Markenlexikon

Lenovo

China

Der Radartechniker Liu Chuan-zhi (* 1944) und zehn weitere Mitarbeiter des Computer-Forschungsinstituts der Akademie der Wissenschaften gründeten 1984 in Peking die New Technology Developer Company (NTD). Finanziert wurde das neue Unternehmen von der staatlichen Akademie. 1987 brachte die Firma eine Steckkarte auf den Markt, mit der englische Betriebssysteme in chinesische Schriftzeichen übersetzt werden konnte (Chinese Character Card). 1988 gründeten gründeten NTD, die Hongkonger Computerhandelsfirma DAW und China Technology Trade (Hongkong) das Jointventure Legend Computer mit Sitz in Hongkong. 1989 stieg man in die Entwicklung und Fertigung von Motherboards ein; gleichzeitig benannt sich NTD in Beijing Legend Computer Group Company um.

1990 vermarktete Legend die ersten Personal-Computer unter eigenem Namen (aus eigener Produktion erst ab 1994). Bald folgten Home-Computer (1993), Server (1995), Laptops/Notebooks (1996), Multifunktions-Laserdrucker (1997), Supercomputer (2002) und Mobiltelefone (2002). 1994 wurde Legend Hongkong an der Börse in Hongkong gelistet (27 Prozent); die Mehrheit der Anteile gehörte weiterhin der Muttergesellschaft Beijing Legend. 1999 stieg Legend zum größten chinesischen Elektronikunternehmen auf und wurde gleichzeitig der führende PC-Hersteller im asiatisch-pazifischen Raum (außer Japan). 1997 schlossen sich Beijing Legend und Legend Hongkong zur Legend Group zusammen.

Für die geplante internationale Expansion kreierte man 2003 den neuen Firmen- und Markennamen Lenovo, der sich aus »Legend« und »novo« (lat. neu) zusammensetzt. Hintergrund für den neuen Namen war die Tatsache, dass das Wort »Legend« in vielen Ländern außerhalb Chinas bereits geschützt war. Gleichzeitig wurde Legend Computer in Lenovo Group umbenannt. Die Lenovo Group mit Hauptsitz in Raleigh/North Carolina befindet sich mehrheitlich im Besitz der Legend Holdings (Peking), die der staatlichen Chinese Academy of Sciences (65 Prozent) und Liu Chuan-zhi sowie seinen Angestellten (35 Prozent) gehört. Anfang 2005 erwarb Lenovo die PC-Sparte von IBM (Desktop-PCs, Notebooks, Monitore, Projektoren), wodurch das Unternehmen zum drittgrößten PC-Hersteller der Welt aufstieg (nach Dell und HP); IBM behielt lediglich einen Minderheitsanteil von 18,9 Prozent, der inzwischen veräußert wurde.

Da die Lenovo-Computer eher im höherpreisigen Business-Segment angesiedelt sind, wie zuvor schon die IBM-Computer, erwarb Lenovo 2011 die deutsche Großhandelsgesellschaft Medion AG aus Essen, die mehrere Handelsketten in Deutschland, Österreich und der Schweiz (Aldi/Hofer, Interdiscount, Karstadt, Landi, Marktkauf, Media Markt, Plus, Real, Tchibo) mit preiswerten Elektronikprodukten (Personal-Computer, Notebooks, Monitore, Scanner, Drucker, Fernsehgeräte, SAT-Systeme, Decoder, Telefone, Faxgeräte, DVD-Player) beliefert. Hergestellt werden die Geräte meist in China, teilweise stammen sie von namhaften Herstellern wie Acer oder HP. Medion war 1983 von dem Fernsehmechaniker und Außenhandelskaufmann Gerd Brachmann und Helmut Linnemann als Im- und Export-Unternehmen für Nonfood-Artikel gegründet worden.

Anfang 2014 erwarb Lenovo zuerst von IBM deren Geschäft mit den kleineren x86-Servern, die auf der Intel-Mikroprozessor-Architektur IA-32 (Intel Architecture with 32-Bit – auch x86-Architektur genannt) beruhen, und kurz darauf von Google den Smartphone-Hersteller Motorola Mobility.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:52