Markenlexikon

Jeep

USA

Die Ursprünge des Jeep gehen in eine Zeit zurück als sich bereits abzeichnete, dass die USA um einen Eintritt in den 2. Weltkrieg nicht mehr herumkommen würde und die nationale Industrie damit begann, sich verstärkt im militärischen Bereich zu engagieren. Das betraf vor allem Unternehmen, deren zivile Produkte nicht allzuweit von militärischen entfernt waren, z.B. Flugzeug-, Maschinen- oder Automobilhersteller. Im Juni 1940 veranstaltete die U.S. Army eine Ausschreibung für ein allradgetriebenes Geländefahrzeug, offiziell »1/4 ton command reconnaissance truck« genannt. 135 Firmen waren zu diesem Wettbewerb geladen, konkrete Angebote gaben jedoch nur American Bantam und Willys-Overland ab, zwei kleine Autofirmen, die seit langem ums Überleben kämpften und im Angesicht eines lukrativen Staatsauftrages sofort an die Arbeit gingen. Die geringe Beteiligung lag in erster Linie an den unrealistischen Forderungen der Armee. Das erste Testfahrzeug sollte schon wenige Wochen später zur Verfügung stehen.

American Bantam war die einzige Firma, die sich wenigstens halbwegs an die strengen Vorgaben hielt und deswegen den Auftrag für den Bau der ersten 70 Fahrzeuge bekam. Konstrukteur dieses Ur-Jeeps war der Ingenieur Karl Probst (1883 – 1963), der in Detroit eine eigene Entwicklungsfirma betrieb. Doch nach einer Werksbesichtigung kamen der Armeeführung ernste Zweifel, ob die kleine Firma in der Lage war eine größere Serienproduktion zu übernehmen.

Inzwischen hatten Willys-Overland (Modell Quad) und Ford (Modell Pygmy) auf eigene Faust Testfahrzeuge hergestellt und an die Armee geliefert. Willys ging im Oktober 1941 mit seinem Modell MA (Military Series A) als Sieger aus dem Rennen hervor. Noch 1941 begann bei Willys in Toledo/Ohio die reguläre Produktion. Da aber auch die Kapazitäten von Willys nicht ausreichten, stellte Ford den Willys MB (Military Series B) in Lizenz her; Ford gab seinem Modell die Bezeichnung GPW. Das »G« stand für »Government Contract« (Vertrag mit der Regierung), das »P« war ein internes Ford-Kürzel für den Achsstand (80 Zoll) und das »W« bezeichnete den Willys-Motor. Auch American Bantam produzierte in Butler/Pennsylvania geringe Mengen ihres Modells BRC (Bantam Reconnaissance Car).

Bald nachdem die ersten Fahrzeuge an die Armee ausgeliefert worden waren, ließen sich die Soldaten verschiedene Spitznamen wie Beep, Blitz Buggy, Bug, Chigger, Midget, Peep, Puddle Jumper und Jeep einfallen. Dieser letzte Name geht auf die Comicfigur »Eugene – The Jeep« zurück, die erstmals 1936 in den damals sehr populären Popeye-Comics aufgetaucht war. Weil Eugene für Popeye allerlei schwierige Aufgaben löste, wurden fähige Leute in der Umgangssprache bald als »Jeep« bezeichnet. Zur gleichen Zeit bekamen auch mehrere Militärlastwagen, geländegängige Baufahrzeuge, Traktoren und ein Flugzeugprototyp von Boeing (die spätere B-17 »Flying Fortress«) den Spitznamen Jeep verliehen. Im Februar 1941 beantwortete der damalige Willys-Cheftestfahrer Irving Housemann auf einer Presseveranstaltung in Washington die Frage »What is that thing?« mit »It's a Jeep«, und damit hatte das Auto in der Öffentlichkeit seinen Namen weg. Der damalige Willys-Overland-Präsident Joseph Washington Frazer behauptete später, als es mit dem Traktorenhersteller Minneapolis-Moline zu gerichtlichen Streitigkeiten um den Markennamen Jeep kam, ihn aus den Buchstaben »GP« für »General Purpose« (engl. Mehrzweck) gebildet zu haben.

Während des 2. Weltkriegs leistete der Jeep dann außergewöhnlich gute Dienste. Ein General bezeichnete ihn als »das vielseitigste Motorfahrzeug, das wir je besessen haben«, und der spätere Präsident Dwight D. Eisenhower sagte: »Der Jeep, die Douglas DC-3 ›Dakota‹ und die Landungsschiffe waren die drei Instrumente, mit denen wir den Krieg gewonnen haben.« Bis zum Ende des Krieges produzierten die drei Firmen für die U.S. Army rund 600.000 Jeeps.

Jeep
Jeep

Danach hatte Willys-Overland wieder das alleinige Recht die Jeeps für militärische und nun auch zivile Zwecke herzustellen. Und die Nachfrage war riesengroß, nicht nur bei der Armee. 1945 kam der erste zivile Jeep vom Typ CJ-2A (CJ = Civil-Jeep) auf den Markt. Als Käuferschicht visierte die Firma vor allem Farmer an, die mit dem robusten Fahrzeug nicht nur durch unwegsames Gelände fahren und schwere Lasten ziehen, sondern mit den entsprechenden Zusatzgeräten auch pflügen konnten. Im Laufe der Jahre brachte Willys neben den normalen Jeeps (CJ) und den militärischen Varianten (MD und M) eine ganze Jeep-Modellpalette auf den Markt (Kombis/SUVs, Roadster, Pick-ups); von 1956 bis 1965 gab es sogar leichte Lastwagen.

1953 schloss sich Willys-Overland mit der Kaiser-Frazer Corporation – ein Jointventure des Großindustriellen Henry John Kaiser (Werften, Aluminiumfirmen, Baufirmen) und des Ex-Willys-Overland-Chefs Joseph Frazer, das erst kurz nach dem Ende des Krieges gegründet worden war – zur Willys Motors Corporation (ab 1963 Kaiser Jeep Corporation) zusammmen. Von 1953 bis 1956 produzierte Willys auch wieder normale Autos, danach widmete man sich nur noch den Geländewagen und seinen Abkömmlingen. Der Jeep wurde auch von mehreren anderen Herstellern in Lizenz produziert (Hotchkiss/Frankreich, Mitsubishi Motors/Japan, Mahindra/Indien) und er war Vorbild für den britischen Land-Rover, der 1948 auf den Markt kam.

1970 kaufte die American Motors Corporation (AMC), die 1954 durch den Zusammenschluss der Nash-Kelvinator Corporation und der Hudson Motor Car Company entstanden war, den Geländewagenhersteller, womit der Name Kaiser wegfiel. Im gleichen Jahr wurde der militärische Bereich unter dem Namen AM General Corporation (AM = American Military) aus dem AMC-Konzern ausgegliedert. 1979 begann AM General mit der Entwicklung des 1,15 Tonnen-Kommandofahrzeuges High-Mobility-Multi-Purpose-Wheeled-Vehicle (HMMWV oder Humvee), das den Jeep bei der U.S. Army ersetzen sollte. 1982 lieferte AMC schließlich die letzte militärische Variante des Jeep, das seit 1959 gemeinsam mit Ford gefertigte Modell M151 MUTT (Military Utility Tactical Truck), an die Armee aus. 1984 verkaufte American Motors AM General an den Luft- und Raumfahrtkonzern LTV (Ling-Temco-Vought) und zog sich damit aus dem militärischen Bereich zurück. 1985 lieferte AM General die ersten Humvee-Exemplare an die Armee aus (seit 1992 gibt es auch die zivile Variante Hummer).

1987 wurde American Motors von Chrysler übernommen. Mit der Einführung des Jeep Wrangler im gleichen Jahr endete die Produktion der Civil-Jeeps, die noch auf dem alten Ur-Modell basierten. Neben dem Jeep Wrangler gibt es von Jeep noch mehrere andere Geländewagen-/SUV-Modellreihen (Jeep Patriot, Jeep Compass, Jeep Commander, Jeep Liberty/Cherokee, Jeep Grand Cherokee). Für den europäischen Markt werden einige Jeep-Modelle (Grand Cherokee, Commander) von Magna-Steyr in Graz (Österreich) gefertigt. Von 1998 bis 2007 gehörte Chrysler/Jeep zur DaimlerChrysler AG. Seit 2014 ist die Fiat Chrysler Automobiles N.V. (FCA) neuer Eigentümer der Marke Jeep. Die Produktionsanlagen befinden sich bis heute in Toledo/Ohio.

Text: Toralf Czartowski | Foto(s): Pixabay

Jeep Logo
FCA Fiat Chrysler Logo
Willys Logo
Willys-Overland Logo
AMC American Motors Logo
Chrysler Logo
Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:51