Markenlexikon

Moulinex

Frankreich

Weil ihm seine Frau ständig klumpigen Kartoffelbrei vorgesetzt hatte, entwickelte der Franzose Jean Mantelet (1901 – 1991) 1932 eine einfache Püriermaschine (ein Topf mit handbetriebenem Rührwerk), die die Küchenarbeit revolutionierte und Millionen Frauen die Arbeit erleichterte. Ob es tatsächlich so gewesen ist, lässt sich heute nicht mehr nachprüfen. Als Erfinder wird auch der Belgier Victor Simon genannt, der ein ähnliches Gerät schon 1928 gebaut haben soll. Fest steht indes, dass sich Mantelets Gemüsemühle (frz. Moulin-Légumes) hervorragend verkaufte und aus dem kleinen Unternehmen M.E.B. (Manufacture d'Emboutissage de Bagnolet Mantelet et Boucher), das er 1929 gemeinsam mit dem Ingenieur René Boucher in Bagnolet bei Paris gegründet hatte, bald einen führenden europäischen Hausgerätehersteller machte. 1937 errichtete M.E.B. eine Fabrik in Alençon (Normandie), wo handbetriebene Hausgeräte wie Nussknacker (Mouli-Noix), Gemüseschäler (Mouli-Râpe) oder Gewürzmühlen (Mouli-Sel, Mouli-Poivre, Mouli-Sucre) produziert wurden. In der Normandie entstanden später noch weitere Werke, sodass das Unternehmen, das im Laufe der Jahre mehrmals seinen Namen wechselte (1944 Moulin-Légumes, 1953 SECM/Société d'Etudes Chimie et Méchanique, 1955 Société Légumex, 1957 Moulinex), lange Zeit einer der größten Arbeitgeber in dieser Region war.

1956 brachte die Firma mit der Kaffeemühle Moulinex ihr erstes elektrisches Hausgerät auf den Markt. Da sie nur die Hälfte dessen kostete, was andere Hersteller für ihre Geräte verlangten, konnten von der Moulinex schon im ersten Jahr rund 1,5 Millionen Exemplare verkauft werden. In den 1960er Jahren wurden die Moulinex-Geräte, die für viele Franzosen eine ähnliche Symbolkraft wie der Citroën 2CV, das Michelin-Männchern oder die Gauloises-Zigaretten hatten, mit dem Werbeslogan »Moulinex libère la femme« (»Moulinex befreit die Frauen«) angepriesen und der Firmenchef, der den Aufstieg aus dem Pariser Arbeiterviertel Belleville zum Millionär geschafft hatte, wurde gelegentlich als eine Art Henry Ford Frankreichs bezeichnet. In der Folgezeit nahm Moulinex zahlreiche neue Produkte in das Sortiment auf, u.a. Staubsauger (1963), Kaffeemaschinen (1971), Mikrowellengeräte (1979) und Bügeleisen (1983). 1969 ging Moulinex an die Pariser Börse.

In den 1980er Jahren machten dem Unternehmen jedoch japanische Firmen und Billiganbieter aus Asien zu schaffen; 1985 verbuchte Moulinex erstmals in seiner Geschichte einen Verlust, in der Folge mussten rund 1500 Angestellte entlassen werden. Da der Gründer keine Nachkommen hatte und außerdem durch einen Schlaganfall gesundheitlich schon angeschlagen war, verkaufte er seine Firmenholding Finap, die rund 45 Prozent der Moulinex-Anteile besaß, 1988 zum Vorzugspreis von 240 Millionen Franc an seine Belegschaft.

1991 erwarb Moulinex den deutschen Hausgerätehersteller Krups aus Solingen, wurde dann aber im Jahr 2000 selbst von der italienischen Holdinggesellschaft El.Fi (Elettro Finanziaria S.p.A.) übernommen, die schon seit längerem mit 26,5 Prozent an der Moulinex S.A. beteiligt war. Nach der Übernahme besaß El.Fi rund 74 Prozent der Moulinex-Anteile. Dem italienischen Unternehmen gehörte seit 1992 auch die französische Hausgerätemarke Brandt (Waschmaschinen, Kühlschränke, Geschirrspülmaschinen, Mikrowellengeräte), die auf Edgar William Brandt (Hotchkiss-Brandt, Thomson-Brandt) zurückgeht. Doch schon im September 2001 rutschte Moulinex-Brandt in die Insolvenz. Mehrmalige Eigentümerwechsel, Managementfehler (Einstieg ins Mikrowellengeschäft, ständige Umstrukturierungen, falsche Preisgestaltung), die asiatische Konkurrenz und die Wirtschaftskrisen in Russland, Asien und Lateinamerika in den späten 1990er Jahren waren die wichtigsten Ursachen für den Niedergang des französischen Traditionsunternehmens. Moulinex wurde daraufhin von dem französischen Hausgerätekonzern SEB (Calor, Rowenta, SEB, Tefal) übernommen und Brandt ging an die israelische Firma Elco Holdings (Elco-Brandt; seit 2005 FagorBrandt). Die 1925 von Jean, Frédéric und Henri Lescure gegründete Société d'Emboutissage de Bourgogne (SEB) hatte zunächst Kochgeräte und ab 1967 auch elektrische Haushaltsgeräte hergestellt.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:52