Markenlexikon

Hard-Rock-Cafe

USA

Die Amerikaner Isaac Tigrett (* 1947) und Peter Morton (* 1946) lebten seit Ende der 1960er Jahre in London. Tigrett, der Sohn einer wohlhabenden Südstaatenfamilie aus Tennessee, die an zahlreichen Unternehmen beteiligt war, hatte zuvor gebrauchte Rolls-Royce und Bentleys in die USA exportiert, Morten, Spross von Arnie Morton, dem Gründer der US-Steakhouse-Kette Morton's, betrieb im Londoner Stadtteil Chelsea das Restaurant »The Great American Disaster«. Am 14. Juni 1971 eröffneten beide in der Old Park Lane in London Mayfair ein Restaurant, das sie nach einer Cocktailbar in Los Angeles, die auf dem Cover der Doors-LP »Morrison-Hotel« abgebildet war, benannten. Das Restaurant, in dem vorwiegend amerikanische Fastfood-Kost wie Hamburger, Steaks, Ribs, Sandwiches, Pommes Frites und Milchshakes angeboten wurde, entwickelte sich schnell zu einem Treffpunkt der Londoner Musikszene. Eines Tages brachte Eric Clapton eine seiner vielen Gitarren mit und fragte die Inhaber, ob sie die Gitarre nicht direkt über seinem Stammplatz aufhängen könnten, was dann auch geschah. Kurze Zeit später schickte Pete Townsend von The Who eine seiner Gitarren an das HRC; dem Paket lag eine Karte mit der Bemerkung »Mine is as good as his. Love, Pete« bei. Aus diesen beiden Gitarren entwickelte sich eine inzwischen auf über 70.000 Stücke angewachsene Sammlung, zu der u.a. handgeschriebene Songtexte von John Lennon, Gitarren von Eric Clapton, Pete Townsend und Jimi Hendrix, Bühnenanzüge der Scorpions und Goldene Schallplatten der Beatles gehören.

Hard Rock Cafe
Hard Rock Cafe

Ab Ende der 1970er Jahre entstanden in vielen europäischen und nordamerikanischen Städten weitere Hard Rock Cafes (u.a. 1978 Toronto; 1982 Los Angeles; 1984 New York, San Francisco, Tokyo; 1985 Stockholm; 1986 Dallas; 1990 Orlando; 1991 Paris; 1992 Berlin; 1995 Las Vegas).

Nachdem sich die Gründer verstritten hatten, wurde das Unternehmen 1982 in zwei Gruppen aufgeteilt: Tigrett übernahm die Restaurants in Europa, in den US-Bundesstaaten östlich des Mississippi, in Lateinamerika und Asien (Hard Rock Cafe International Inc.), Morton die in den westlichen US-Bundesstaaten, in Australien, Kolumbien und Israel (Hard Rock Cafe America Inc.).

Tigrett verkaufte seine Anteile an HRC International seit dem Börsengang 1984 an verschiedene Investoren, den größten Teil jedoch 1988 an Robert Earl und seine Firma Pleasurama, die sich schon ein Jahr später mit der Mecca Leisure Group zusammenschloss und 1990 schließlich vom britischen Filmtechnik- und Unterhaltungskonzern The Rank Group übernommen wurde. 1992 eröffnete Tigrett, der von 1989 bis 1994 mit der früheren Frau von Ex-Beatle Ringo Starr verheiratet war, in Cambridge/Massachusetts das erste House of Blues (HOB), eine Mischung aus Restaurant und Live-Musik-Club. Zu den HOB-Finanziers gehörten u.a. die Schauspieler Dan Aykroyd, Jim Belushi und River Phoenix, der Musiker Paul Shaffer, die Rockband Aerosmith, die Harvard University und der Disney-Konzern. Nachdem sich Tigrett auch hier mit den anderen Partnern zerstritten hatte, verließ er das Unternehmen 1998.

Morton veräußerte seine Hard-Rock-Cafes 1996 ebenfalls an die Rank Group, gleichzeitig erwarb Rank von Nick Bitove auch die Hard-Rock-Cafes in Kanada. Damit befand sich die Marke Hard Rock Cafe wieder in einer Hand. Davon ausgenommen blieben lediglich das Hard Rock Hotel & Casino, das Peter Morton 1995 in Las Vegas eröffnet hatte, sowie das Hard Rock Casino in London, das heute G Casino Picadilly heißt. Das Hotel-Casino in Las Vegas sowie die Hard-Rock-Namensrechte für Hotels und Casinos in den westlichen US-Bundesstaaten, Australien und Teilen Westkanadas verkaufte Morton 2006 an die Morgans Hotel Group; dieses Unternehmen war 1984 von Ian Schrager and Steve Rubell, den Betreibern der legendären New Yorker Diskothek Studio 54, gegründet worden.

Ende 2006 verkaufte Rank die gesamte Kette an die Seminole Tribe of Florida Inc., die offizielle Organisation der Seminole-Indianer in Florida. HRC betreibt heute über 140 Hard Rock Cafes in 53 Ländern, teilweise auf Franchise-Basis, außerdem Hotels und Hotel-Casinos.

Text: Toralf Czartowski | Foto(s): Pixabay

Hard-Rock-Cafe Logo
Hard-Rock Logo
Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:51