Markenlexikon

Karl Lagerfeld

Frankreich

Der 1933 in Hamburg geborene Mode-Designer Karl Otto Lagerfeld (* 1933), dessen Vater 1926 die Glücksklee Milchwerke gegründet hatte, ging 1952 mit seiner Mutter nach Paris, wo er drei Jahre später einen Wettbewerb des International Wool Secretariat gewann. Daraufhin bekam er eine Stelle beim Mode-Designer Pierre Balmain, der neben Jacques Fath und Hubert Givenchy in der Jury gesessen hatte. Sein preisgekrönter Wollmantel ging später bei Balmain in die Produktion. 1958 wechselte er als Chef-Designer zu Jean Patou. 1964 wurde er künstlerischer Direktor bei Chloé; seit dieser Zeit arbeitete er auch regelmäßig als freiberuflicher Designer u.a. für Ballantyne, Charles Jourdan, Fendi, H&M, Krizia, Steilmann, Tiziani, Trivera, Valentino und Swarowski. Für Chloé entwickelte er 1975 auch sein erstes Parfum.

1983 stellte Lagerfeld seine erste eigene Kollektion vor, gleichzeitig übernahm er die künstlerische Leitung bei Chanel. 1984 eröffnete »Karl der Große«, wie er gelegentlich genannt wird, zusammen mit der französischen Textilfirma Bidermann sein eigenes Modehaus am Champs-Elysées in Paris. Von 1988 bis 1995 gab es die Zweitlinie KL by Karl Lagerfeld, die von der Steilmann-Gruppe gefertigt wurde. Nebenher entwarf er Kostüme für Filme, Theater und Unterhaltungsstars (Madonna, Kylie Minogue), entdeckte das deutsche Model Claudia Schiffer und betätigte sich als Mode- und Werbefotograf. Da sein eigenes Label nicht sonderlich erfolgreich war, verkaufte er die Karl Lagerfeld S.A. 1987 an die französische Firma Cora-Revillon, die sie 1992 an den britischen Luxusgüterkonzern Dunhill weiterreichte, dem seit 1985 auch die Marke Chloé gehörte. Dunhill wurde 1988 in die Schweizer Finanzholding Richemont eingegliedert, in der die südafrikanische Rupert-Familie ihre internationalen Beteiligungen im Luxusgüterbereich zusammengefasst hatte (u.a. Cartier, Chloé, Montblanc, Van Cleef & Arpels).

1992 wurde Lagerfeld noch einmal kreativer Kopf von Chloé, wo er bis 1997 blieb. Anschließend erwarb er seine Firma von Richemont zurück. Von 1996 bis 1999 vertrieb das Versandhaus Quelle die Damen-Kollektion KL by Karl Lagerfeld über seinen Katalog. 1999 lancierte Lagerfeld die Damen-Kollektion Lagerfeld Gallery, die in zwei neuen Boutiquen in Paris und Monaco verkauft wurde. Zur gleichen Zeit erwarb die deutsche Firma FD Fashion Design die Herstellungslizenzen für die Damenmode von Lagerfeld (die weltweiten Herstellungsrechte für die Herrenkollektion besaß FD bereits seit 1989).

2005 verkaufte Lagerfeld die Markenrechte an seinen Kollektionen an den US-Modekonzern Tommy Hilfiger, blieb jedoch weiterhin für das Design der hochpreisigen Pariser Lagerfeld Collection (vormals Lagerfeld Gallery) zuständig. Die preiswerteren Kollektionen wurden von Tommy-Hilfiger-Designern in New York entworfen. Bereits 2006 – gerade als die Tommy Hilfiger Corporation vom britischen Finanzdienstleister Apax Partners übernommen worden war – wurde der Vertrieb der Lagerfeld-Kollektionen in den USA beendet, die preiswerteren Kollektionen ganz eingestellt und die Boutiquen in Paris und Monaco geschlossen. Die Lagerfeld Collection hieß nun wieder schlicht Karl Lagerfeld, die Herstellung übernahm 2007 das italienische Unternehmen Vaprio Stile. 2009 wurde Tommy Hilfiger an Phillips-Van Heusen/Calvin Klein verkauft, die Marke Karl Lagerfeld blieb jedoch bei Apax. 2012 lancierten Apax und Karl Lagerfeld das Label Karl. An der 2012 gegründeten Karl Lagerfeld Group B.V. Amsterdam sind inzwischen über die Kindom Holding 1 B.V. (Amsterdam) u.a. Fred Gehring (Ex-CEO von Tommy Hilfiger), die G-III Apparel Group (Lizenznehmer von Tommy Hilfiger und Karl Lagerfeld), die chinesische Chou-Familie (früher an Tommy Hilfiger beteiligt), Apax Partners und Phillips-Van Heusen beteiligt. Ab 2013 wurden in zahlreichen Ländern Boutiquen unter dem Namen Karl Lagerfeld eröffnet (u.a. in Paris am Boulevard Saint-Germain 194). Karl Lagerfeld, der mit seinem Büro und Showroom ebenfalls in einer Seitenstraße des Boulevards Saint-Germain residiert, ist Kreativdirektor der Karl Lagerfeld Group. Unter dem Label Karl Lagerfeld werden Bekleidungskollektionen und Accessoires (u.a. Brillen, Parfums, Taschen) vermarktet, die ein breiteres Publikum ansprechen als die Haute-Couture, für die der Name Lagerfeld ansonsten steht.

Lizenznehmer/Hersteller der Karl-Lagerfeld-Produkte sind u.a. FD Fashion Design (Herrenmode), G-III Apparel (Damenmode, Accessoires), CWF (Kindermode), Interparfums (Parfums), Marchon (Brillen) und Fossil (Uhren).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:52