Markenlexikon

Hershey's

USA

Nachdem Milton Snavely Hershey (1857 – 1945) einige Jahre bei einem Süßwarenhersteller in die Lehre gegangen war, eröffnete 1876 im Alter von achtzehn Jahren ein Bonbongeschäft in Philadelphia, das jedoch nach einigen Jahren Pleite machte. Und auch die weiteren eigenen Unternehmungen in Denver, Chicago, New Orleans und New York, teilweise gemeinsam mit seinem Vater, scheiterten allesamt. Erst mit der 1886 in Lancaster/Pennsylvania gegründeten Lancaster Caramel Company hatte er mehr Glück. Nachdem er auf der Weltausstellung in Chicago eine deutsche Schokoladenmaschine gekauft hatte, entschloss er sich fortan auch Schokolade herzustellen.

1894 gründete er ebenfalls in Lancester eine zweite Firma, die Hershey Chocolate Company. 1900 verkaufte Hershey die Karamelproduktion für eine Million US-Dollar an die American Caramel Company und konzentrierte sich ausschließlich auf die Herstellung von Schokolade und Kakao. Kurz nach der Jahrhundertwende erwarb Hershey mit dem Geld aus dem Verkauf der Lancaster Caramel Company 1200 Hektar Land im Dauphin County/Pennsylvania und errichtet dort die damals größte Schokoladenfabrik der Welt sowie eine Arbeitersiedlung, die ebenfalls seinen Namen bekam. Die Fabrik wurde 1905 eröffnet.

1907 kam eines der bis heute bekanntesten Hershey-Produkte auf den Markt: Hershey's Kisses – kleine glockenförmige Schokoladenstückchen in silberner Glanzfolie verpackt. In der Folgezeit machte Hershey die Milchschokolade, die zuvor als Schweizer Luxusprodukt gegolten hatte, durch Massenproduktion und viel Werbung in Nordamerika salonfähig. Da Milton Hershey und seine Frau Catherine keine Kinder hatten gründeten sie 1909 eine Schule, die vor allem benachteiligte Kinder aus mittellosen Familien und Waisen aufnahm. 1918 übertrug der Gründer (seine Frau war bereits 1915 verstorben) den Großteil seines Vermögens inkl. der Aktienanteile an der Hershey Chocolate Company dem Milton Hershey School Trust; die Hershey Company, die Milton Hershey School, das Hershey Hotel sowie der 1907 eröffnete Hershey-Freizeitpark gehören noch immer diesem Treuhänderfonds, der inzwischen als Hershey Trust Company firmiert. Darüber hinaus rief Hershey 1935 die Kulturstiftung M.S. Hershey Foundation ins Leben, die Spendengelder für Museen, Theater, Gärten und das Stadtarchiv von Hershey zur Verfügung stellt.

Die Hershey Chocolate Company stieg bald zum größten Süßwarenhersteller der USA auf und die Fabrik in Hershey ist bis heute eine der größten Schokoladenfabriken der Welt. 1963 erwarb Hershey die ebenfalls in Hershey ansässige Reese Candy Company, die der frühere Herhsey-Angestellte Harry Burnett Reese 1926 gegründet hatte; Reese's Peanut Butter Cups gehört noch heute zu den wichtigsten Hershey-Produkten. 2002 versuchte die Hershey Trust Company ihre Anteile an der Hershey Foods Corporation an den Kaugummikonzern Wrigley zu verkaufen, was in der Schokoladenstadt Hershey, wo die Hälfte der 12.000 Einwohner bei Hershey Food beschäftigt ist, für große Aufregung sorgte. Ein Gericht untersagte daraufhin den Verkauf, solange die Folgen für den Standort nicht geklärt sind. Letztlich ruderte die Stiftung wieder zurück und behielt ihre Aktien.

Außerhalb Nordamerikas ist Hershey nur schwach vertreten, was auch daran liegt, dass amerikanische Milchschokolade nicht unbedingt den Geschmack der Europäer trifft. Im Gegensatz zum Originalverfahren des Schweizers Daniel Peter, der die Milchschokolade 1875 erfand (Kakao, Zucker, Milchpulver, Kondensmilch), wird in Großbritannien und den USA meist eine Mischung aus Trockenmilch und Zucker verwendet, die an der Luft trocknet und dabei durch Enzymaktivitäten einen etwas käsigen Geschmack entwickelt. Mit der Übernahme der Firmen Scharffen Berger (2005), Joseph Schmidt Confections (2005) und Dagoba Organic Chocolate (2006) stieg Hershey auch in Produktion von dunklen Premiumschokoladen ein. Seit 2004 firmiert der Konzern als The Hershey Company.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:51