Markenlexikon

Odol

Deutschland

Im späten 19. Jahrhundert waren viele Gelehrte der Ansicht, dass Bakterien vor allem durch den Mund in den Körper gelangen. Der Magdeburger Drogist Karl August Lingner (1861 – 1916) fand schließlich die vermeintliche Lösung. In seinem 1888 in Dresden eröffneten Laboratorium mixte er ein antiseptisch wirkendes Mundwasser. Unter dem Markennamen Odol kam es 1893 auf den Markt. Der Name setzt sich aus den beiden Wörtern »odous« (griech. Zahn) und »oleum« (lat. Öl) zusammen. Da um die Jahrhundertwende Hygiene für die meisten Menschen noch ein Fremdwort war, musste Lingner sein neues Produkt mit einer für damalige Verhältnisse gigantischen Werbekampagne bekannt machen. Die ganzseitigen Zeitungsanzeigen und Plakate verschlangen mehrere Millionen Mark. Doch der Aufwand lohnte sich.

Odol revolutionierte die Mundhygiene von Grund auf, und zwar nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt. 1913 exportierten die Lingner-Werke ihr Mundwasser bereits in über 60 Länder. 1916 wurde das Wort Odol sogar in den Duden aufgenommen. Berühmtheit erlangte auch die weiße Seitenhalsflasche (ab 1906), die immer wieder zeitgenössische Künstler und Designer zu kreativen Höhenflügen inspirierte. Der berühmte italienische Opernkomponist Giacomo Puccini schuf gar eine Odol-Ode.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs zogen die Lingner-Werke nach Düsseldorf um, wo die Produktion 1950 wieder anlief. Auch das Dresdner Werk stellte Odol bis 1990 weiterhin her. Ab Mitte der 1980er Jahre wurde Odol zur Dachmarke ausgebaut (Mundspray, Mundwasser, Pastillen, Zahncreme, Zahnpflegekaugummi). Die Marke befindet sich heute im Besitz des britischen Pharmakonzerns GlaxoSmithKline (Abtei, Dr. Best, Contac, Levitra, Nicorette, Sensodyne, Tagamed, Ventolin, Zantac, Zovirax, Zyban), dessen Vorgängerfirma Beecham (ab 1989 SmithKline-Beecham, seit 2000 GSK GlaxoSmithKline) die Lingner-Werke 1974 erworben hatte.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:53