Markenlexikon

Hughes

USA

Howard Robard Hughes Sr. (1869 – 1924) gründete 1909 zusammen mit Walter Benona Sharp (1870 – 1912) die Sharp-Hughes Tool Company (ab 1915 Hughes Tool Company), die leistungsfähige Bohrmeißel für die Ölindustrie produzierte. Viele dieser neuartigen Meißel, die es den Ölfirmen ermöglichte, in zuvor nicht erreichbare Bereiche vorzustoßen, hatte Hughes Sr. selbst entwickelt. Nach dem Tod des Gründers erbte sein damals gerade 21-jähriger Sohn Howard Robart Hughes Jr. (1905 – 1976) die Firma. Hughes Jr. interessierte sich allerdings mehr für die Fliegerei und die Filmindustrie. Mit den Millionengewinnen der väterlichen Firma im Hintergrund konnte er sich diese kostspieligen Hobbys auch problemlos leisten. So produzierte er in Hollywood u.a. die erfolgreichen Filme »Hell's Angels« (1930), »The Front Page« (1931), »Scarface« (1932) und »The Outlaw« (1943). Von 1948 bis 1952 gehörte ihm zudem das Filmstudio RKO Radio Pictures.

Neben seiner Tätigkeit als Filmproduzent beschäftigte sich Howard Hughes mit der Fliegerei. 1932 gründete er die Hughes Aircraft Company (Culver City/California), die zunächst eine Tochtergesellschaft der Hughes Tool Company war, 1936 dann aber von der Mutterfirma abgetrennt wurde. Das erste Flugzeug von Hughes Aircraft war die Hughes H-1 (Erstflug 1935), ein einmotoriger Tiefdecker mit hydraulisch einziehbarem Fahrwerk und geschlossenem Cockpit. Mit dieser Maschine, von der nur ein einziges Exemplar gebaut wurde, das bis heute erhalten ist, stellte Howard Hughes 1935 einen Geschwindigkeitsrekord auf (567 km/h). 1938 stellte er einen weiteren Rekord auf, als er mit einer Lockheed 14 Super Electra in 91 Tagen um die Welt flog (New York, Paris, Moskau, Omsk, Jakutsk, Fairbanks, Minneapolis, New York).

1940 erwarb Hughes ein 150-Hektar-Gelände südwestlich von Culver City, wo er in der Folgezeit neben diversen Werksgebäuden und Hangars auch einen Flughafen errichtete. Dieses Areal, das bis 1985 der Hauptsitz der Hughes Aircraft Company war, trägt heute den Namen Playa Vista. Zu dieser Zeit hatte Hughes Aircraft allerdings gerade einmal vier Angestellte.

Gemeinsam mit dem Henry John Kaiser (1882 – 1967), dessen Werften während des 2. Weltkrieges im Auftrag der Regierung die Liberty-Schiffe bauten, gründete Hughes die Hughes-Kaiser Corporation, um mehrere Flugboote für die US Navy zu bauen. 1942 bekamen sie einen offiziellen Auftrag über drei Flugboote. Das Ergebnis war die Hughes H-4 Hercules (Spruce Goose), das größte jemals gebaute Flugboot und das Flugzeug mit der größten Flügelspannweite. Es bestand komplett aus Holz und flog 1947 nur ein einziges Mal 1,5 Kilometer weit, 20 Meter hoch, mit einer Geswchwindigkeit von 160 km/h. In Long Beach, wo der Flug stattfand, wurde die H-4 anschließend in einem klimatisierten Hangar eingemottet, aber noch jahrelang flugfähig gehalten. Seit 1992 ist das Flugboot im Evergreen Aviation Museum in McMinnville/Oregon ausgestellt.

Zwei weitere Prototypen, die in dieser Zeit entstanden, waren der Bomber Hughes D-2 (Erstflug 1943) und die Hughes XF-11 (Erstflug 1946), ein zweimotoriges Langstrecken-Aufklärungsflugzeug Beide Modelle schafften es jedoch nicht in die Serienproduktion. Mit dem Prototyp XF-11 stürzte Hughes im Juli 1946 während eines Testflugs über Beverly Hills ab, wobei er sich schwere Verletzungen an Kopf und Rücken zuzog. Ansonsten wurden in Hughes-Werken Militärflugzeuge anderer Hersteller gebaut, was zu Kriegszeiten aus Kapazitätsgründen in den USA üblich war.

1939 beteiligte sich Howard Hughes an der Fluggesellschaft Transcontinental and Western Air (spätere TWA Trans World Airlines). Hughes' Wunsch nach einem viermotorigen Langstreckenflugzeug für 40 Passagiere führte bei Lockheed zur Entwicklung der Lockheed Constellation (Erstflug 1943). Die Hughes Tool Company bestellte dann auch sogleich 40 Constellations, die ab 1945 an TWA ausgeliefert wurden. Die Connie, wie sie die Piloten meist nannten, gehörte neben der Douglas DC-6 und der Ilyushin Il-18 zu den erfolgreichsten Langstrecken-Passagierflugzeugen der 1950er Jahre. 1966 musste sich Hughes auf gerichtliche Anweisung von seinen TWA-Aktien trennen, da die Richter einen Interessenkonflikt zwischen Hughes Aircraft (Zulieferer für die Flugzeugindustrie) und TWA (Flugzeugnutzer) sahen. Das Geld, das er für den Verkauf bekam, investierte er in mehrere Hotels und Casinos in Las Vegas.

1948 entstand innerhalb der Hughes Aircraft Company eine neue Tochtergesellschaft, die Hughes Aerospace Group. Die beiden Ingenieure Simon Ramo und Dean Wooldridge entwickelten dort ein System, das Flugzeuge während Luftkämpfen mit Hilfe von Radarsignalen automatisch in die richtige Schussposition brachte. Zusammen mit der ebenfalls von Hughes entwickelten radargelenkten Luft-Luft-Rakete AIM-4 Falcon (1946), blieb das MA-1 lange Zeit hinein das wichtigste Abfangjägersystem der USA. Ramo und Woodbridge gründeten später eine der Vorgängerfirmen des TRW-Konzerns. 1951 baute Hughes Aircraft eine Raketenfabrik in Tucson/Arizona. Aus der Hughes Aerospace Group wurde 1961 die Hughes Space and Communications Company, die sich mit der Entwicklung und dem Bau von Satelliten und Sonden beschäftigte (u.a. 1963 Syncom; 1966 ATS-1, Surveyor 1; 1978 Pioneer-Venus, 1995 Galileo Probe). Hughes Aircraft blieb ein Zulieferer für die militärische und zivile Luft- und Raumfahrt (u.a. Radar Systeme, Computer Systeme für Flugzeuge, Laser, Ionentriebwerke, Raketensysteme).

1947 begann Hughes Aircraft mit der Produktion von Hubschraubern. Dazu erwarb man eine Konstruktion von der Kellett Autogiro Corporation; der XH-17 Sky Crane (Erstflug 1952), der bis heute als Hubschrauber mit dem größten Rotorsystem gilt, ging aber nicht in die Serienproduktion. Es wurde nur ein Prototyp gebaut. Ab 1955 gehörte die Hubschrauber-Abteilung zur Hughes Tool Company und firmierte als Toolco Aircraft Division (ab 1972 Hughes Helicopter Division Summa Corp., ab 1981 Hughes Helicopters Inc.). Der Erfolg kam mit den leichten Mehrzweckhubschraubern Hughes TH-55 »Osage« (Erstflug 1956; Produktionszeit: 1961 – 1983; 2800 Exemplare) und Hughes OH-6 Cayuse (Erstflug 1963), von dem bisher über 1.400 Exemplare gebaut worden sind. Von beiden Modelle gab es auch zivile Varianten (Modell 296/300, Modell 500).

1953 übetrug Hughes alle seine Aktien an der Hughes Aircraft Company auf die neugegründete Stiftung Howard Hughes Medical Institute, die heute zu den reichsten Stiftungen der USA zählt. Sie beschäftigt sich u.a. mit der Förderung biomedizinischer Forschungen.

Die Geschäfte der Hughes-Unternehmen (Hughes Tool, Hughes Aircraft, TWA, RKO) führte nicht Hughes, sondern sein langjähriger Vertrauter Noah Dietrich (1889 – 1982), den er bereits seit 1925 kannte. Als Dietrich 1957 in Rente ging, zog sich auch Hughes weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück.

Anfang der 1970er Jahre beteiligte sich die Toolco Aircraft Division neben Bell, Boeing Vertol/Grumman, Lockheed und Sikorsky an einer Ausschreibung der US Army für einen neuen Kampfhubschrauber. Der Hughes YAH-64A (Erstflug 1975) konnte sich schließlich 1976 gegen die Konkurrenten durchsetzen und ging nach einer ausgiebigen Testphase 1982 unter der Bezeichnung AH-64 Apache in einem neuen Werk in Mesa/Arizona in Produktion. Anfang 1984 wurden die ersten AH-64A an die US Army ausgeliefert. Von 1975 bis 1981 entwickelte Hughes Helicopters das NOTAR-Antriebssystem, das ohne Heckrotor auskommt. Stattdessen wird der Drehmomentausgleich durch einen Mantelpropeller erzeugt, der Luft in den Ausläger bläst, die am Heck aus einer verstellbaren Düse wieder austritt.

1972 verkaufte Hughes die Hughes Tool Company (Houston/Texas); das Unternehmen firmiert heute als Baker Hughes Inc. Den Rest seiner Beteiligungen brachte er daraufhin in die neue Holdinggesellschaft Summa Corporation ein, u.a. mehrere Hotels in Las Vegas (Castaways Hotel and Casino, Desert Inn, Frontier Hotel and Casino, Landmark Hotel and Casino, Sands Hotel and Casino, Silver Slipper Casino, Xanadu Princess Resort), die er von 1966 bis 1968 erworben hatte, Hughes Helicopters (damals noch Toolco Aircraft), Hughes Airwest, KLAS-TV, eine TV-Station aus Las Vegas, das Hughes Sports Network und Hughes Nevada Mining. Die Hughes Aircraft Company blieb weiterhin bei der Stiftung Howard Hughes Medical Institute.

Howard Hughes starb im April 1976 während eines Fluges von Acapulco nach Houston an Nierenversagen. Zeit seines Lebens galt der Milliardär als ein ausgesprochener Exentriker. Schon aus seiner Jugendzeit existieren Anekdoten über seine seltsamen Verhaltensweisen, später kamen unzählige dazu. Wieviel davon wahr ist und was später überspitzt dargestellt wurde, lässt sich heute nicht mehr nachprüfen. Es wurde auch oft darüber spekuliert, inwiefern die Medikamente, die er seit seinem Flugunfall 1946 einnehmen musste, Einfluss auf sein Verhalten hatten. Fakt ist, dass er sich Ende der 1950er Jahre fast vollständig aus der Öffentlichkeit zurückzog und sich nur noch mit einem kleinen Kreis von Vertrauten umgab, die alle der Mormonen-Kirche angehörten. Von 1966 bis zu seinem Tod lebte er fast ausschließlich in Hotels in Acapulco, Beverly Hills, Boston, Freeport, Las Vegas, London, Managua, Nassau und Vancouver.

Beim Tod von Howard Hughes waren Hughes Aircraft, Hughes Helicopters und Hughes Space and Communications führende Unternehmen in ihren Geschäftsbereichen und gehörten zu den größten Arbeitgebern in Kalifornien und Arizona.

Die Summa Corporation verkaufte ihre Beteiligungen nach und nach (1976 Hughes Nevada Mining; 1977 Landmark Hotel and Casino; 1978 KLAS-TV, Hughes Sports Network; 1980 Hughes Airwest; 1983 Sands Hotel and Casino; 1986 Desert Inn; 1987 Castaways Hotel and Casino; 1988 Frontier Hotel and Casino, Silver Slipper Casino) und benannte sich 1994 in The Howard Hughes Corporation um. Das in Dallas ansässige beschäftigt sich heute mit der Entwicklung von Immobilienprojekten (Business Parks, Shopping Malls, Siedlungen, Planstädte).

Die Hughes Helicopters Inc. wurde 1984 vonder McDonnell-Douglas Corporation übernmmen, die sich 1997 mit Boeing zusammenschloss, sodass der AH-64 Apache heute von Boeing gebaut wird. Der zivile Hubschrauber Hughes 300 wurde bereits ab 1983 von der Schweizer Aircraft Corporation in Lizenz produziert, 1986 übernahm Schweizer Aircraft das 300-Programm ganz (ab 2009 Sikorsky S-300C, nachdem Schweizer 2004 von Sikorsky übernommen worden war). Nach der Übernahme durch Boeing, entstand 1999 die unabhängige Firma MD Helicopters, die in Mesa das zivile Modell Hughes/MD 500 weiterproduzierte.

1985 verkaufte die Stiftung Howard Hughes Medical Institute ihre Anteile an der Hughes Aircraft Company an den Automobilkonzern General Motors, der die Neuerwerbung mit seiner Tochter Delco Electronics (Fahrzeugelektronik) zur Hughes Electronics Corporation (Hughes Aircraft, Delco Electronics, Hughes Space and Communications, Hughes Network Systems) zusammenschloss. Hintergrund für den Verkauf war ein zuvor ergangenes Gerichtsurteil, das der Stiftung vorschrieb, ihre Beteiligung an Hughes Aircraft abzustoßen, wenn sie ihren steuerlich günstigeren Non-Profit-Status behalten wolle.

1992 erwarb Hughes Aircraft das Raketengeschäft von General Dynamics (Advanced Cruise Missile, Phalanx, Rolling Airframe Missile, Stinger, Tomahawk) und 1995 Magnavox Electronic Systems (Elektronische Kriegsführung).

1993 gründete Hughes Electronics die Tochtergesellschaft DirecTV, einen Betreiber von Fernsehsatelliten und Programmanbieter. Die DirecTV-Satelliten wurden von Hughes Space – damals der größte Satelliten-Hersteller der Welt – entwickelt und gebaut. 1997 verkaufte General Motors Teile von Hughes Electronics (Hughes Aircraft) an Raytheon; Delco wurde 1998 in den GM-Fahrzeugzulieferer Delphi Automotive Systems eingebracht. Weitere Teile (Hughes Space and Communications, Hughes Electron Dynamics, Spectrolab) erwarb im Jahr 2000 Boeing (Boeing Satellite Systems). Der Rest von Hughes Electronics (DirecTV, PanAmSat, Hughes Network Systems) wurden 2003 an den Medienkonzern News Corporation (Fox) verkauft.

Hughes Network Systems (Germantown/Maryland) war aus der 1971 gegründeten Digital Communication Corporation hervorgegangen, die sich nach der Übernahme durch Microwave Associates in M/A-Com Telecommunication umbenannte und 1987 von GM Hughes Electronics/Hughes Aircraft übernommen wurde. Die News Corporation transferierte Hughes Network Systems in die SkyTerra Communications Inc., die noch eine Zwischenholding installierte (Hughes Communications). 2006 verkaufte SkyTerra Hughes Communications als selbstständiges Unternehmen an seine Aktionäre. Seit 2011 gehört Hughes Communications / Hughes Network Systems zur EchoStar Corporation.

Die 1960 gegründeten Hughes Research Laboratories in Malibu/California firmieren seit 1997 als HRL Laboratories und gehört zur Hälfte Boeing und General Motors. Dort wurde u.a. 1960 der erste funktionierende Laser von Theodore Maiman entwickelt, außerdem der Xenon-Ionenantrieb, der erstmals 1998 bei der Raumsonde Deep Space 1 zum Einsatz kam.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:51