Markenlexikon

HP (Hewlett-Packard)

USA

An einem verregneten Tag im Januar 1848 kam James Wilson Marshall (1810 – 1885), ein Angestellter des aus Deutschland stammenden Holzhändlers John Augustus Sutter (1803 – 1880), aufgeregt in die Hütte seines Chefs gelaufen. Nachdem alle Fenster und Türen verriegelt waren, öffnete er seine zitternde Hand. Zum Vorschein kamen einige Krümel reinen Goldes – gefunden im Wasser des American River. Die beiden wollten ihre Entdeckung für sich behalten, doch es dauerte nicht lange, bis die halbe Welt davon wusste, dass es in Kalifornien Gold gab. Das wirkte wie eine Zauberformel. Bald machten sich tausende Abenteurer auf den Weg in Richtung Westen. Manche kamen mit ihren Präriewagen durch die endlos weiten Steppen des Mittelwestens, andere fuhren mit hoffnungslos überladenen Schiffen um das stürmische Kap Hoorn und dann die süd- und mittelamerikanische Küste entlang, um nach San Francisco zu gelangen. Kein Weg war den Abenteurern zu weit, um vielleicht einen Goldklumpen zu finden oder wenigstens ein bisschen Goldstaub.

Einer der Goldhungrigen war der junge Anwalt Amasa Leland Stanford (1824 – 1893), der mit seiner Familie 1852 nach Kalifornien kam. Wie viele andere auch hatte er beim Goldsuchen weniger Erfolg, dafür umso mehr als Unternehmer; gemeinsam mit seinen Brüdern betrieb er ein Geschäft für Goldgräberwerkzeuge. Das ganz große Geld verdiente er jedoch mit dem Eisenbahnbau. Gemeinsam mit Collis Huntington (1821 – 1900), Mark Hopkins (1813 – 1878) und Charles Crocker (1822 – 1888), die zuvor ebenfalls Ausrüstungsläden für die Goldgräber betrieben hatten, organsierte er den Bau des westlichen Teilstücks der ersten transkontinentalen amerikanischen Eisenbahnstrecke. Zu diesem Zweck gründeten sie 1861 die Firma Central Pacific Railroad. Die spätere Central-Pacific-Tochtergesellschaft San Francisco & San Jose Railroad baute zwischen 1861 und 1864 auch eine Eisenbahnlinie von San Francisco nach San José. Die Strecke führte durch ein malerisches Tal. Dort, wo heute Palo Alto liegt, kaufte Leland Stanford für seine Pferdezucht eine Ranch. Lange konnten sich die Pferde des paradiesischen Fleckchens Erde jedoch nicht erfreuen.

Als der erste 16-jährige Sohn Leland Stanfords 1884 während einer Bildungsreise in Florenz an Typhus starb, nahmen die Stanfords dies zum Anlass, auf dem Gelände eine Universität zu gründen. Sie erhielt den Namen The Leland Stanford Junior University. 1891 wurde der Studienbetrieb aufgenommen. Bis Ende des 2. Weltkriegs spielte die Universität vor allem eine regionale Rolle für die Rekrutierung der Geschäftselite San Franciscos. Schon während dieser Zeit war es üblich, dass Absolventen der Stanford-Universität eigene Unternehmen aufbauten. Besonders Professor Frederick Terman (1900 – 1982), der vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge kam, und der die elektrotechnische Abteilung der Stanford-Universität zu einer der leistungsfähigsten des ganzen Landes aufbaute, förderte die Unternehmertätigkeit seiner Schüler. Terman gründete Anfang der 1950er Jahre auch den Stanford Industrial Park for High Technology Industry, wo sich bald hunderte Hightech-Unternehmen ansiedelten (u.a. AMD, Eastman-Kodak, Fairchild Semiconductor, IBM, GTE, General Electric, Intel, Texas Instruments, Xerox) und das Silicon Valley begründeten. Die enge Zusammenarbeit zwischen Universität, Wissenschaftlern und Industrie erwies sich als außerordentlich vorteilhaft. Die Universität überließ den neugegründeten Firmen sogar Grundstücke auf ihrem weitläufigen Gelände, wobei die niedrigen Mietpreise meist mehr symbolischer Natur waren.

Ende der 1930er Jahre vermittelte Terman einem seiner ehemaligen Schüler, dem Elektroingenieur William Reddington Hewlett (1913 – 2001), der gerade einen Tonfrequenzgenerator entwickelt hatte, den ersten 1000-Dollar-Kredit bei einer Bank in San Francisco. Zusammen mit David Packard (1912 – 1996), der ebenfalls in Stanford Elektrotechnik studiert hatte, gründete Hewlett 1939 eine gemeinsame Firma. Als erste Werkstatt diente ihnen eine kleine Garage in Palo Alto, die zum Haus von Bill Hewlett gehörte, und deren Größe eher an eine komfortable Hundehütte erinnerte (1989 wurde sie unter Denkmalschutz gestellt und zur Geburtsstätte des Silicon Valleys erklärt). Der erste Auftrag ließ nicht lange auf sich warten. Walt Disney betraute die beiden Jungunternehmer damit mehrere Tonfrequenzgeneratoren zu entwickeln, mit denen der stereophone Klang des Films »Fantasia« produziert werden sollte. HP konzentrierte sich zunächst auf die Herstellung von Messgeräten und elektronischen Bauteilen, zwei Geschäftsfelder, in denen der Konzern bald weltweit führend wurde. Dieses Produktprofil führte fast zwangsläufig dazu, dass sich HP ab Mitte der 1960er Jahren auch mit der Entwicklung von Atomuhren, Tischrechnern, Taschenrechnern und Steuergeräten für Test- und Messinstrumente beschäftigte. Die ersten Auslandswerke entstanden 1959 in Genf (Schweiz) und Böblingen (Deutschland).

Einer breiteren Öffentlichkeit wurde das Unternehmen vor allem durch seine Laser- und Tintenstrahldrucker bekannt. Der erste HP-Laserdrucker kam 1982 auf den Markt; er hatte die Größe einer Waschmaschine und kostete stolze 100.000 Dollar. Die grundlegende Technik stammte von der japanischen Elektronikfirma Canon, entwickelt und gebaut wurde er jedoch von HP. Der Durchbruch auf dem Massenmarkt gelang zwei Jahre später mit dem kleinen LaserJet, der bereits zu einem erschwinglichen Preis von 3.500 Dollar angeboten wurde. Bereits seit 1978 beschäftigte sich HP auch mit der Entwicklung von Tintenstrahldruckern, die noch eher als die Laserdrucker das Potenzial hatten, die damals weit verbreiteten und preiswerten Nadeldrucker vom Markt zu verdrängen. Aber erst die Einführung der für den privaten Gebrauch konzipierten DeskJet-Serie 1990 läutete das Ende der Punkt-Matrix-Drucker ein.

Durch die Übernahme der Firma Apollo Computers (1989), die in den 1980er Jahren neben Sun Microsystems und Digital Equipment einer der führenden Hersteller von Workstations war, spezialisierte sich HP mehr auf Computer sowie Peripherieprodukte wie Drucker und Scanner. Die ersten Mini-Computer hatte HP allerdings schon 1966 auf den Markt gebracht (HP 2100). In der Öffentlichkeit wurden diese Geräte jedoch bei weitem nicht so wahrgenommen, wie etwa die Consumer-Produkte von Apple, Atari, Commodore oder IBM, was daran lag, das HP die Geräte hauptsächlich an Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen verkaufte. 2000 gliederte HP die Bereiche elektronische Messgeräte, Medizinsysteme und Halbleiterprodukte schließlich unter dem Namen Agilent Technologies aus dem Konzern aus.

2001 erwarb HP den 1981 von Rod Canion, Jim Harris und Bill Murto in Houston/Texas gegründeten Computerkonzern Compaq (compatibility and quality) Corporation, der 1983 zu den ersten Firmen gehört hatte, die Personal-Computer nach dem damals noch neuen IBM-Standard bauten und damit den Terminus IBM-kompatible Personal-Computer definierten. Compaq hatte 1998 gerade die lange Zeit zu den weltweit führenden Computerherstellern gehörende Digital Equipment Corporation (DEC) aus Maynard/Massachusetts übernommen. Das 1957 von Kenneth Harry Olsen (1926 – 2011) gegründete Unternehmen war Mitte der 1960er Jahre mit den ersten Rechnern für kleine und mittlere Firmen bekannt geworden (ab 1964 PDP-Serie, ab 1978 VAX-Serie). Diese so genannten Mini-Computer waren zwar nicht so leistungsfähig wie die Mainfraime-Computer von IBM oder Sperry-Rand/Univac, dafür aber kleiner und preisgünstiger. In den 1990er Jahren, als sich die Micro- bzw. Personal-Computer mit ihrer standardisierten Software durchsetzten, verlor DEC stetig Marktanteile. DEC-Chef Ken Olsen (»Es gibt überhaupt keinen Grund, warum irgend jemand einen Computer bei sich zu Hause haben will.«) ignorierte diese Konkurrenz im Vertrauen auf seine scheinbar überragende Produktpalette, die nicht nur aus der Hardware, sondern auch aus diverser speziell für die eigenen Systeme entwickelten Software bestand.

Ab Mitte der 2000er Jahre stieg HP zum weltgrößten Computerhersteller und umsatzstärksten IT-Unternehmen auf. In dieser Zeit erwarb der Konzern zahlreiche IT-Unternehmen, u.a. das deutsche IT-Systemhaus Triaton (2004), den britischen IT-Dienstleister Synstar (2004), das amerikanische IT-Outsourcing-Unternehmen EDS (Electronic Data Systems), das der frühere IBM-Verkäufer und spätere US-Präsidentschaftskandidat Ross Perot 1962 gegründet hatte, das Netzwerkunternehmen 3Com (2010) und schließlich den Smartphone-Hersteller Palm (2010).

Die Entscheidung des kurzzeitigen HP-Chefs Léo Apotheker (2010 – 2011) die PC-Sparte (PCs, Notebooks, Tablet-Computer), die fast ein Drittel der Konzernerlöse erwirtschaftete, zu verkaufen und sich auf Software, Dienstleistungen und Server zu konzentrieren (ähnlich wie 2005 IBM), wurde von seiner Nachfolgerin Meg Whitman wieder zurückgenommen. Ende 2015 kam es dann dennoch zur Trennung in zwei Unternehmensteile: HP Inc. Palo Alto (Drucker, PCs) und Hewlett-Packard Enterprise Co. Palo Alto (Server, Netzwerklösungen, IT-Dienstleistungen, Software, Service und Beratung für Unternehmen). 2017 erwarb HP das Druckergeschäft von Samsung Electonics.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 30.11.2018 | 20:40