Markenlexikon

Kyocera

Japan

Der damals 27-jährige Chemie-Ingenieur Dr. Kazuo Inamori (* 1932) gründete 1959 gemeinsam mit sieben Kollegen in Kyoto die Firma Kyoto Ceramic Kabushiki Kaisha (Kyoto Ceramic Company Limited). Zunächst produzierte das Unternehmen keramische Bauteile für die Elektronikindustrie und ab 1981 auch Bürogeräte. Ein Jahr später wurde der neue Firmen- und Markennamen Kyocera Corporation (Kyoto + Ceramic) eingeführt. 1983 übernahm Kyocera den Kamerahersteller Yashica (Yashica, Contax).

Die Ursprünge von Yashica (Yashima + Camera) gehen auf die 1949 in Nagano gegründete Firma Yashima Kogaku Seiki (ab 1957 Yashica Co. Ltd.) zurück, einen Hersteller optischer Bauteile. Yashima war eine Kurzform von Yoshihama, des japanischen Wortes für die acht Inseln, aus denen Japan besteht. 1953 brachte Yashima erstmals eine zweiäugige Spiegelreflexkamera auf den Markt (Yashimaflex). 1958 übernahm Yashica die Nicca Camera Company, einen Hersteller von Mess-Sucherkameras. 1959 kam die Kleinbild-Spiegelreflexkamera Yashica Pentamatic auf den Markt, 1965 folgte die Sucherkamera Yashica Electro-35. 1968 kaufte Yashica den Objektivhersteller Tomioka, der seit 1953 die Objektive für die Yashica-Kameras hergestellt hatte. 1975 erwarb Yashica von Zeiss die Herstellungsrechte der deutschen Contax-Kameras. Unter beiden Markennamen wurden Spiegelreflex-, Sucher- und Kompaktkameras vermarktet, wobei Contax den höherwertigen Modellen vorbehalten war. Ab 1998 gab es von Contax auch eine professionelle Mittelformat-Spiegelreflexkamera (Contax 645). Die Digitalkameras wurden in den späten 1990er Jahren als Yashica-Kyocera vermarktet. 2005 beendete Kyocera die Produktion von Kameras, Objektiven und Digitalkameras. Der Markenname Yashica wurde an die JNC Datum Tech International Limited, eine Tochtergesellschaft der MF Jebsen Group aus Hongkong, verkauft. Der Markenname Contax gehört weiterhin der Carl Zeiss AG.

In den 1980er Jahren produzierte das Unternehmen eine Zeitlang auch Laptops (Kyotronic 85) und HiFi-Komponenten, nachdem man zuvor den renommierten US-Hersteller KLH (Henry Kloss + Malcolm S. Low + J. Anton Hoffman) übernommen hatte. Die Produktion von Audiogeräten wurde 1989 wieder eingestellt. 1999 erwarb Kyocera den Bürogerätehersteller Mita Industrial Co. Ltd. aus Osaka, der im August 1998 Insolvenz angemeldet hatte, und kurz darauf das Mobiltelefon-Geschäft von Qualcomm (nun Kyocera Wireless). Eine weitere bedeutende Akquisition war 2002 die Toshiba Chemical Corporation, die nun als Kyocera Chemical Corporation firmiert.

2005 beendete Kyocera die Produktion von Kameras, Objektiven und Digitalkameras; der Markenname Yashica wurde an die JNC Datum Tech International Limited, eine Tochtergesellschaft der MF Jebsen Group aus Hongkong, verkauft. Der Markenname Contax gehört der Carl Zeiss AG, die unter dem traditionellen Markennamen Zeiss-Ikon wieder klassische Messsucherkameras mit hochwertigen Wechselobjektiven produziert.

Anfang 2010 übernahm Kazuo Inamori auf Wunsch der japanischen Regierung die Leitung der wirtschaftlich angeschlagenen Fluggesellschaft Japan Airlines (JAL).

Kyocera produziert u.a. Feinkeramik-Bauteile, mikroelektronische Bauteile, Glasfaseroptik, Ultrahochvakuum-Bauteile, Thermodruckköpfe, Farb-LCDs, Komponenten für die Fahrzeugindustrie, Linsen für die Industrie, Komponenten für die Uhren- und Schmuckindustrie (Armbänder, Kronen, Uhrengehäuse und Zifferblätter aus Keramik), keramische Materialen für die Medizin- und Dentaltechnik, Büroprodukte (Keramikscheren, Stifte mit Keramikkugel), Bürogeräte (Mobilfunktelefone, Drucker, Kopierer, Faxgeräte, Scanner), Küchenprodukte (Hobel, Keramikmesser, Reiben, Schäler), Solartechnik (Komponenten für elektrische Solarsysteme, Komplettsysteme), Mobiltelefone und Zerspanungswerkzeuge.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:52