Markenlexikon

Lonsdale

Großbritannien

Hugh Cecil Lowther, 5. Earl of Lonsdale (1857 – 1944), und erster Präsident des englischen National Sporting Club, veranstaltete 1909 einen Boxkampf, der erstmals mit Boxhandschuhen ausgetragen wurde. 51 Jahre später eröffnete der Ex-Profiboxer Bernard Hart in Soho/London ein Sportartikelgeschäft, das er nach diesem Herren benannte, nachdem er sich zuvor von dessen Enkel die Genehmigung zur Verwendung des Namens Lonsdale besorgt hatte. Jahrzehntelang stellte die Firma ausschließlich Box-Equipment wie Shirts, Shorts, Schuhe und Boxhandschuhe her. Erst durch einen Zufall wurde der Name Lonsdale auch außerhalb der Box-Szene bekannt. 1979 kaufte Paul Weller, der Sänger der damals sehr erfolgreichen britischen Popband The Jam, mehrere Lonsdale-T-Shirts und trug sie während seiner Tourneen. Das war der Beginn der Modemarke Lonsdale. Die Firma stellt heute neben Box-Sportartikeln und Sportbekleidung vor allem Freizeitbekleidung wie Sweatshirts, T-Shirts, Hosen, Pullover, Jacken und Taschen her. In Deutschland war die Marke lange Zeit vor allem in Neonazi-Kreisen beliebt, da sich innerhalb des Namens Lonsdale die Buchstabenkombination »nsda« findet, eine Anspielung auf die NSDAP. In England wurde die Marke schon früh von den Skinheads getragen, einer anfangs eher unpolitischen Jugendszene, die Ende der 1960er Jahre in East-London, einem Arbeiterviertel, entstanden war. Erst in den 1970er Jahren begann sich die Szene in verschiedene Gruppierungen aufzuspalten (Traditionalisten, Rechtsextreme, Linksextreme, Neonazis). Damit landeten die von den Skinheads bevorzugten Marken (Dr. Marten's Arbeitsschuhe, Alpha-Bomberjacken, Fred-Perry-Polshirts, Lonsdale-Shirts) teilweise bei den Neonazis. In den letzten Jahren finanzierte die Firma verstärkt antirassistische Projekte und setzte dunkelhäutige Modelle für Werbefotos ein (Slogan: Lonsdale loves all colours).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:52