Markenlexikon

Listerine

USA

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts herrschten in Krankenhäusern hygienische Zustände, die eher an eine Schlachterei erinnerten. Fast die Hälfte aller Patienten starben nicht an ihren Verletzungen, sondern an Blutvergiftungen, die darauf zurückzuführen waren, dass nach dem chirurgischen Eingriff krankheitserregene Keime in die Wunden gelangten. 1865 wies der französische Chemiker Louis Pasteur nach, dass Mikroben in der Luft Krankheiten verbreiteten. Im gleichen Jahr setzte der schottische Arzt Dr. Joseph Lister (1827 – 1912), der an einem Glasgower Krankenhaus als Chirug arbeitete, erstmals Karbolsäure zur Abtötung von Keimen ein (Listerscher Verband). Dieses als Antisepsis (griech. »anti« = gegen und »sepsis« = Fäulnis) bezeichnete Verfahren setzte sich bald weltweit durch und rettete Millionen Menschen das Leben.

1879 entwickelte der amerikanische Chemiker Dr. Joseph Lawrence eine antiseptische Lösung, die er Joseph Lister zu Ehren Listerine nannte; »line« oder »ine« war damals eine beliebte Endung für chemische Präparate und Medikamente (Havoline, Valvoline, Vaseline). 1881 gründete Jordan Wheat Lambert (1852 – 1889), der zuvor von Lawrence die Patentrechte erworben hatte, zur Vermarktung von Listerine die Lambert Pharmaceutical Company, aus der 1955 der Pharmakonzern Warner-Lambert (gehört ab 1999 zu Pfizer) hervorging. Zunächst wurde Listerine als keimtötendes Universalmittel verwendet, erst 1895 entwickelte die Firma speziell für Zahnärzte ein antiseptisches Mundwasser. Ab 1914 gab es Listerine dann auch rezeptfrei in Drogerien und Apotheken zu kaufen. 2006 verkaufte Pfizer seine Consumer-Healthcare-Sparte (u.a. Benadryl, Listerine, Lubriderm, Nicorette, Olynth, Zantac) an Johnson & Johnson (Band Aids, Bebe, Fenjal, Johnson's Baby Cream, Neutrogena, o.b., Penaten, Piz Buin).

Neben Mundspülungen in mehreren Geschmacksrichtungen, werden unter der Marke Listerine inzwischen auch verschiedene Zahnpflegeprodukte (u.a. Zahnpasta) vermarktet; in den späten 1920er Jahren verkaufte Lambert eine kurze Zeit sogar Listerine-Zigaretten (die Gesundheitsgefahren des Rauchens waren damals noch weitgehend unbekannt). Die Hauptbestandteile von Listerine sind Wasser, Alkohol, Eucalyptol (Eukalyptusöl), Thymol (ein Bestandteil der ätherischen Öle aus Ajowan, Thymian, Oregano und Bohnenkraut), Menthol, Methylsalicylat (auch als Wintergrün- oder Gaultheriaöl bekannt), Poloxamer 407 (nichtionisches Tensid), Benzoesäure (aromatische Carbonsäure), Natriumbenzoat/Sodium Benzoate (Konservierungsmittel; auch als E 211 bekannt) und Caramel. Die von vielen als extrem scharf empfundene Mundspülung eignet sich sehr gut zur Bekämpfung von Plaque, Zahnfleischentzündungen oder Mundgeruch, das Zähneputzen kann sie jedoch nicht ersetzen.

Text: Toralf Czartowski

Listerine Logo
Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:52