Markenlexikon

Lindt

Schweiz

Die Olmeken, im südlichen Mexiko beheimatet, sollen um 1500 v. Chr. die Ersten gewesen sein, die den Kakaobaum als Kulturpflanze entdeckten. Später übernahmen die Mayas und die Azteken die Sitte, Kakaopulver mit heißem Wasser und Chili gewürzt oder Mais vermischt zu trinken. Kakao war damals vor allem ein Luxusgetränk der Reichen. Gelegentlich wurde jedoch auch Soldaten Kakaopulver als Proviant mitgegeben – vor allem weil es leicht zu transportieren und nahrhaft war. In manchen Zeiten waren die Kakaobohnen so wertvoll, dass sie in Mittelamerika als Zahlungsmittel galten – um Kakao wurden sogar Kriege geführt. In Europa fand der Kakao erstmals 1502 in einem Bericht des Columbus-Sohnes Ferdinand Erwähnung. Über Spanien, wo es von dem damaligen König Philip II. als fiebersenkende und magenschonende Arznei, aber auch als Potenzmittel benutzt wurde, breitete sich das neue Getränk bald über ganz Europa aus, obwohl es dem Kaffee niemals ernsthaft Konkurrenz machen konnte.

Die Zubereitung des Kakaos war jedoch eine zeitraubende Arbeit. Denn Rohkakao enthält viel Fett, die Kakaobutter, was eine Vermischung mit Wasser schwer macht. Erst 1828 erfand der Amsterdamer Chemiker Coenraad Johannes van Houten (1801 – 1887), der seit 1815 eine Kakaofabrik in Amsterdam betrieb, eine hydraulische Kakao-Presse, die es ermöglichte, Rohkakaomasse auf industriellem Weg zu entölen. Die Maschine konnte den Fettgehalt von über 50 Prozent auf unter 30 Prozent senken. Um das entstandene Pulver leichter mit Wasser vermischen zu können, gab van Houten noch Alkalisalze (Kalium- oder Natriumkarbonat) dazu, was dem Kakao außerdem eine dunklere Farbe und einen milderen Geschmack verlieh. Durch van Houtens Erfindung eignete sich Kakao zur industriellen Massenproduktion. Zudem ließen sich nun auch andere Zutaten beimischen, was bald darauf die Produktion von fester Schokolade und Pralinen ermöglichte.

Vor allem Schweizer Unternehmer, Chemiker und Erfinder wie François-Louis Cailler (1796 – 1852), Charles-Amédée Kohler (1790 – 1874), Daniel Peter (1836 – 1919), David Sprüngli-Schwarz (1776 – 1862), Rudolf Sprüngli-Ammann (1816 – 1897), Rodolphe Lindt (1855 – 1909), Jean Tobler (1830 – 1905) und Philippe Suchard (1797 – 1884) machten sich um die Weiterentwicklung der Schokolade verdient. Francois-Louis Cailler gründete 1819 in Corsier bei Vevey die erste Schweizer Schokoladenfabrik, Charles-Amédée Kohler erfand 1830 die Haselnussschokolade, Daniel Peter, der Schwiegersohn von François-Louis Cailler, mischte dem Kakao 1875 Kondensmilch bei und schuf so die Milchschokolade, und der Berner Schokoladenfabrikant Rodolphe Lindt entwickelte 1879 ein Verfahren, das ihm die Herstellung einer außergewöhnlich zarten und sahnigen Schokolade ermöglichte, die in Aroma und Schmelz alle anderen übertraf. Der Apothekersohn ließ die flüssige Schokoladenmischung rund 70 Stunden lang in einer von ihm selbst entwickelten Maschine durchwalzen, wodurch sie sich bis auf 80 Grad erwärmte. Dabei verbanden sich die Zutaten besser als zuvor, der bittere Geschmack verschwand und aus der grobkörnigen Substanz wurde eine cremige Masse. Außerdem mischte er Kakaobutter bei, was die Schokolade noch weiter verfeinerte. Dieses Herstellungsverfahren setzte sich später allgemein durch.

Vor allem Touristen machten Schweizer Schokolade nach ihren Ferien in der Alpenrepublik weltweit bekannt und beliebt. Bis zu drei Viertel der Schweizer Schokolade gingen zwischen 1890 und 1920 in den Export. Außerdem war die Schweizer Schokolade gegenüber britischen oder amerikanischen Produkten, die meist weniger Kakao und dafür mehr Zucker enthielten, qualitativ wesentlich besser. Die Marken der Gründer gibt es bis heute, sie sind im oberen Preissegment angesiedelt und gehören mit Ausnahme von Lindt & Sprüngli (1899 schloss sich Lindt mit dem Schokoladenhersteller Chocolat Sprüngli aus Zürich zusammen) zu den Nahrungsmittelkonzernen Nestlé (Cailler, Kohler, Peter) und Kraft Foods (Suchard, Tobler). Die Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli AG sind seit 1986 an der Schweizer Börse notiert.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:52