Markenlexikon

Komatsu

Japan

Die 1917 in der japanischen Stadt Komatsu gegründete Firma Komatsu Iron Works war zunächst eine Tochtergesellschaft der Takeuchi Mining Company, für die sie Werkzeuge und Bergbauausrüstungen herstellte. 1921 wurden beide Unternehmen getrennt und zehn Jahre später begann Komatsu mit der Produktion von Raupenschleppern, die zunächst in der Landwirtschaft zum Einsatz kamen. Auf der Basis der Schlepper entstanden ab 1943 Planierraupen. In den 1950er und 1960er Jahren wurde das Programm um Motorgrader (1952), Muldenkipper (1953), Laderaupen und Überkopflader (1956), Seilbagger (1964), Radlader (1965) und Hydraulikbagger (1968) erweitert. 1988 entstand in den USA das Jointventure Komatsu-Dresser (mit Dresser Industries), zu dem auch die ehemaligen Wabco- und Haulpak-Muldenkipper gehörten. Die Westinghouse Air Brake Company (Wabco) hatte 1953 einen Kipper entwickelt, der erstmals von der damals üblichen Lkw-Bauweise abwichen. Der Haulpak besaß ein seitlich versetztes Fahrerhaus sowie einen nach vorn abfallenden Muldenboden, wodurch die Ladung an Steigungen besser gehalten wurde. Seit 1993 befindet sich Komatsu-Dresser vollständig im Besitz von Komatsu.

1989 erwarb Komatsu den traditionsreichen deutschen Baumaschinenhersteller Hanomag (Hannoversche Maschinenbau AG). Das 1835 von Georg Egestorff (1802 – 1868) in Linden bei Hannover gegründete Unternehmen hatte in seiner langen Geschichte u.a. Kesselanlagen, Dampfmaschinen, Dampflokomotiven (1846 – 1931), Tragpflüge (1912), Ackerschlepper/Traktoren (1924 – 1971), Pkw (1924 – 1941), Lastwagen (1905 – 1973), Halbkettenfahrzeuge, Schützenpanzerwagen, Feldhaubitzen, Flak-Geschütze und Planierraupen (ab 1933) produziert. 1952 wurde Hanomag vom Düsseldorfer Rheinstahl-Konzern übernommen, der 1964/1965 auch Henschel aus Kassel, einen Hersteller von Lokomotiven, Nutzfahrzeugen und Wehrtechnik, erwarb. Unter Beteiligung von Daimler-Benz schloss Rheinstahl 1969 seine beiden Nutzfahrzeugtöchter Rheinstahl-Hanomag AG und Rheinstahl-Henschel AG zur Hanomag-Henschel Fahrzeugwerke GmbH zusammen. 1971 übernahm Daimler-Benz das Nutzfahrzeuggeschäft von Hanomag-Henschel vollständig. Im gleichen Jahr stellte Rheinstahl die Hanomag-Traktoren- und Landmaschinenproduktion ein. Übrig blieb nur das Baumaschinenprogramm. 1973 kam auch das Aus für die Hanomag-Henschel-Laster; Daimler-Benz beschränkte sich fortan auf die eigene Marke Mercedes-Benz. Nachdem Thyssen 1973 eine Mehrheitsbeteiligung an Rheinstahl erworben hatte, wurde das Hanomag-Baumaschinenprogramm 1974 an den kanadischen Traktorenhersteller Massey-Ferguson veräußert, der es jedoch 1980 an die neugegründete IBH Baumaschinen Holding AG aus Mainz, zu der auch Zettelmeyer und Terex gehörten, weiterreichte (die IBH war damals der drittgrößte Baumaschinenkonzern der Welt). Als IBH 1983 Pleite machte, übernahm eine Gruppe niedersächsischer Geschäftsleute die Reste von Hanomag (Alfred Gassmann, Helmut Gassmann, Günter Papenburg) und gründete eine neue Hanomag GmbH (ab 1988 Hanomag AG). IBH-Gründer Horst-Dieter Esch wurde 1984 wegen Betrugs und Konkursverschleppung zu sechseinhalb Jahren Haft und 90.000 DM Geldstrafe verurteilt. 1995 erfolgte die Umbenennung in Komatsu-Hanomag AG (ab 2002 Komatsu-Hanomag GmbH, seit 2003 Komatsu Deutschland GmbH). In Hannover werden heute mittelschwere Komatsu-Radlader und -Mobilbagger für den europäischen Markt produziert. Der Markenname Hanomag wird nicht mehr verwendet.

Komatsu gehört neben Caterpillar (USA) und Volvo (Schweden) zu den drei größten Baumaschinenherstellern der Welt.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:52