Markenlexikon

Nina Ricci

Frankreich

Die in Turin geborene italienischen Mode-Designerin Maria (Nina) Adélaïde Nielli (1883 – 1970), die schon als Kind Kleider und Hüte für ihre Puppen genäht hatte, kam mit ihrer Familie als Siebenjährige nach Paris, wo sie später bei einem Schneider in die Lehre ging. 1904 heiratete sie den Juwelier Luigi Ricci. 1908 ging sie als Designerin zum Modehaus Raffin, wo sie die nächsten 20 Jahre Jahre blieb, zuletzt als Partner der Inhaber. 1932 eröffnete sie gemeinsam mit ihrem Sohn Robert Ricci (1905 – 1988), einem Werbegrafiker, ein eigenes Modehaus. Die Kreationen fanden durch ihre heitere Weiblichkeit schnell Anerkennung in der ganzen Welt. Da jedoch teure Mode nach dem Ende des 2. Weltkriegs nicht gefragt war, brachte Nina Ricci auf Anraten ihres Sohnes, der die Geschäfte führte, 1946 ihr erstes Parfum auf den Markt (Coeur-Joie), allerdings ohne großen Erfolg. Erst L'Air du Temps brachte 1948 den Durchbruch. Dieser von dem Parfumeur Francis Fabron entwickelte Duft aus Nelken, Gardenien, Jasmin, Ylang-Ylang, Rosen und Sandelholz entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten französischen Exportartikel aller Zeiten. Den originellen Flakon, auf dessen Stöpsel zwei Tauben saßen, hatte der berühmte Glasdesigner Marc Lalique entworfen.

Als sich Nina Ricci 1954 aus dem aktiven Geschäftsleben zurückzog, wurde der Belgier Jules-François Crahay, der zuvor kurzzeitig eine eigene Modefirma betrieben hatte, neuer Chefdesigner. Ihm folgte 1963 der Prêt-à-porter-Spezialist Gerard Pipart, der zuvor für Balmain, Chloé, Jacques Fath und Jean Patou tätig gewesen war. Er hielt dem Modehaus bis 1999 die Treue. Danach wechselten die Chefdesigner wesentlich häufiger (1999 – 2001 Nathalie Gervais, 2002 – 2003 James Aguiar, 2003 – 2006 Lars Nilson, 2006 – 2009 Olivier Theyskens, ab 2009 Peter Copping).

In den 1960er Jahren nahm die Firma erstmals mehr Geld mit den Parfums ein, als mit der Mode. Inzwischen gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Parfums (1961 Capricci, 1974 Farouche, 1975 Signoricci, 1980 Fleur de Fleurs, 1987 Nina, 1989 Ricci Club, 1994 Deci Del, 1996 Les Belles de Ricci) und seit 1992 die Kosmetiklinie Le Teint Ricci. Nach dem Tod von Robert Ricci 1988 führte Nina Riccis Schwiegersohn Gilles Fuchs das Unternehmen weiter. Gleichzeitig beteiligte sich der französische Pharma- und Kosmetikhersteller Sanofi, der damals zum Ölkonzern Elf-Aquitaine gehörte, mit 30 Prozent an der Société Parfums Nina Ricci, der Holdinggesellschaft für die beiden Sparten Nina Ricci Couture und Nina Ricci Parfums. 1998 verkaufte Sanofi seine Anteile an die spanische Puig Beauty and Fashion Group (Carolina Herrera, Comme des Garçons, Myrurgia, Paco Rabanne Parfums, Payot, Prada Parfums, Zara Parfums), die 1914 von Antonio Puig gegründet worden war.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:53