Markenlexikon

Matchbox

Großbritannien

Eigentlich wollten die einstigen Schulfreunde Leslie Charles Smith (1918 – 2005) und Rodney Smith mit ihrer 1947 in Edmonton bei London gegründeten Firma Lesney Products nur Zinkgussbauteile für die Industrie herstellen (Rodney Smith verließ die Firma 1951). Weil die Aufträge ausblieben, begann Lesney 1948 Zinkguss-Spielwaren herzustellen, u.a. Caterpillar Baumaschinen, Zement-Mischer, Traktoren, Straßenwalzen, Pferdefuhrwerke und ein Modell der Krönungskutsche von Königin Elisabeth II. (Coronation Coach), die 1953 rund eine Million mal verkauft werden konnte. Einige dieser Spielzeuge kamen unter dem Markennamen Moko in den Handel; Moko-Inhaber Richard Kohnstam (die Spielzeugfirma Moko war 1875 von Moses Kohnstram in Fürth gegründet worden) hatte den Vertrieb für Lesney übernommen, während Lesney Spielzeug für Moko produzierte.

Da englische Kinder keine Spielzeuge mit in die Schule nehmen durften, die größer als eine Streichholzschachtel (engl. Matchbox) waren, baute Lesney-Entwickler John (Jack) Odell (1920 – 2007), dessen Tochter gerade eingeschult worden war, die Modelle genau in dieser Größe, zunächst eine Straßenwalze, ein Dumper, ein Zement-Mischer und ein Massey-Harris-Traktor. Den Markennamen Matchbox, der erstmals 1953 verwendet wurde, ließ sich jedoch nicht Lesney einfallen, sondern die Vertriebsfirma J. Kohnstam & Co. (Moko); erst 1959 erwarb Lesney alle Rechte an der Marke Matchbox.

1960 wurde Lesney in eine börsennotierte Aktiengesellschaft umgewandelt. Neben den Standard-Modellen gab es ab 1956 auch eine detailgetreuere Oldtimer-Serie für Sammler im Maßstab von ca. 1:43 (Models of Yeasteryear). 1957 kamen die größeren Major Packs heraus, die 1960 durch die noch größeren King-Size-Modelle abgelöst wurde; ab 1969 hieß diese Serie Super Kings. 1969 brachte Lesney in Anlehnung an die amerikanischen Hot-Wheels-Modellautos von Mattel die SuperFast-Modelle mit reibungsarmen Achsen auf den Markt; bis 1970 wurden alle Matchbox-Modelle auf diese neuen Räder umgestellt. Neben Modellautos gab es von Matchbox auch Flugzeuge (Skybuster; ab 1973), Schiffe (Sea Kings; 1976 – 1978) und Rennbahnen (ab 1971). In den frühen 1970er Jahren erreichte die Marke den Höhepunkt ihres Erfolges. Damals stellte Lesney pro Woche über fünf Millionen Fahrzeuge her, mehr als jede richtige Autofirma, außerdem Plastikmodellbaukästen, Spiele und Puppen.

Mit Beginn der 1980er Jahre, als Home-Computer und Videospiele in Mode kamen, ging es mit Matchbox jedoch schnell bergab. Im Juni 1982 musste Lesney Konkurs anmelden. Der neue Eigentümer, Universal Toys aus Hongkong, verlegte die Produktion nach Macau. Die englische Fabrik in Rochford/Essex wurde 1987 geschlossen. 1992 verkaufte David C.W. Yeh, der Gründer und Besitzer der Universal Group, die Universal Matchbox Group an Tyco Toys (USA). 1997 wurde Tyco von Mattel übernommen. Seit Anfang der 1990er Jahre werden die Matchbox-Modellautos hauptsächlich in China (Shanghai) und Thailand (Bangkok) hergestellt.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:52