Markenlexikon

Linux

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»Früh übt sich, wer ein Meister werden will« lautet ein altes Sprichwort. Linus Benedict Torvalds (* 1969) kam erstmals im Alter von elf Jahren in Kontakt mit Computern. Sein Großvater schrieb kleine Basic-Programme für mathematische Berechnungen zunächst auf Papier, die sein Enkel dann in einen Commodore VIC 20 eintippen durfte. Zwar verstand er noch nicht, um was es dabei eigentlich ging, aber immerhin war die Begeisterung für Computer geweckt. Als sein Großvater 1983 starb, erhielt Linus den besagten Computer. Fünf Jahre später begann er an der Universität Helsinki ein Informatikstudium. Die Universität beschaffte sich 1990 eine Rechenanlage von Digital Equipment (DEC MicroVAX) mit einem Unix-Betriebssystem (Ultrix). Torvalds beschäftigte sich nun ausgiebig mit diesem Betriebsystem; das Buch »Operating Systems Design and Implementation«, in dem der Autor Andrew Stuart Tannenbaum anhand des von ihm für Lehrzwecke entwickelten Unix-Klons Minix die Prinzipien eines Betriebssystems beschrieb, wurde zu seiner wichtigsten Lektüre. Er entdecke dabei allerdings auch einige Schwachstellen von Minix, vor allem die Terminal-Emuation, die notwendig war, um sich mit seinem IBM-PC auf dem Ultrix-Server der Universität einzuloggen. Da es gerade Winter war, und sich diese Zeit in Finnland am besten in der Wohnung ertragen lässt, beschloss er, eine eigene Terminal-Emuation zu schreiben. Bald konnte er damit zwar online gehen, E-Mails lesen und in Usenet-Newsgroups diskutieren, aber keine Dateien down- oder uploaden. Im Laufe der nächsten Monate erweiterte Torvalds den Emulator immer weiter, bis er schließlich einen Betriebssystemskern (Kernel) fertig hatte, in dem die gesamte Prozess- und Datenorganisation festgelegt ist. Im September 1991 lud er diesen Kernel mit der Versionsnummer 0.01 auf den FTP-Server der damaligen Technische Universität von Helsinki hoch, sodass die Öffentlichkeit Zugriff auf den Quellcode hatte, der aus rund zehntausend Zeichen bestand. Torvalds wollte das System eigentlich Freaks (Freak + Free + Unix) oder Buggix nennen, doch Ari Lemmke, der für die Server verantwortlich war, nannte den FTP-Ordner einfach Linux (Linus + Unix). Diesen Namen hatte Torvalds zwar schon vorher in Erwägung gezogen, er klang ihm dann aber doch zu egozentrisch.

Als in der Folgezeit immer mehr Studenten von Minix zu Linux wechselten, stellte Torvalds die Version 0.99 im Dezember 1992 unter die von der Free Software Foundation (FSF) herausgegebene GNU General Public License (GPL), die es jedem erlaubt, die entsprechende Software frei zu verwenden, zu kopieren und zu verändern (zuvor war die kommerzielle Verwendung verboten gewesen). Dieser Schritt hatte zur Folge, dass sich bald zahlreiche Programmierer, oder auch größere Gruppen und Firmen aus der ganzen Welt an der Weiterentwicklung von Linux beteiligten. Daraus entstanden dann die so genannten Linux-Distributionen (Zusammenstellung des Linux-Kernels mit anderer Software, die zusammen ein vollständiges Betriebssystem bilden), u.a. Debian (1993), Fedora (2002), Mandrakesoft/Mandriva (1998), Mint (2006), S.u.S.E. Linux/openSUSE (1996), Novell SUSE Linux Enterprise, PCLinuxOS/PCLOS (2003), Red Hat Linux/Red Hat Enterprise Linux (1994) oder Ubuntu (2004), die teilweise kostenpflichtig sind. Die Portierung auf andere Plattformen (u.a. DEC Alpha, IBM, PC, Sun Sparc), grafische Benutzeroberflächen wie KDE (1998) oder GNOME (1999) sowie Open-Source-Software (u.a. OpenOffice) machten aus Linux inzwischen eine preiswerte Alternative zu Microsofts MS-DOS/Windows oder den zahlreichen Unix-Varianten; bei kostenpflichtigen Linux-Distributionen fallen zwar einmalige Kosten an, das Betriebsystem kann anschließend aber auf beliebig vielen Rechner installiert werden kann. Neben dem Einsatz auf PCs und Servern kommt Linux auch auf Supercomputern, Mobiltelefonen, PDAs, in Festplattenrekordern, Satelliten-Receivern, DVD-Playern, Steuergeräen und Microcontrollern zum Einsatz, sowie wegen der hohen Sicherheit in Netzwerken als Gateway, Router und Firewall. Bekannte Linux-Nutzer sind u.a. der Deutsche Bundestag, Google und Wikipedia.

Linus Torvalds, der von 1997 bis 2003 bei dem kalifornischen Prozessor-Hersteller Transmeta arbeitete, ging 2003 zu den Open Source Development Labs (OSDL), die sich 2007 mit der Free Standards Group zur Linux Foundation mit Sitz in San Francisco zusammenschloss. Diese gemeinnützige Organisation, die von zahlreichen Unternehmen finanziert wird (u.a. AMD, Cisco, Dell, Fujitsu, Hitachi, HP, IBM, Intel, Motorola, Nokia, Novell, NTT, Oracle, Red Hat, Siemens, Sun, Unisys), verfolgt das Ziel, die Weiterentwicklung von Linux zu fördern und zu unterstützen. Torvalds ist dort angestellt und kümmert sich noch immer um den Linux-Kernel. Durch Aktienoptionen, die er 1997 von Red Hat erhalten hatte, wurde er bei deren Börsengang 1999 zum mehrfachen Millionär. Die Markenrechte an dem Namen Linux liegen bei Linus Torvalds, die Verwaltung nimmt die Non-Profit-Organisation Linux Mark Institute wahr, die von Firmen, die ein Produkt oder eine Dienstleistung mit dem Namen Linux anbieten wollen, eine einmalige Lizenzgebühr in Höhe von fünftausend US-Dollar erhebt (nichtkommerzielle Nutzer sind davon ausgenommen).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:52