Markenlexikon

Johnnie Walker

Großbritannien

Er ist beileibe nicht der Beste und Edelste, dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – gilt Johnnie Walker seit Jahrzehnten als Inbegriff des Scotch-Whisky. Die Firma mit dem rotbefrackten Dandy als Markenzeichen wurde 1820 von John Walker (1805 – 1857) im schottischen Kilmarnock als Spezialitätengeschäft für Tee, Tabak, Wein und Whisky gegründet, wobei der Whisky für den kleinsten Teil des Umsatzes sorgte. Erst Alexander Walker (1837 – 1889), der Sohn des Gründers, begann 1858 auch selbst Whisky zu brennen. Verkauft wurde er zunächst als Walker's Kilmarnock Whisky; unter dieser Marke hatte bereits sein Vater angekauften Whisky vermarktet. 1865 brachte Alexander Walker den ersten Blended Scotch Whisky in den Handel (Walker’s Old Highland); noch wenige Jahre zuvor war es verboten gewesen Whisky zu mischen. Um den Transport zu erleichtern, füllte das Unternehmen den Whisky ab 1870 in rechteckigen Flaschen ab, was sich außerdem als sehr verkaufsfördernd erwies, denn die damals einzigartige Flaschform hatte einen hohen Wiedererkennungswert. 1894 erwarb John Walker & Sons die Speyside-Destillerie Cardhu bei Archiestown, deren Whiskies noch heute ein wichtiger Bestandteil der Blends von Johnnie Walker sind.

1909 kamen die beiden Marken Johnnie Walker Red Label, ein Blend aus 35 verschiedenen Highland-Grain- und Malt-Whiskies, und der 12-jährige Johnnie Walker Black Label, der aus über 40 Whiskies besteht, auf den Markt. Beide Sorten hat es unter den Namen Special Old Highland und Extra Special Old Highland auch schon vorher gegeben. Gleichzeitig erschien erstmals das berühmte Markenzeichen »The Striding Man« auf den Flaschen, ein Mann mit Frack, Spazierstock, Zylinder und Monokel, den der Künstler Tom Browne entworfen hatte. 1916 gehörte John Walker & Sons zu einem Konsortium, das die Talisker Distillery auf der schottischen Insel Skye erwarb.

1925 schloss sich John Walker & Sons mit dem Whiskykonzern Distillers Company Limited, dem u.a. die Brennereien James Buchanan (Black & White), John Dewar (Dewar's) und John Haig (Dimple) gehörten, zusammen. 1934 ernannte König George V. John Walker & Sons zum königlichen Hoflieferanten. Einer der frühen Fans von Johnnie-Walker-Whisky war der frühere britische Premierminister Winston Churchill, wie der Historiker und Churchill-Biograph William Manchester herausgefunden hat; er trank ihn stets mit Soda.

1986 wurde die Distillers Company von der Guinness-Brauerei übernommen, die sich 1997 mit dem britischen Mischkonzern Grand Metropolitan (Baileys, Bombay Gin, Burger King, Cinzano, Green Giant, Häagen Daz, J&B, José Cuervo, Gilbey's, Metaxa, Pillsbury, Smirnoff) zum Spirituosenkonzern Diageo zusammenschloss. Die Brennerei in Kilmarnock soll Ende 2011 geschlossen und die Produktion der Johnnie-Walker-Whiskies in die Diageo-Destillerie Cameron Bridge verlagert werden.

Johnnie Walker Red Label ist heute der meistverkaufte Blended Scotch der Welt. Neben den bereits genannten gibt es noch die Sorten Blue Label (seit 1992; ohne Altersangabe, mindestens jedoch zwanzig Jahre), Green Label (seit 2004; fünfzehn Jahre; von 1996 bis 2004 Johnnie Walker Pure Malt), Gold Label (seit 1992; 15 und 18 Jahre) und Swing (seit 1932), die letzte Kreation von Sir Alexander Walker II (1869 – 1950). Die Whiskies, aus denen die Blendmaster von Johnnie Walker ihre Blends mischen, stammen u.a. aus den Brennereien Cameron Bridge (die frühere Haig-Destillerie in Cameron Bridge), Caol Ila (Port Askaig/Isle of Islay), Cardhu (Archiestown), Clynelish (Brora), Cragganmore (Ballindalloch), Talisker (Carbost/Isle of Skye), Glendullan (Dufftown), Linkwood (Elgin), Mortlach (Dufftown) und Royal Lochnagar (Ballater).

Für Furore sorgte 1999 das kostenlose Computerspiel »Moorhuhn«, das im Auftrag von Johnnie Walker zu Promotionzwecken entwickelt worden war. Inzwischen gibt es über 30 verschiedene Moorhuhn-Spiele, außerdem eine Zeichentrickfilmserie, ein Comic und zahlreiche Merchandise-Artikel. Seit 1999 geht der »Striding Man« auf den Flaschen nicht mehr von rechts nach links, sondern in Leserichtung.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:51