Markenlexikon

Maybach

Deutschland

August Wilhelm Maybach (1846 – 1929) hatte schon eine bewegte Karriere hinter sich, als er sich entschloss eine eigene Motorenbaufirma zu gründen. Von 1872 bis 1882 war er bei der Gasmotorenfabrik Deutz in Köln als Chefkonstrukteur an der Weiterentwicklung des von Nikolaus August Otto konstruierten stationären Viertaktmotors beteiligt. 1882 ging er zu Gottlieb Daimler, der bei Deutz technischer Direktor gewesen war, um in dessen neugegründeter Werkstatt in Cannstatt bei Stuttgart einen schnellaufenden Benzinmotor für Kraftfahrzeuge zu entwickeln, was ihm 1883 auch gelang. Eingebaut in eine Pferdekutsche entstand so 1886 der erste Daimler-Motorwagen. Maybach blieb bis 1907 bei der Daimler Motoren-Gesellschaft, erfand 1892 den Spritzdüsenvergaser, 1899 den Bienenwabenkühler und war 1900 an der Konstruktion der Zeppelin-Antriebe und des ersten Mercedes beteiligt.

1909 gründete er schließlich gemeinsam mit seinem Sohn Karl Wilhelm Maybach (1879 – 1960) und Graf Zeppelin in Bissingen, nördlich von Stuttgart, die Luftfahrzeug Motorenbau-Gesellschaft (ab 1918 Maybach Motorenbau GmbH), um Motoren für Luftschiffe zu bauen. Fortan wurden die Zeppeline nicht mehr von Daimler-Motoren angetrieben, sondern von Maybach-Motoren. 1912 verlegten die Maybachs ihre Firma nach Friedrichshafen, wo auch die Zeppelin-Werke ihren Sitz hatten. Als deutsche Unternehmen nach dem 1. Weltkrieg keine Luftfahrzeuge mehr bauen durften ging Wilhelm Maybach in den Ruhestand, während sich sein Sohn der Entwicklung von Autos zuwandte.

Die von Karl Maybach gebauten Automobile waren – wie zuvor auch schon die Motoren – Wunderwerke der Technik und mit allen damals bekannten Raffinessen ausgestattet. Die ebenso eindrucksvollen Karosserien wurden allerdings von firmenfremden Zulieferern hergestellt. Der erste Maybach kam 1921 auf den Markt (Maybach W3); der Schönste war zweifelsohne der majestätische Maybach Zeppelin (1930 – 1937). Da man in der wirtschaftlich schwierigen Zeit der späten 1920er Jahre keineswegs nur mit diesen Luxusautos überleben konnte, produzierte Maybach auch Motoren für Lastwagen und Lokomotiven. 1940 wurde die Autoproduktion zugunsten von Panzer-, Flugzeug-und Schiffsmotoren wieder eingestellt.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs baute Maybach vor allem Dieselmotoren für Schiffe. 1960 erwarb Daimler-Benz das Unternehmen und schloss es 1966 mit der eigenen Motorenbaufirma zusammen. 1969 brachten Daimler-Benz (Maybach-Mercedes-Benz Motorenbau GmbH Friedrichshafen) und MAN (MAN Turbomotoren GmbH München; MAN hatte 1965 die BMW Flugmotorenbau GmbH erworben) ihre Motorenbauaktivitäten in das neugegründete Jointventure Motoren- und Turbinen-Union GmbH (MTU) ein. MTU Friedrichshafen war fortan für die Produktion von Dieselmotoren (für Schiffe, Lokomotiven, Schwerfahrzeuge) sowie stationären Stromversorgungsanlagen und Kraftübertragungssystemen zuständig, MTU München (vormals MAN Turbo) für die Flugzeugtriebwerke. 1985 übernahm Daimler-Benz die MTU vollständig.

1989 entstand aus der Fusion von MTU München, Dornier und Telefunken Systemtechnik die Deutsche Aerospace AG (DASA; ab 2000 EADS). MTU Friedrichshafen blieb weiterhin im direkten Besitz von Daimler-Benz. Im Jahr 2000 übernahm DaimlerChrysler auch MTU München (nun MTU Aero Engines), verkaufte das Unternehmen aber 2004 an die US-Investmentgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts (KKR).

2002 holte DaimlerChrysler den klangvollen Namen Maybach für eine Highend-Luxuslimousine weit oberhalb der Mercedes-S-Klasse wieder aus der Versenkung. Produziert wurden die beiden Varianten Maybach 57 und 67 teilweise in Handarbeit in der Maybach-Manufaktur im Daimler-Werk Sindelfingen. Im Dezember 2012 stellte Daimler die Produktion jedoch wegen zu geringer Verkaufszahlen ein; Daimler setzt nun im Luxussegment wieder ganz auf die Mercedes-Benz S-Klasse. Insgesamt wurden von den bis zu 500.000 Euro teuren Fahrzeugen weltweit lediglich rund 3000 Exemplare verkauft.

Seit 2015 wird der Name Maybach als Zusatz für besonders hochwertig ausgestattete Langversionen der S-Klasse verwendet (Maybach Mercedes S 500, S 600).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 02.06.2018 | 16:00