Markenlexikon

John Player Special (JPS)

Großbritannien

John Player (1839 – 1884) kaufte 1877 eine kleine Tabakfabrik in Nottingham, die 1823 von William Wright gegründet worden war. Die Firma stellte Pfeifen- und Kautabak sowie handgedrehte Zigaretten her. Schon damals entwickelte John Player eine glückliche Hand für erfolgreiche Werbekampagnen, sodass sein Unternehmen schnell expandierte. Er war auch der Erste, der in Großbritannien abgepackte Markenzigaretten verkaufte. Allerdings starb John Player bereits 1884 im Alter von nur 45 Jahren. 1893 übernahmen seine Söhne John und William – die Sons im Firmennamen – die Leitung der Fabrik.

1901 schloss sich John Player & Sons mit zwölf weiteren britischen Tabakherstellern (W.D. & H.O. Wills, Lambert & Butler, John Player & Sons, Edwards, Ringer & Bigg, Hignett Bros & Co., Hignett's Tobacco Co., William Clarke & Son, Richmond Cavendish Co., Stephen Mitchell & Son, D. & J Macdonald, F. &J. Smith, Adkin & Sons und Franklyn Davey of Bristol) zur Imperial Tobacco Company zusammen. Hintergrund der Gründung war der Versuch der American Tobacco Company auf den britischen Markt vorzudringen. Schließlich einigten sich beide Unternehmen darauf, dass sie in ihrer jeweiligen Einfluss-Sphäre die Oberhoheit behielten, während sie gemeinsam für den Export ihrer Tabakprodukte auf die internationalen Märkte 1902 die British American Tobacco Company (BAT) gründeten, wobei die Besitzverhältnise klar machten, wer das Sagen hatte: American Tobacco besaß 70 Prozent der BAT-Anteile und Imperial Tobacco 30 Prozent.

1911 stutzte die US-Kartellbehörde den maßlosen Konzern jedoch auf eine erträgliche Größe zurecht. Übrig blieben eine verkleinerte American Tobacco Company (Pall Mall, Lucky Strike) sowie R.J. Reynolds (Camel, Winston, Salem), P. Lorillard (Kent, Newport) und Liggett & Myers (Chesterfield, L&M, Lark). Von seiner Beteiligung an BAT musste sich American Tobacco ebenfalls trennen. BAT ging nun vollständig in britischen Besitz über.

In den 1960er und 1970er Jahren erwarb Imperial mehrere Unternehmen außerhalb der Tabakbranche (1961 Golden Wonder Crisp Company, 1972 Courage Barclay Brewery, 1980 Howard Johnson Hotels/Restaurants, 1985 Peoples Drugstore), was 1972 zur Gündung der Imperial Group führte. Im gleichen Jahr wurde die Aufteilung der Märkte zwischen Imperial Tobacco (Großbritannien, Irland) und BAT (weltweit) durch neue Handelsrichtlinien der Europäischen Gemeinschaft beendet, was dazu führte, dass Imperial Tobacco seine BAT-Anteile bis 1980 verkaufte.

Internationale Bekanntheit erlangte der Name John Player durch das Engagement in der Formel-1-WM. 1968 war John Player die erste Firma, die Werbeaufkleber (Gold Leaf) auf Formel-1-Fahrzeugen (Lotus-Ford) anbrachte. 1972 verschwand der Name Lotus ganz und die Fahrzeuge hießen nach einer 1970 in Großbritannien neu eingeführten Zigarettenmarke des Unternehmens nur noch JPS (John Player Special). Die vollkommen schwarz lackierten »fahrenden Zigarettenschachteln« mit dem goldenen JPS-Logo gehörten nicht nur zu den schönsten Rennwagen der Formel-1-Geschichte, sondern auch zu den erfolgreichsten. Viermal konnten sich die JPS-Lotus den Weltmeister-Titel sichern (1968, 1970, 1972, 1978). Zu den herausragenden F1-Stars der JPS-Ära zählten Emerson Fittipaldi, Mario Andretti, Jochen Rindt und Ronnie Peterson. 1986 beendete John Player das Engagement in der Formel-1.

1982 brachte Imperial Tobacco die Marke JPS auch in Frankreich, Spanien, Portugal, Italien und Deutschland auf den Markt. 1989 folgte die American-Blend-Variante JPS Red, Silver und White. War die Marke JPS anfangs eher im Premium-Segment vertreten, verpasste man ihr aufgrund des Trends zu billigeren Discount-Marken in den letzten Jahren ein neues Image als preisgünstige Zigarette. Unter dem Label JPS werden inzwischen auch Lizenzprodukte vermarktet (Kosmetik- und Körperpflegeartikel von Straub Cosmetics, Scotch Whisky von Douglas Laing & Co.).

1986 wurde Imperial durch den britischen Mischkonzern Hanson Trust übernommen, der sich 1996 in vier Unternehmen aufteilte: Hanson, Imperial Tobacco, The Energy Group und Millennium Chemicals. Kurz darauf ging die Imperial Tobacco Group an die Londoner Börse. Bis dahin hatte das Unternehmen seine Zigarettenmarken (u.a. John Player, John Player Special, Lambert & Butler, Embassy, Regal, Richmond, Superkings) hauptsächlich in Großbritannien und Irland verkauft, bald kamen jedoch neue Märkte in Kontinentaleuropa und in der Asien-Pazifik-Region hinzu, u.a. auch durch die Übernahme anderer Tabakhersteller wie 1997 die niederländische Firma Rizla, der weltweit führende Zigarettenpapierhersteller, 1998 die Tabaksparte von Sara Lee/Douwe Egberts (Drum, Van Nelle), 2002/2004 die deutsche Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH (Astor, Ernte 23, Davidoff, Peter Stuyvesant, R1, Reval, Roth-Händle, West und 2008 der spanisch-französische Tabakkonzern Altadis (Ducados, Fortuna, Gauloises, Gitanes, Nobel). 2014 erwarb Imperial Tobacco die Marken Winston, Kool und Salem, die Reynolds American (Camel, Pall Mall, Lucky Strike) aufgrund der Übernahme von Lorillard Tobacco (Kent, Newport) aus wettbewerbsrechtlichen Gründen verkaufen musste.

Die Marke JPS gehört bis heute zur Imperial Tobacco Group (Davidoff, Drum, Ernte 23, Gauloises, Gitanes, John Player Special, Lambert & Butler, Embassy, R1, Regal, Reval, Richmond, Rizla, Roth-Händle, Superkings, Van Nelle, West).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:51