Markenlexikon

IFA

Deutschland

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurden die enteigneten Betriebe in der sowjetischen Besatzungszone im Osten Deutschlands in 65 Industrie-Verwaltungen zusammengefasst. Eine davon war die im Juli 1946 gegründete Industrieverwaltung Fahrzeugbau (IFA), zu der u.a. die Audi- und Horch-Werke in Zwickau, die DKW-Werke in Zschopau, die Phänomen Werke in Zittau und die Framo-Werke in Hainichen bei Chemnitz gehörten. In eine weitere, die SAG (Sowjetische Aktiengesellschaft) Awtowelo (AWO), waren das BMW-Werk in Eisenach, das Simson-Werk in Suhl, die Elite Diamantwerke Siegmar-Schönau bei Chemnitz, die Fahrradwerke Mifa in Sangerhausen, die Feinmesszeugfabrik Keilpart in Suhl, das Rheinmetall-Werk in Sömmerda, die Kugellagerfabrik Böhlitz-Ehrenberg in Leipzig, die Uhren- und Maschinenfabrik Ruhla sowie das Fichtel & Sachs-Werk in Reichenbach im Vogtland eingegliedert.

Ab 1947 lief die Fahrzeugproduktion in Sachsen und Thüringen allmählich wieder an. Bei der Verwendung von Markennamen gingen die Betriebe bis Mitte der 1950er Jahre unterschiedliche Wege. Zum Teil wurden noch die alten Marken weiter genutzt (BMW 321, BMW 340, BMW R 35, DKW RT125, Framo V 501, Framo V 901, Horch H3, Horch H6, Horch P 240 Sachsenring. Phänomen Granit, Simson), andererseits verwendete man auch die neuen Markenzeichen IFA (IFA F8, IFA F9, IFA RS01 Pionier, IFA RT125) und AWO (Simson Suhl).

IFA
IFA

In den 1950er Jahren kam es jedoch mit mehreren westdeuschen Firmen und Alteigentümern zu Markenrechtsstreitigkeiten (Auto-Union/Horch Ingolstadt, BMW München, Phänomen), sodass man nun dazu überging, den Betrieben neue Namen zu geben: Barkas Hainichen (vorm. Framo), Automobilwerk Eisenach (vorm. BMW und EMW), MZ Motorradwerk Zschopau (vorm. DKW), Robur Zittau (vorm. Phänomen) und Sachsenring Zwickau (vorm. Audi und Horch). Das Kürzel IFA wurde danach vor allem für die Kombinate verwendet (IFA-Kombinat Nutzfahrzeuge, IFA-Kombinat Pkw, IFA-Kombinat Zweiradfahrzeuge, IFA-Kombinat Spezialaufbauten und Anhänger, IFA-Kombinat Kfz-Teile, IFA-Vertrieb). Lediglich die Nutzfahrzeuge (Lkw, Busse), die im Kraftfahrzeugwerk »Ernst Grube« Werdau (1952 – 1959 Horch/IFA H6, 1952 – 1964 IFA G5, 1958 – 1967 IFA S-4000) und in den Automobilwerken Ludwigsfelde (1965 – 1990 IFA W50, 1987 – 1990 IFA L60) gefertigt wurden, trugen fortan das IFA-Logo auf dem Kühler.

Die Verlegung der mittelschweren Lkw-Produktion (4-Tonner) von Werdau in ein neuerrichtetes Montage-und Presswerk nach Ludwigsfelde erfolgte aus Kapazitätsgründen. Zuvor waren in den Industriewerken Ludwigsfelde (IWL) Schiffsdieselmotoren und Motorroller produziert worden (Berlin, Pitty, Troll, Wiesel). Beide Modelle, der Langhauber IFA S-4000 und der IFA W50, waren 4-Tonner, die mit zahlreichen unterschiedlichen Aufbauten angeboten wurden. Erst mit dem IFA L60 gab es erstmals seit dem IFA/Horch H6 wieder einen 6-Tonner-Lkw aus DDR-Produktion. Für die Produktion schwerer Lastwagen (ab 6 Tonnen) waren innerhalb des RGW-Gebietes (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe) ab den 1960er Jahren Tatra (ČSSR), Škoda/LIAZ (ČSSR), Jelcz (Polen) und Star (Polen) zuständig, später auch Kamaz (Sowjetunion) und Roman/DAC (Rumänien). Robur in Zittau produzierte nur Lkw mit einer Nutzlast von 1,8 bis 2,5 Tonnen.

Der IFA W50 (insgesamt rund 570.000 Exemplare) wurde in 40 Staaten exportiert, wo er vielfach heute noch im Einsatz ist und zum alltäglichen Straßenbild gehört. 1990 endete die Produktion des W50 und des L60 in Ludwigsfelde, was gleichzeitig auch das Aus für die Marke IFA bedeutete. Das Werk wurde 1994 von der Daimler-Benz AG übernommen, die bereits von 1936 bis 1945 am Rande von Ludwigsfelde eine Flugmotorenwerk betrieben hatte, das aber nach Kriegsende demontiert und gesprengt worden war. Das Presswerk übernahm Thyssen. Heute wird im Daimler-Werk Ludwigshafen der Mercedes-Benz Sprinter gebaut.

Text: Toralf Czartowski | Foto(s): Pixabay

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Letzte Änderung der Seite: 23.06.2018 | 16:16