Markenlexikon

Hugo Boss

Deutschland

Der Kaufmann Hugo Ferdinand Boss (1885 – 1948) gründete 1923 in Metzingen bei Stuttgart eine Firma zur Produktion von Arbeitsbekleidung. Sieben Jahre später war das Unternehmen pleite. 1931 trat der Gründer in die NSDAP ein, was sich bald bezahlt machte. Boss schneiderte nun die Uniformen für die SA, die SS, die Wehrmacht und die Hitler-Jugend. Nach dem Tod des Gründers wurde die Firma von seinem Sohn Siegfried und dessen Schwiegersohn Eugen Holy weitergeführt. Nachdem man in den ersten Nachkriegsjahren Uniformen für die Post, die Bahn und die Polizei produziert hatte, kam 1953 der erste Herrenanzug von Boss auf den Markt.

Aber erst Eugen Holys Söhne Uwe und Jochen, die das Familienunternehmen 1967 übernahmen, wandten sich der modischen Herrenkonfektion zu. Vor allem die 1980er Jahre wurden zum wahren Triumphzug für Boss. Sponsorverträge mit Sportlern wie Ayrton Senna, Alain Prost, Niki Lauda, Nigel Mansell und Bernhard Langer machten die Marke international bekannt. Von 1984 bis 1989 stattete Boss auch die Schauspieler Don Johnson und Jan-Michael Phillip in der damals sehr populären TV-Serie »Miami Vice« aus. In dieser Zeit vergab Boss erstmals Lizenzen an Fremdfirmen zur Produktion von Parfums (Eurocos Cosmetic/Proctor & Gamble), Brillen (Charmant), Schuhen/Lederwaren (M.H. Shoes & Accessories) und Uhren (Movado).

1984/1985 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und an der Frankfurter Börse notiert. 1989 verkauften die Brüder 54,5 Prozent ihrer Firmenanteile an die japanische Immoblien-Gesellschaft Leyton House, die auch im internationalen Motorsport engagiert war, u.a. in der Formel 1 (Leyton-House/March). Deren Chef Akira Akagi wurde im September 1991 wegen maßgeblicher Beteiligung am größten Kreditbetrug in der japanischen Geschichte verhaftet; außerdem soll er Kontakte zur japanischen Mafia, der Yakuza, gehabt haben.

1991 erwarb das italienische Unternehmen Marzotto S.p.A. (Gianfranco Ferrè, Missoni, Marlboro Classics) die Mehrheit der Hugo-Boss-Anteile. 1993 unterteilte man die Boss-Kollektionen in drei Hauptlinien: Boss für den dynamisch-erfolgsorientierten Mann, Hugo – die junge, avantgardistische Linie und die gehobene Männerlinie Baldessarini, die jedoch 2006 an die Ahlers AG aus Herford (Eterna, Gin Tonic, Otto Kern, Pierre Cardin, Pioneer) verkauft wurde. Werner Baldessarini war von 1975 bis 1997 Chef-Designer und von 1998 bis 2002 Vorstandsvorsitzender der Hugo Boss AG gewesen. 1998 führte Boss unter dem Namen Hugo Woman erstmals eine Damen-Kollektion ein. Boss selbst unterteilt sich in die Linien Boss Black (elegante Business- und Abendbekleidung für Damen und Herren), Boss Orange (Freizeitmode für Damen, Herren und Kinder), Boss Green (Golf- und Sportswear-Bekleidung für Damen und Herren) und Boss Selection (luxuriöse Herrenlinie), außerdem seit 2009 die in Lizenz gefertigte Kollektion Boss Kidswear (Kinderbekleidung).

2002 erwarb Marzotto die italienische Modemarke Valentino, was 2005 zur Gründung der Valentino Fashion Group mit den Marken Gianfranco Ferrè, Hugo Boss, Missoni und Marlboro Classics führte. Nachdem Valentino 2007 von dem britischen Private-Equity-Unternehmen Permira übernommen worden war, wurde Boss wieder aus der Valentino Fashion Group herausgelöst. 2015 verkaufte Premira die Hugo-Boss-Anteile an institutionelle Investoren, u.a. auch an die Marzotto-Familie (rund 7 Prozent). Die Hugo Boss AG betreibt Fabriken in Metzingen, Izmir (Türkei) und Cleveland/Ohio (USA). Daneben sind zahlreiche Auftragsproduzenten aus Osteuropa und Asien für das Unternehmen tätig.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:51