 1963 konnten die Kunden des Unternehmens ihre Waren telefonisch bestellen.

Durch zahlreiche Neugründungen (1964 Hanseatic Versicherungsdienst, 1969 Hanseatic Bank, 1972 Hermes Paket Dienst, 1986 Bonprix, 1994 Otto Office, 1997 Shopping24.de, 2000 Discount24.de), Übernahmen (1974/1979 Heinrich Heine Versand, 1976 Schwab Versand, 1979 Fegro, 1982 Spiegel/USA, 1987 Witt Weiden, 1988 Eddie Bauer/USA, 1988/1991 SportScheck, 1991/1996 Grattan/GB, 1995 Küche&Co, 1997 Baur, 1999 Freemans/GB, 2000/2001 Frankonia Jagd, 2001 MyToys.de, Universal Versand/Österreich), Beteiligungen (1974 3 Suisses International/Frankreich, 1998 Crate and Barrel/USA) und Jointventures (1986 Otto Sumisho mit Sumitomo/Japan, 1989 Fegro/Selgros C&C mit Rewe, 1997 Otto Doosan/Südkorea, 1999 Zara mit Inditex/Spanien, 2000 Baumarkt direkt mit Obi) im In- und Ausland wuchs Otto bis Ende der 1980er Jahre zum größten Versandhaus der Welt heran und ist zudem das einzige Unternehmen der Branche, das global tätig ist.

1990 bot Otto erstmals schadstoffgeprüfte Textilien an. Im gleichen Jahr etablierte das Unternehmen als erstes deutsches Versandhaus den 24-Stunden Eilservice. 1995 konnte das Warenangebot von Otto erstmals auch über eine eigene Webseite bestellt werden; inzwischen betreibt Otto weltweit über 100 Webshops.

2009/2010 erwarb Otto Teile des insolventen Versandhauses Quelle (Markenname Quelle, Quelle-Geschäft in Russland, Internetkaufhaus Quelle.de, mehrere Quelle-Eigenmarken wie Privileg, Universum, Mars und Explorer, die anschließend weiterverkauft wurden). 2012 kaufte Otto auch die Internetmarke Neckermann.de, nachdem das gleichnamige Versandunternehmen geschlossen worden war.

Otto ist der weltgrößte Online-Händler nach Amazon und der größte in den Bereichen Mode und Lifestyle. Die Waren werden über die drei Vertriebskanäle E-Commerce (Online-Shops), stationärer Einzelhandel (rund 400 Geschäfte) und Katalog (klassicher Versandhandel) angeboten. Darüber hinaus gehören zur Otto Group Logistik- und Reisedienstleister, Einkaufsgesellschaften und Finanzdienstleister (Konsumentenkredite, Fonds-Verwaltung, Liquiditätsmanagement, Forderungskauf, Inkasso). Bekannte Marken der Otto Group sind u.a. Baumarkt Direkt, Baur, Bonprix, Crate & Barrel, EOS, Frankonia, Hanseatic Bank/Versicherung, Heine, Hermes, myToys.de, Neckermann.de, Otto-Versand, Quelle, RatePAY, Schwab, Shopping24.de, SportScheck und Witt.

Neben dem Versandhauskonzern gehört der Otto-Familie auch die 1965 von Werner Otto gegründete ECE Projektmanagement GmbH & Co. KG (ECE = Einkaufs-Center Entwicklungsgesellschaft), ein Entwickler, Realisierer, Vermieter und Betreiber von gewerblichen Großimmobilien.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:53