Markenlexikon

Land Rover / Range Rover

Großbritannien

Um in den ersten Nachkriegsjahren freie Kapazitäten in den Werken Coventry und Solihull/Birmingham auszulasten, brachte der britische Fahrzeughersteller Rover 1948 in Anlehnung an den amerikanischen Jeep den Land-Rover heraus, der mit seinen Verkaufszahlen sämtliche Erwartungen übertraf. Dieser robuste Minimalgeländewagen, der nahezu in die ganze Welt verkauft wurde, sicherte der Firma auch in mageren Zeiten das Überleben. Der Landy, wie ihn seine Besitzer liebevoll nennen, wurde jahrzehntelang fast unverändert produziert, mit verschiedenen Radständen und Aufbauvarianten zwar, aber in einer derart massiven und unverwüstlichen Pferdekutschen-Bauweise, dass die meisten aller Land-Rover noch heute brav ihren Dienst tun, egal wie unwegsam ihr Einsatzgebiet auch sein mag. Entwickelt wurde der Land-Rover von dem damaligen Rover-Designer Maurice Wilks, dessen Bruder Spencer Wilks zu dieser Zeit Chef von Rover war. Beide verwendeten auf ihrer privaten Farm einen ausgemusterten Army-Jeep. Als bevorzugtes Einsatzgebiet hatte man die Landwirtschaft im Visier. Auch in diesem Punkt war der Jeep, der nach dem Ende des 2. Weltkrieges vor allem von Farmern genutzt wurde, Vorbild.

1970 brachte Land-Rover den komfortableren Range Rover auf den Markt, der vor allem die Vertreter des britischen Landadels ansprach, denen man für ihre gelegentlichen Jagdausflüge unmöglich einen Land-Rover anbieten konnte. Der Range Rover wurde ebenso wie der Land-Rover zu einem zeitlosen Klassiker und letztlich auch Vorbild für viele Geländewagen anderer Hersteller.

1990 kam der Land-Rover Discovery auf den Markt, ein Midsize Offroader, der zwischen erdigem Land-Rover und gediegenem Range Rover angesiedelt ist. Gleichzeitig wurde die klassischen Land-Rover-Modelle, die zumindest äußerlich noch sehr an das Urmodell erinnerten, in Land-Rover Defender umbenannt. Die jüngsten Modelle sind der Land-Rover Freelander (ab 2015 Discovery Sport) von 1998, ein Fahrzeug für die lifestyleorientierte Kundschaft, sowie die Range-Rover-Varianten Range Rover Sport (2005) und Range Rover Evoque (2011). Die Produktion des Ur-Modells (seit 1990 Land-Rover Defender) wurde Anfang 2016 eingestellt.

Land-Rover
Land-Rover

Die Besitzverhältnisse des Unternehmens Rover/Land-Rover haben sich seit Mitte der 1960er Jahre mehrfach geändert: ab 1967 gehörte Rover zum Nutzfahrzeug-Hersteller Leyland Motors, der sich 1968 mit der British Motor Holdings (Austin, Jaguar, Mini, MG, Morris, Riley, Vanden Plas, Wolseley) zur British Leyland Motor Corporation zusammenschloss. Die Ölkrise Anfang der 1970er Jahre, langwierige Streiks, gravierende Qualitätsmängel und Markenverwässerung im Pkw-Bereich setzten dem Konzern jedoch schwer zu. Ende 1974 war British Leyland pleite und musste im Jahr darauf verstaatlicht werden. 1979, als die konservative Thatcher-Regierung an die Macht kam, machte man sich in staatlichen Kreisen zunehmend Gedanken über eine Privatisierung des maroden Konzerns. Ab Mitte der 1980er Jahre wurden die einzelnen BL-Sparten nach und nach verkauft, u.a. an Ford (Jaguar), DAF (Leyland Lkw), Volvo (Leyland Busse) sowie British Aerospace (Austin, Land-Rover, Mini, MG, Rover). 1994 gab British Aerospace die Rover-Anteile an BMW weiter. Die Entwicklung einer fast komplett neuen Modellpalette überstieg jedoch auch die finanziellen Möglichkeiten von BMW, sodass die Bayern die Marken Rover und MG sowie das frühere Austin-Werk in Longbridge/Birmingham im Jahr 2000 an ein Konsortium verkauften. Land-Rover und das Werk in Solihull übernahm Ford. Seit 2008 ist Tata Motors, eine Tochtergesellschaft des indischen Tata-Konzerns, Besitzer von Jaguar und Land Rover. Das Unternehmen firmiert nun als Jaguar Land Rover Limited (Whitley/Coventry). Produziert werden die Fahrzeuge in den drei Werken Solihull (Land-Rover, Range Rover), Halewood (Land-Rover, Range Rover) und Castle Bromwich (Jaguar).

Text: Toralf Czartowski | Foto(s): Pixabay

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:52