Markenlexikon

MG

Großbritannien

Cecil Kimber (1888 – 1945), der Chef der Morris-Verkaufsfirma Morris Garages in Oxford, begann 1922 mit dem Bau von sportlichen Coupés und Cabrios. Als Basis verwendete er Morris-Fahrgestelle, die Karosserie ließ er bei fremden Firmen nach seinen eigenen Vorstellungen anfertigen. Nachdem die ersten Exemplare als Chumy verkauft worden waren, trugen die Fahrzeuge ab 1924 den Markennamen MG (Morris Garages). Das erste MG-Modell war der MG 14/28 (1924 – 1927). Der MG 14/40 (1927 – 1929) trug erstmals das achteckige MG-Logo auf dem Kühler. Die Firma Morris Motors, ein sehr erfolgreicher Hersteller von Kleinwagen, war 1913 von dem Fahrradmechaniker und -händler William Richard Morris (1877 – 1963) in Cowley/Oxford gegründet worden. Zusammengebaut wurden die MG-Fahrzeuge zunächst in der eigenen Werkstatt, dann in einer Morris-Fabrik, ab 1927 in einer neugebauten Fabrik in Oxford und 1929 zog die Firma nach Abingdon, in der Nähe von Oxford, um. MG spezialisierte sich zu dieser Zeit immer mehr auf kleine und robuste Roadster wie den MG M Midget (1929 – 1932), den MG C Midget (1931 – 1932) oder den MG T (1936 – 1955), obgleich es auch immer wieder sportliche Limousinen gab.

1938 brachte der inzwischen geadelte William Morris (1. Viscount von Nuffield) seine Firmen Morris Motors und MG sowie die kurz zuvor erworbenen Unternehmen Riley Motors und Wolseley Motors in die Holdinggesellschaft Nuffield Organisation ein, die sich 1952 mit ihrem größten Konkurrentzen, der Austin Motor Company, zur British Motor Corporation (BMC) zusammenschloss.

1955 kam der MGA auf den Markt, ein zweisitziger Roadster, der bis heute zu den besten britischen Sportwagen aller Zeiten zählt; 1962 folgte der MGB, der bis 1979 in Produktion blieb. Über 94 Prozent der rund 101.000 gebauten Expemplare des MGA gingen in den Export – eine höhere Exportquote erreichte kein anderes britische Auto. 1966 übernahm BMC den Sportwagenhersteller Jaguar Cars, was zur Gründung der Holdinggesellschaft British Motor Holdings (Austin, Jaguar Cars, Mini, Morris, Riley, Wolseley) führte, und 1968 schloss sich BMH mit dem Nutzfahrzeughersteller Leyland Motor Corporation, dem auch die Firmen Alvis, Rover/Land-Rover und Triumph gehörten, zur British Leyland Motor Corporation zusammen.

Die Ölkrise Anfang der 1970er Jahre, langwierige Streiks, gravierende Qualitätsmängel und Markenverwässerung im Pkw-Bereich setzten dem Konzern jedoch schwer zu. Ende 1974 war British Leyland pleite und musste im Jahr darauf verstaatlicht werden. Da es nun innerhalb des British-Leyland-Konzerns zwei Sportwagenhersteller mit ähnlichen Modellen gab (MG, Triumph), wurde die Produktionspalette beider Firmen ausgedünnt. MG hatte gegenüber Triumph jedoch immer das Nachsehen. Ab 1980, als man das Werk in Abingdon geschlossen hatte, fand das Kürzel MG nur noch als Zusatzbezeichnung für sportliche Varianten der Austin-Modelle Metro (1980), Maestro (1983) und Montego (1984) Verwendung.

1979, als die konservative Thatcher-Regierung an die Macht kam, machte man sich in staatlichen Kreisen zunehmend Gedanken über eine Privatisierung des maroden Konzerns. 1982 wurde British Leyland in drei Bereiche aufgeteilt: Austin-Rover Group (Austin, Land-Rover, MG, Mini, Rover), Jaguar Cars und Leyland Vehicles (Nutzfahrzeuge, Busse). Jaguar Cars schied 1984 aus dem Konzern aus (Platzierung an der Börse). Zu diesem Zeitpunkt waren viele traditionsreiche britische Automarken endgültig vom Markt verschwunden (MG, Morris, Riley, Triumph, Vanden Plas, Wolseley). Mit der Umbenennung in Rover Group endete 1986 die Existenz des British-Leyland-Konzerns. 1988 wurde der Luft- und Raumfahrtkonzern British Aerospace (Airbus, Eurofighter, Harrier, Tornado) neuer Eigentümer von Rover.

Als Mazda mit seinem MX-5 Anfang der 1990er Jahre eine Renaissance der Roadster auslöste, brachte Rover 1993 eine leicht modifizierte Neuauflage des MGB auf den Markt (RV8), von dem bis 1995 jedoch nur 2000 Exemplare gebaut wurden. 1995 folgte der zweisitzige Mittelmotor-Roadster MG F/TF, das sich besonders im Roadster-Land Großbritannien sehr gut verkaufte. Nach dem kurzen BMW-Engagement bei Rover (1994 – 2000) übernahm ein Konsortium (Phoenix Venture Holdings) unter Leitung des ehemaligen Rover-Chefs John Towers die Marken MG und Rover. Das neue Unternehmen hieß nun MG-Rover Group Limited und hatte seinen Sitz im traditionsreichen früheren Austin-Werk in Birmingham-Longbridge. Land-Rover und das Werk in Solihull übernahm Ford. Nur die Marke Mini und das Werk in Oxford blieben bei BMW. In dieser Zeit produzierte MG den MG ZR (2001 – 2005), eine sportliche Variante des Rover 25 und den MG ZS (Rover 45). In der früheren Qvale-Fabrik in Modena (Italien), die MG-Rover 2003 erworben hatte, entstand in Kleinserie der Sportwagen MG XPower SV (2003 – 2008), der auf der Plattform des De Tomaso Bigua/Qvale Mangusta aufgebaut war.

Da MG-Rover jedoch nicht annähernd die Gewinnzone erreichte, musste das Unternehmen im April 2005 schließlich als letzter verbliebener britischer Massenhersteller Insolvenz anmelden. Schon zwei Monate später übernahm die staatliche Nanjing Automobile (Group) Corporation (NAC), Chinas ältester Autohersteller (gegründet 1947), die MG-Rover Group, das Werk in Longbridge sowie die Motoren- und Getriebe-Tochter Powertrain. Bereits 2004 hatte die ebenfalls staatliche Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC) die Design- und Technologie-Rechte an den auslaufenden Rover-Modellen 25 und 75 erworben. Da die Rover-Markenrechte infolge der Insolvenz an BMW zurückgefallen waren, vermarktet der SAIC-Konzern die alten Rover-Modelle nun unter dem ähnlich klingenden Markenbezeichnung Roewe (Roe = chin. Löwe, König; Wei = Energie, Prestige). 2006 verkaufte BMW die Rover-Markenrechte an den Ford-Konzern, der sich beim Kauf von Land-Rover die Vorkaufsrechte gesichert hatte.

2007 übernahm SAIC auf staatlichen Druck hin den Konkurrenten Nanjing Automobile und kam damit auch in den Besitz der Marke MG. Die NAC MG UK Limited wurde daraufhin in MG Motor UK Limited (Longbridge) umbenannt.

Die heutigen Roewe- und MG-Modelle, die in den NAC-Fabriken Pukou/Nanjing und bei MG in Longbridge (bis 2016) produziert werden und größtenteils noch auf den alten MG-Rover-Modellen basieren (MG TF, MG 3, MG 5, MG 7, MG 750), sind optisch und technisch weitesgehend identisch (Roewe 150/MG 3, Roewe 350/MG 3/MG 5, Roewe 550/MG 550, Roewe 750/MG 7/MG 750), wie es schon bei Rover und MG der Fall gewesen war. Für den Export wird hauptsächlich die Marke MG verwendet. Die erste Neuentwicklung seit der Übernahme ist der Mittelklasse-Pkw MG 6 (2010).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:52