Markenlexikon

Nikon

Japan

Es gab einmal eine Zeit, da konnte den Deutschen bei der Herstellung optischer Instrumente keiner etwas vormachen, und selbst die Japaner kamen nach Deutschland, um hier zu studieren oder bei Firmen wie Zeiss eine Zeit lang zu arbeiten. So auch der Marine-Ingenieur Ryuzo Fujii, der 1909 zusammen mit seinem Bruder Kohzo, einem Chemiker, in Tokyo die Firma Fujii Lens gründete. Zuvor hatte er drei Jahre in Deutschland Optik studiert und in seiner neuen Firma standen deutsche Maschinen und Messinstrumente von Zeiss. 1911 brachten die Fujii-Brüder das erste in Japan gebaute Fernrohr auf den Markt; verkauft wurde es unter dem Markennamen Victor.

1917 schloss sich Fujii Lens mit Tokyo Keiki Seisakusho, einem Hersteller von Messinstrumenten, und der Glasfabrik Iwaki Glass zur Nippon Kogaku Koygo Kabushiki Kaisha (Japanische Optik Industrie Aktiengesellschaft) zusammen. An der Fusion war auch der Mitsubishi-Konzern beteiligt. 1921 stellte Nippon Kogaku mehrere deutsche Techniker ein, die das Unternehmen bald in die Lage versetzten, mit den damals weltweit führenden deutschen Optikprodukten von Zeiss, Schott, Zeiss-Ikon (Contax), Leitz Wetzlar (Leica) und Rollei zu konkurrieren. Zunächst produzierte die Firma optische Gläser, Mikroskope, Ferngläser, Kameralinsen und ab 1948 auch Kleinbildkameras. Bereits zwei Jahre zuvor hatte man sich für die Prototypen der Kamera den Markennamen Nikon (Nippon + Kogaku) einfallen lassen. Vermutlich ließen sich die Verantwortlichen auch von dem Firmennamen Zeiss-Ikon beeinflussen; in Deutschland mussten die Nikon-Kameras wegen der Namensgleichheit mit Zeiss-Ikon lange Zeit unter dem Namen Nikkor (wie die Objektive) verkauft werden. Erst als Zeiss-Ikon 1972 den Bau von Kameras aufgab, kamen sie auch hierzulande als Nikon in den Handel.

Erste Berühmtheit erlangten die Nikon-Kameras wegen ihrer Robustheit während des Korea-Krieges (1950 – 1953) bei amerikanischen Reportern, die in Tokyo stationiert waren. 1959 kam die erste Spiegelreflex-Kamera von Nikon auf den Markt; zu Ehren des Nikon-Chef-Entwicklers Masahiko Fuketa erhielt sie die Bezeichnung Nikon F. Bis zur Produktionseinstellung wurden über eine Million Exemplare von diesem Modell verkauft. Inzwischen sind die Nikon-Kameras weltweit das Nonplusultra jedes Profi-Fotografen, besonders derjenigen, die in Krisengebieten unterwegs sind. Und das hat einen guten Grund. Die robusten Fotoapparate stehen in dem Ruf auch die gefährlichsten Situationen – anders als ihre Besitzer – fast immer zu überstehen und die Bilder zu liefern. Und genau das ist es was zählt, zumindest beim harten Kern dieses Berufsstandes. Neben Kameras und Objektiven (Nikkor) stellt Nikon auch Kontroll- und Messinstrumente, Mikroskope, fotolithografische Geräte zur Produktion integrierter Schaltungen, Film-Scanner, Lupen, Brillen und Kontaktlinsen her.

Seit 1988 heißt das Unternehmen offiziell Nikon Corporation. Die Mehrheit der Nikon-Anteile gehören Banken und Versicherungen der Mitsubishi-Gruppe.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:53