Markenlexikon

Opel

Deutschland

Der Schlosser Adam Opel (1837 – 1895) begann 1863 in einer kleinen Werkstatt in Rüsselsheim mit dem Bau von Nähmaschinen. Da sich das Geschäft nach anfänglichen Schwierigkeiten gut anließ, konnte er 1868 eine eigene Fabrik errichten, die sich schnell zum führenden Nähmaschinenhersteller Deutschlands entwickelte. Die Begeisterung seiner fünf Söhne für das Radfahren brachte ihn dazu, ab 1886 auch Fahrräder zu bauen. Nach dem Tode des Vaters, der sich nie für Automobile begeistern konnte, erwarben sie die Rechte am Lutzmann-Auto, das der Dessauer Schmied Friedrich Lutzmann (1859 – 1930) gerade entwickelt hatte. 1898 wurde der erste Opel Lutzmann vorgestellt. Doch weder er noch das Nachfolgemodell konnten in ausreichenden Stückzahlen verkauft werden. Opel gab den Automobilbau vorerst wieder auf. Bis zur Jahrhundertwende produzierte die Firma ausschließlich Nähmaschinen und Fahrräder.

Das erste Opel-Motorrad kam 1901 auf den Markt. Zur gleichen Zeit wurde Opel alleiniger Importeur der französischen Darracq-Automobile für Deutschland und Österreich-Ungarn. Diese Lizenz umfasste auch die Genehmigung Darracq-Fahrzeuge selbst zu produzieren und mit eigenen Karosserien zu versehen. Sie kamen als Opel-Darracq auf den Markt. Der so genannte »Doktorwagen« (1909) – weil ihn Ärzte gerne für ihre Hausbesuche verwendeten – war das erste Fahrzeug, das den Opel-Schriftzug am Kühler trug. Zu gleichen Zeit begann Opel mit der Produktion von leichten Lastwagen.

1924 brachte Opel einen Kleinwagen heraus, der wegen seiner grasgrünen Farbe und den hinten fehlenden Stoßdämpfern den inoffiziellen Namen »Laubfrosch« bekam (offiziell: Opel 4/12 PS). Dieser spartanische Zweisitzer, der erstmals in Deutschland am Fließband gebaut wurde, und der dem französischen Citroën 5CV nachempfunden war, brachte der Firma so große Gewinne, dass sie 1928 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden konnte. Gleichzeitig schloss man mit der US-amerikanischen General Motors Corporation (Buick, Cadillac, Chevrolet, GMC, Oldsmobile, Pontiac) ein Kooperationsabkommen.

Für Furore sorgte zu dieser Zeit Fritz von Opel (1899 – 1971), der Enkel Adam Opels, mit seinen Raketenwagen, die er gemeinsam mit Friedrich Wilhelm Sander, Max Valier und Julius Hatry gebaut hatte. Am 23. Mai 1928 erreichte er mit dem von 24 Feststoffraketen angetriebenen Opel RAK 2 auf der Berliner AVUS die Rekordgeschwindigkeit von 238 km/h. Am 30. September 1929 unternahm Fritz von Opel mit dem Raketenflugzeug Opel-Sander RAK 1 auf dem Frankfurter Flugplatz Rebstock den ersten Raketenflug eines Menschen (Dauer: 10 Minuten, Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h, max. Höhe: 30 Meter), legte jedoch eine Bruchlandung hin, die er unverletzt überstand.

Am 29. Oktober 1929 lösten tiefe Kursstürze an der New Yorker Börse die Weltwirtschaftskrise aus. Der Automobilverkauf ging schlagartig um 50 Prozent zurück und die inzwischen geadelte Opel-Familie war gezwungen ihr Unternehmen zu verkaufen. Partner General Motors erwarb zunächst 80 Prozent des Aktienkapitals. Dank der Finanzspritze überlebte die Firma die schweren Jahre und stand schon 1931 wieder an der Spitze der deutschen Automobilhersteller. Nun übernahm General Motors auch die restlichen 20 Prozent der sich noch in Familienbesitz befindlichen Opel-Aktien. 1926 hatte GM bereits die britische Autofirma Vauxhall Motors erworben, die 1857 von dem schottischen Ingenieur Alexander Wilson im Londoner Stadtteil Vauxhall gegründet worden war.

Berühmtheit erlangte ab 1931 der von einem Benzinmotor angetriebene Schnellaster Opel Blitz, der Opel zum größten deutschen Nutzfahrzeughersteller der Vorkriegszeit aufsteigen lies. Während des 2. Weltkriegs produzierte auch Daimler-Benz den Opel Blitz aus Kapazitätsgründen in Lizenz.

1935 gab es den Olympia (so genannt wegen der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin), der erstmalig in Deutschland eine selbsttragende Ganzstahlkarosserie hatte, und den preisgünstigen Kleinwagen P4 (1.650 Reichsmark), der neben der DKW-Frontwagen-Reihe zu den Vorläufern des Volkswagens zählt. 1936 stieg Opel zum größten europäischen Fahrzeughersteller auf. 1937 wurden das Oberklassemodell Admiral und der Kadett vorgestellt, der sich außerordentlich gut verkaufte. Im gleichen Jahr beendete Opel die Fahrradproduktion; die Fertigungsanlagen wurden von NSU übernommen. Die Motorradproduktion war schon 1930 eingestellt worden. 1939 kam noch der Kapitän, der kleine Bruder des Admiral, auf den Markt, aber diesem Modell war keine lange »Dienstzeit« mehr vergönnt. Ab 1940 stand Opel voll unter Kontrolle der nazionalsozialistischen Regierung und stellte nun hauptsächlich Militärfahrzeuge, Motoren, Torpedos und Flugzeugteile her.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde das Werk in Brandenburg demontiert, sodass die Produktion der Blitz-Laster nach Rüsselsheim, ins Opel-Hauptwerk, verlagert werden musste. Von 1945 bis 1949 wurde der Blitz auch noch bei Daimler-Benz gefertigt. 1946 lief die Produktion in Rüsselsheim wieder an. Neben Kasten- und Pritschenwagen, gab es von 1953 bis 1956 einen Bus (Blitz Panoramabus) für 17 Personen, der von Kässbohrer gebaut wurde. Ab 1968 war der Blitz auch mit einen Dieselmotor von Peugeot erhältlich.

Opel
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Die reguläre Pkw-Produktion begann erst wieder 1947 mit dem alten Vorkriegs-Olympia. Die Produktionsanlagen des Kadett wurden als Reparationsleistung in die Sowjetunion gebracht, wo dieses Modell bis 1954 als Moskwitsch 400 vom Band lief. Der erste neue Opel, der Rekord, kam 1953 heraus. 1948 folgte der größere Kapitän, ebenfalls ein Vorkriegsmodell, 1953 der Olympia Rekord und 1957 der sehr amerikanische Rekord P1; der Name Rekord blieb bis 1986 in Gebrauch, als diese Modellreihe vom Omega abgelöst wurde. 1962 gab es wieder einen Kleinwagen mit dem Namen Kadett, der in einem neuerrichteten Werk in Bochum vom Band lief und bis 1991 in Produktion blieb (fünf Modellreihen).

Eines der populärsten Opel-Modelle war der sportliche Manta (1970 – 1988), die Coupé-Version des Mittelklassemodells Ascona (1970 – 1988), das zur gleichen Zeit herauskam. Vorbild für den Manta war der Ford Capri von 1969. Ähnliche Berühmtheit erlangte auch der vom Kadett B abgeleitete Gran-Turismo-Sportwagen Opel GT, der von 1968 bis 1973 rund 100.000 mal gebaut wurde (seit 2007 gibt es wieder einen Opel GT).

Weniger Erfolg hatte Opel mit seinen Oberklasse-Limousinen (Kapitän, Admiral, Diplomat, Senator), was einerseits am zeitweise amerikanisch geprägten Design und den großen V8-Motoren lag, andererseits wohl auch daran, dass der Marke als Volumenhersteller ganz einfach das nötige Image fehlte.

1975 verlagerte die Opel-Muttergesellschaft General Motors die Nutzfahrzeugproduktion nach Großbritannien zu Vauxhall. Von 1973 bis 1987 wurde der Kleintransporter Vauxhall Bedford CF, den es seit 1969 gab, von Opel als Bedford Blitz verkauft. 1982 brachte Opel mit dem Corsa als letzter deutscher Massenhersteller einen Kleinwagen auf den Markt; VW und Ford waren in dieser Klasse bereits mit den Modellen Polo (1975) und Fiesta (1976) vertreten.

Die Zugehörigkeit zum GM-Konzern (Buick, Cadillac, Chevrolet, GMC, Oldsmobile, Pontiac, Saturn), in dessen Besitz sich auch die Firmen GM-Daewoo (Südkorea), Holden (Australien), Isuzu (Japan; 1971 – 2002), Saab (Schweden; 1990 – 2010) und Vauxhall/Bedford (Großbritannien) befanden, führte dazu, dass sich seit den 1960er Jahren viele Modelle dieser Hersteller nur noch durch Namen, Firmenlogo und Austattung unterscheiden. Opel war die Hauptmarke von General Motors in Kontinentaleuropa (in Großbritannien und Irland wird die Marke Vauxhall verwendet) und im Nahen Osten; außerdem wurden Opel-Modelle auch in Australien (seit 2010), China, Indien, Russland (bis 2015), Singapur, Südafrika und Taiwan verkauft. Außerhalb dieser Gebiete und Länder kommen einige Opel-Modelle als Chevrolet (Nordamerika, Südamerika), Saturn (Nordamerika) und Holden (Australien) in den Handel (in den 1970er und 1980er Jahren auch als Isuzu und Pontiac). Der Ascona/Manta war das einzige Modell, das in den USA zeitweise als Opel verkauft wurde. Die Geländewagen waren Abkömmlinge von Isuzu (Frontera, Monterey) und Chevrolet/GM-Daewoo (Antara), die auch dort gebaut wurden.

Opel war dem deutschen Branchenprimus VW lange Zeit dicht auf den Fersen, vor allem mit den überaus erfolgreichen Modellen Kadett B (1965 – 1973), Ascona B (1975 – 1981), Kadett D (1979 – 1984; der erste Opel mit Frontantrieb), Kadett E (1984 – 1991) und Vectra A (1988 – 1995). Gravierende Qualitätsprobleme in den 1990er Jahren, u.a. verursacht durch rigorose Sparmaßnahmen, führten jedoch dazu, dass sich viele Autokäufer enttäuscht von Opel abwendeten und zu anderen Marken wechselten. 1998 kehrte Opel mit dem mittelgroßen Transporter Movano, der gemeinsam mit Renault (Renault Master) und Nissan (Nissan Interstar) entwickelt wurde, wieder in den Nutzfahrzeugsektor zurück. 2001 kamen der Kleintransporter Combo (auf Basis des Corsa) und der ebenfalls gemeinsam mit Renault und Nissan entwickelte Vivaro (Renault Traffic, Nissan Primastar) auf den Markt. 2005 wurde die nichtbörsennotierte Adam Opel AG in eine GmbH umgewandelt.

Infolge der weltweiten Wirtschaftskrise 2008/2009 kam General Motors in schwere finanzielle Bedrängnis, die auch negative Auswirkungen auf die europäischen GM-Töchter hatte: Saab musste im Februar 2009 Insolvenz anmelden, GM selbst im Juni 2009. Das Insolvenzverfahren wurde in nur 40 Tagen abgewickelt; anschließend befanden sich die GM-Aktien im Besitz der USA (60,8 Prozent), Kanadas (11,7 Prozent), der Automobilarbeitergewerkschaft UAW United Auto Workers (17,5 Prozent) sowie der Gläubiger (10 Prozent). Die europäische Tochter GM Europe, zu der Opel, Vauxhall und Saab gehörten, sollte zunächst an den kanadisch-österreichischen Fahrzeugzulieferer Magna International/Magna-Steyr und die russische Sberbank verkauft werden. Dann entschied sich das neue GM-Management jedoch dazu, GM Europe selbst zu behalten. Ende 2009 löste General Motors die Europa-Zentrale GM Europe in Zürich auf; die einzelnen Unternehmen wurden nun von ihren jeweiligen Zentralen aus geleitet. Anfang 2011 kehrte Opel wieder zur Rechtsform der Aktiengesellschaft zurück. Der Versuch Opel an Volkswagen zu verkaufen, scheiterte 2014 an unterschiedlichen Kaufpreisvorstellungen. 2017 veräußerte GM das gesamte Europa-Geschäft (Adam Opel GmbH, Vauxhall Motors Ltd.) mit Werken in Eisenach (Opel), Gliwice/Polen (Opel), Kaiserslautern (Opel), Luton (Vauxhall), Ellesmere Port (Vauxhall), Rüsselsheim (Opel) und Zaragoza (Opel) schließlich an die französische PSA-Gruppe (Peugeot, Citroën).

Gebaut wurden/werden die Opel-Modelle u.a. in Rüsselsheim, Bochum (1962 – 2014), Kaiserslautern (seit 1966), Eisenach (seit 1992), Gliwice/Polen (seit 1998), Antwerpen/Niederlande (1924 – 2010), Zaragoza/Spanien (seit 1982), Ellesmere Port/Großbritannien (seit 1963; Vauxhall) und St. Petersburg (2007 – 2015).

Text: Toralf Czartowski | Foto(s): Pixabay

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Letzte Änderung der Seite: 02.06.2018 | 16:19